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Ann-Katrin Schmitz

Authentisch ist Ansichtssache

Ann-Katrin Schmitz – Foto: Ann-Katrin Schmitz / MEEDIA

Influencer Marketing für eine bekannte Schoki-Marke: Das Timing war eng, deshalb durfte die im heißen Dubai weilende Influencerin eine braune Kakaopampe „genießen“. Dabei sollte der Schoki-Genuss möglichst authentisch sein.

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Mein Karriereweg lief viele Jahre – sagen wir mal – nicht immer linear. Um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich so einige wirklich schlimme Jobs durchgezogen: Von Autos am Straßenrand zählen über „Hau den Lukas“-Gewinnspiele mit Passanten in Innenstädten bis hin zu Hostessjobs bei der internationalen Messe „Tube“ für Rohre war alles dabei. Heimlich habe ich in den Pausen die ersten Blog-Beiträge und HTML-Codes für unsere Website NovaLanaLove runtergetippt – bei McDonald‘s, dem damalig einzigen Ort, an dem es Free Wifi gab!

Umso dankbarer und erfolgreicher fühlten sich die ersten Jahre als Managerin im Influencer Marketing an. Aus meinem Interesse für Daten und Zahlen, viel Erfahrung im Umgang mit Agenturen und Kunden und dem ein oder anderen Try and Error ziehe ich bis heute viel Knowhow als Social Media-Expertin. Ein besonders schlimmer „Error“ jagt mir aber bis heute Peinlichkeitschauer über den Rücken.

Die Werbeanfrage der Agentur für einen großen Schokoladenhersteller klang für uns nach einem Traumjob: Schoki essen, Bild machen, posten. „Klasse!“, dachten wir im Team als Fans der Marke seit unserer Kindheit. Spätestens als ich das Briefing der Agentur im Postfach hatte, beschlich mich ein ungutes Gefühl. Timings eng gestrickt, Vorgaben wie „bitte auf dem Foto nicht in die Schokolade beißen (???), aber bitte sehr authentisch und übermorgen zur Freigabe, danke!“ Damals noch weniger selbstbewusst im Umgang mit großen Marken willigten wir trotzdem ein.

Die Influencerin, die sich im Kampagnenzeitraum noch in Dubai befand, musste also besagte Schoki-Marke bei 35 Grad im Schatten vor entsprechender Kulisse fotografieren. Timing schieben? Nein, gleich Vertragsstrafe. Also setzten wir das Ganze – so gut es eben ging – mit zerflossener Tafel und alles andere als authentisch um. Selbstredend, dass der Post bis heute zu den „Bad Practice“ Beispielen gehört, der von mehreren Medienseiten nach 24 Stunden zerrissen wurde und bei Facebook in der Gruppe „Perlen des Influencer Marketing“ landete.

Und das Feedback vom Kunden dazu? „Wir sind total happy mit dem Output!“

Ann-Katrin Schmitz ist selbständige Beraterin für Influencer Marketing, E-Branding und Social Media Marketing.

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