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Nachfolge von Thomas Bellut

Tina Hassel zieht Kandidatur zurück: Norbert Himmler wird neuer ZDF-Intendant

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler – Foto: ZDF / Markus Hintzen

Die Wahl um die Nachfolge von ZDF-Intendant Thomas Bellut war nach zwei Wahlgängen unentschieden: Weder Norbert Himmler noch Tina Hassel konnten die nötige 60-Prozent-Mehrheit ergattern. Dann zog Hassel ihre Kandidatur zurück, der Weg für Himmler war damit frei.

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Der ZDF-Fernsehrat hat gewählt – und sich im 3. Wahlgang für Norbert Himmler als Nachfolger von Noch-Intendant Thomas Bellut entschieden. 57 von 60 Mitgliedern wählten Himmler, es gab eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen. Der derzeitige ZDF-Programmdirektor nahm die Wahl an. Er war in den ersten beiden Wahlgängen gegen Tina Hassel von der ARD angetreten.

Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios hatte vor dem dritten Durchgang überraschend ihre Kandidatur zurückgezogen. Hassel sagte: „Ich möchte im Sinne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eines starken ZDF, dass aus einer kleinen Mehrheit eine große Mehrheit wird und dass sie alle für Herrn Himmler stimmen werden.“ Und weiter sagte sie: „Wir wollen beide dasselbe.“ Damit war der Weg frei für den ZDF-Programmchef.

Um gewählt zu werden, wurde eine Mehrheit von drei Fünfteln im Fernsehrat benötigt. In Wahlgang 1 und 2 konnten weder Hassel noch Himmler die benötigte Mehrheit von 36 Stimmen erzielen. In beiden Durchgängen hatte Himmler etwas mehr Mitglieder als Hassel hinter sich vereinen können. Die Wahl fand im Geheimen statt.

Der Noch-Intendant Bellut hatte im März dieses Jahres angekündigt, nicht für eine dritte Amtszeit anzutreten. Der 66-Jährige hört damit im März 2022 nach zehn Jahren im Amt auf (MEEDIA berichtete). Eine Amtszeit dauert fünf Jahre.

Diskussion um Rundfunkanstalten, Partnerschaften und neue Nutzergruppen

Beide Kandidat*innen hatten am Freitagvormittag je 20 Minuten Zeit, um ihre künftige Strategie für den öffentlich-rechtlichen Sender zu präsentieren, ehe sie dem Fernsehrat für weitere Fragen zur Verfügung standen.

Hassel und Himmler gingen in ihren Vorträgen auch auf die Diskussionen rund um den öffentlich-rechtlichen Anstalten ein, bezogen sich etwa auf Relevanz und Glaubwürdigkeit. „Der Raum für das Wir ist die große Aufgabe“ (Hassel) und „ein ZDF für alle“ (Himmler) – so klangen die Losungen des Duos. Hassel sagte in ihrer Rede, dass das ZDF als Sender, Empfänger und eben auch als Dialogplattform auftreten müsse. Es gehe dabei auch verstärkt um vielfältige Perspektiven, um eine Gesellschaft möglichst ganzheitlich abzubilden.

Ihr Gegenkandidat Himmler sagte unter anderem, dass er das ZDF als „modernes Medienunternehmen“ führen möchte. Mit Blick auf 2025 betonte er, woran man ihn künftig messen könne. Dazu gehören sowohl die Stärkung des Investigativen und Wirtschaftsberichterstattung als auch eine gesteigerte Nutzung durch ZDF-ferne Gruppen sowie das Bestreben, das ZDF zum Innovations-Marktführer zu machen. Himmler, der sein komplettes bisheriges Berufsleben beim ZDF verbracht hat, erläuterte zudem, dass er Partnerschaften stärken möchte, um sich so gegen globale Marktteilnehmer zu positionieren. Dazu gehören sowohl internationale Kooperationen, beispielsweise mit öffentlich-rechtlichen Häusern in Europa, als auch die Zusammenarbeit mit der ARD und dem Deutschlandradio.

Fünfjährige Amtszeit: Himmler tritt die Nachfolge von Bellut 2022 an

Das Gremium agiert unabhängig und setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen, etwa von Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Politik, Wirtschaft, Kultur bis Sport. Der Fernsehrat beaufsichtigt die ZDF-Programmarbeit und beschäftigt sich auch mit Programmbeschwerden.

Das ZDF zählt mit rund 3.500 festen Mitarbeiter*innen zu den größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Europa. Neben dem Hauptprogramm gehören zum Senderportfolio auch ZDFneo oder ZDFinfo zur Senderfamilie, aber auch Funk, das gemeinsame Angebot mit der ARD für junge Menschen.

mit Material der dpa

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