Anzeige

Kürzungen bei politischer Berichterstattung

Widerstand gegen Reform-Pläne der ARD-Bosse

Reduzierung der Sendeplätze der Politikmagazine: Auch das Format "Monitor" ist von den Plänen betroffen – Foto: WDR

Die geplante Programmreform in der ARD erhält weiter starken Gegenwind. In einem offenen Brief wenden sich Journalist*innen gegen die geplanten Einschnitte im Bereich investigativer, politischer Berichterstattung.

Anzeige

Programmmacher*innen, freie Journalist*innen und Autor*innen der Politikmagazine in der ARD und der „Story im Ersten“ haben sich in einem offenen Brief zu der geplanten Programmreform des öffentlich-rechtlichen Senders geäußert. Die geplanten Einschnitte, heißt es dort, würden „den Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und seine Bedeutung im Bereich Information erheblich beschädigen“. Die Unterzeichner*innen schreiben: „Deswegen fordern wir Sie mit diesem Brief dazu auf, die geplante Programmreform nicht in dieser Form umzusetzen.“ Das Medienportal „Übermedien“ hatte als erstes darüber berichtet und den offenen Brief in voller Länge veröffentlicht.

„Übermedien“ dokumentiert den offenen Brief in voller Länge

Mögliche „Weltspiegel“-Verlegung auf Montagabend geht in die nächste Runde

In der vergangenen Woche hatte sich auch Widerstand dagegen geregt, dem Format „Weltspiegel“ einen neuen Sendeplatz zu geben. Statt wie bisher am Sonntag um 19.20 Uhr soll das Auslandsmagazin in die Late Night rutschen und künftig Montagabend ab 22.50 Uhr ausgestrahlt werden.

„Der ‚Weltspiegel‘ gehört zum Kernauftrag der ARD. Hier werden Auslandsinhalte hintergründig beleuchtet. Nirgendwo ist das verzweigte Netz von Korrespondent:innen besser sichtbar als im ‚Weltspiegel’“, heißt es in der Stellungnahme unter anderem. Sollte der „Weltspiegel“ künftig Montagabend ab 22.50 Uhr laufen, wäre das „eine drastische Schwächung der Auslandsberichterstattung im Ersten“ (MEEDIA berichtete).

Wie der „Spiegel“ nun berichtete, haben sich bekannte Korrespondent*innen zu den Plänen geäußert. Unterschrieben wurde das Papier auch von Sonia Seymour-Mikich, Fritz Pleitgen und Claus Kleber. „Erstklassige Auslandsberichterstattung darf nicht zweitklassigem Bundesliga-Fußball geopfert werden“, heißt es darin unter anderem.

Pläne von ARD-Programmdirektion um Programmchefin Christine Strobl stoßen auf Kritik

Bei dem nun veröffentlichten Brief geht es dagegen um die Politikmagazine in der ARD wie „Kontraste“, „Panorama“ und „Monitor“ sowie der „Story im Ersten“. Bereits Ende Juni hatte „Übermedien“ über die Pläne berichtet, die ARD-Programmdirektor*innen sollen in dieser Woche darüber entscheiden.

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, seit dem 1. Mai im Amt, und die Programmspitze des Ersten wollen künftig stärker als bisher jüngere Zuschauer*innen erreichen, dabei soll auch das Gemeinschaftsprogramm der ARD-Sender helfen. Wichtiger als bisher soll auch die Mediathek werden, allen voran Dokumentationen und Fiktion werden dabei wohl eine große Rolle spielen (MEEDIA berichtete, €).

Forderung der Journalist*innen: „Breite Debatte“ über die geplanten Reform

Die mehr als 80 Unterzeichner*innen gehen in dem Brief auf die von verschiedenen Medien berichteten Pläne ein, die Zahl der Sendeplätze der Politikmagazine zu reduzieren, von jeweils 15 auf elf pro Jahr. Insgesamt von 90 auf 66, wie es in dem Schreiben heißt, was einer Kürzung von fast 30 Prozent entsprechen würde. Zudem soll laut der Pläne die Doku-Reihe „Die Story im Ersten“ abgeschafft werden. „Diese Kürzungen und Streichungen würden nach unserer festen Auffassung zu einer Beschneidung der eigenen publizistischen Bedeutung führen, die das Programm entwerten und dem Programmauftrag zuwiderlaufen würde“, so die Bewertung. Und weiter: „Daran ändern auch die zwei geplanten zusätzlichen Sendeplätze für Reportagen nichts, welche die Einschnitte aus unserer Sicht keineswegs aufwiegen.“

Herausgehoben wird die Relevanz der Politikmagazine und Formate wie „Story im Ersten“ auch vor dem Hintergrund von Desinformation und Fake News in diesen Zeiten. Mit ihren Recherchen bildeten sie ein „wichtiges Gegengewicht“. Und sie unterstützen den „gesellschaftlichen Diskurs im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, schreiben die Journalist*innen. Außerdem seien die besagten Sendungen „ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Man wünsche sich eine „breite Debatte über diese weitreichende Reform und möchten die Pläne mit diesem Brief öffentlich zur Diskussion stellen“, lautet der Schlussappell der Unterzeichner*innen.

tb

Anzeige