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Wahl-Berichterstattung

Das ZDF-Sommerinterview mit Robert Habeck war Bilderbuch-Journalismus

Konfrontativ auf die gute Art: Shakuntala Banerjee interviewt Robert Habeck im ZDF – Foto: ZDF

Das ZDF-Sommerinterview, das Shakuntala Banerjee mit dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck führt, wurde vielfach kritisiert. Die Journalistin habe Habeck nicht ausreden lassen und statt dem Klimawandel habe sie Fragen zu innerparteilichen Probleme zu breiten Raum gegeben. Die Kritik läuft ins Leere. Das Interview war journalistisch exzellent geführt.

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Es stimmt, was Kritiker monieren. Robert Habeck hatte in dem Interview mit Shakuntala Banerjee keinen leichten Stand und er guckte auch an mehreren Stellen verdrießlich. Weil Banerjee immer und immer wieder in der Wunde bohrte, dass es die Grünen vermasselt haben, im Saarland eine Landesliste für die Bundestagswahl aufzustellen.

Wie, so fragt die ZDF-Journalistin mehrfach, soll man der Partei abnehmen, die großen Probleme des Landes anzupacken, wenn sie schon an solch einfachen Formalia scheitert? Eine berechtigte Frage. Banerjee stellt sie mehrfach, weil Habeck immer wieder Ausweichbewegungen machte und „nach vorne schauen“ wollte.

Es ist aber nicht die Aufgabe von Journalisten, das zu fragen, was der Gesprächspartner gerne gefragt werden will. Natürlich ist es Habeck unangenehm immer und immer wieder auf die Patzer seiner Co-Vorsitzenden und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hingewiesen und dazu befragt zu werden. Aber da Frau Baerbock sich nicht selbst dem Sommerinterview stellte (warum eigentlich nicht?), wird halt er gefragt. Man nennt es Journalismus.

Bei Web.de lautete die Überschrift zu einer Kritik des Interviews: „Robert Habeck will über Inhalte sprechen – das ZDF aber lieber nicht„. Tja. Wenn man die Politiker nur dazu befragt, wozu sie befragt werden wollen, dann braucht es auch keine Journalisten mehr. Dann können die Grünen oder andere Parteien die Interviews künftig gleich mit sich selbst führen.

Groß war das Geschrei in einigen Teilen der Presse und des Social Webs, als das Bundesverfassungsgericht jüngst die moderate Beitragserhöhung für ARD und ZDF in Höhe von 86 Cent erlaubte. Sinngemäß schrieben einige, dass da der Jubel bei den Grünen und ihren Anhänger jetzt wohl groß sei, weil die Öffis ohnehin nur Grünen-Hofberichterstattung betrieben. Das ZDF-Sommerinterview von Shakuntala Banerjee belegt eindrücklich, was das für ein Unsinn ist. Habeck wurde hart angepackt, er kam damit aber auch zurecht. Genauso sollte jeder Spitzenpolitiker in einem journalistischen Interview angepackt werden.

Shakuntala Banerjee hat in einem Twitter-Thread erklärt, warum sie das Interview so führte, wie sie es führte. Der Thread enthält lauter journalistische Selbstverständlichkeiten.

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