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Christine Strobl, Oliver Köhr und Florian Hager

Strobl: „Wir wollen das ZDF nicht angreifen“

Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin – Foto: Imago / Sven Simon

ARD-Programmdirektorin Strobl, ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und der stellvertretende Programmdirektor und Channel-Manager der ARD-Mediathek, Florian Hager, beziehen auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur Stellung zu den Berichten über Politmagazine und Programmpläne. Der „Spiegel“ hatte berichtet, dass die ARD das ZDF „angreifen“ wolle.

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Nach dem Start von ARD-Programmdirektorin Christine Strobl im Mai werden nun erste Pläne für das künftige TV- und Mediatheken-Programm bekannt. Zuerst berichtete das Medienmagazin „Übermedien“ zu Überlegungen, seltener Politmagazine auszustrahlen. Am Mittwoch legte der „Spiegel“ nach und schrieb online über ein ARD-Papier zu Programmplänen (€)

Ist es richtig, dass die ARD das ZDF „angreifen“ will mit einer Programmattacke?

Christine Strobl: Wir wollen das ZDF nicht angreifen, wir haben ja gerade eine größere Zusammenarbeit als Netzwerk für die Mediatheken vereinbart. Uns geht es um die Schärfung unseres Profils. In diesem Zusammenhang spielt nicht nur das lineare Programmschema eine Rolle, wir wollen vielmehr ein eigenes, nutzerorientiertes Programmangebot für die ARD-Mediathek umsetzen – die Mediathek und Das Erste sind uns dabei gleich wichtig.

Ist es richtig, dass es, wie der „Spiegel“ berichtet, ein internes Papier gibt, das sich mit Konkurrenzangeboten zu den ZDF-Formaten „Markus Lanz“ und „heute-show“ beschäftigt?

Florian Hager: Nein, unser Papier beschäftigt sich mit dem notwendigen digitalen Umbau und dem Programmangebot für die gesamte Bevölkerung, auch für jüngere Zielgruppen.

Ist das Papier bereits verabschiedet von den Intendantinnen und Intendanten, oder in welchem Status befinden sich die Überlegungen? Wie konkret sind die Pläne?

Oliver Köhr: Wir haben unseren Vorschlag den Intendantinnen und Intendanten vorige Woche vorgestellt, starken Rückhalt erfahren und das Gesamtkonzept gemeinsam beschlossen. Wir sprechen jetzt im Rahmen dieser Leitplanken mit den Direktorinnen und Direktoren und setzen das Konzept dann gemeinsam mit den Redaktionen um.

Ist es richtig, dass nach den „Tagesthemen“ am Dienstag ein neuer Talk etabliert werden soll, der „Markus Lanz“ ähneln soll? Können Sie Details dazu nennen? Und könnte Sandra Maischberger zusätzlich zu ihrer Sendung diesen Sendeplatz übernehmen?

Christine Strobl: Wir denken an ein Format, das Menschen und nicht ein Thema in den Vordergrund stellt. Wir sind dazu in Gesprächen mit Sandra Maischberger, denn sie hat unbestritten diese Gabe. Und nein, einen zusätzlichen Talk wird es nicht geben.

Es soll zudem Überlegungen zu einem Format als Konkurrenz zur „heute-show“ geben. Freitags um 21.45 Uhr solle auch in der ARD ein Comedyformat laufen, das Ganze sei als Wochenrückblick geplant, mit „regionalen Köpfen“. ARD-Unterhaltungskoordinator Frank Beckmann solle sich darum kümmern, geplant seien zunächst 20 Folgen. Direkt im Anschluss (22.15 Uhr) sollen dann die „Tagesthemen“ laufen. Könnten Sie auch dazu Stellung nehmen?

Oliver Köhr: In der Tat suchen wir ein neues Comedy-Format, das auch die regionale Verankerung der ARD im Blick hat, und Freitag ist ein denkbarer Tag. Die Zuschauer müssen wissen, zu welcher Tageszeit sie welche Angebote erhalten. Verlässlichkeit im Tagesablauf ist für die Fernsehzuschauer wichtig. Deswegen sind einheitliche Startzeiten auch für die „Tagesthemen“ unter der Woche ein Ziel.

Für den Samstagabend sei ein neues Late-Night-Format mit Carolin Kebekus geplant – ist das auch richtig?

Florian Hager: Wir sind in Gesprächen mit Carolin Kebekus. Sie ist für die ARD ein wichtiger Kopf und es geht uns um politische Comedy. Auch in der Unterhaltung sind starke Protagonistinnen wichtig. Insgesamt muss unser Angebot diverser werden. Und wir brauchen Persönlichkeiten, die das verkörpern – egal an welchem Platz in der ARD.

Der „Spiegel“ schreibt zudem, dass die „Sportschau“ am Sonntag näher an die „Tagesschau“ heranrücken soll, auf den Sendeplatz um 19.15 Uhr. Umziehen müsse der „Weltspiegel“, der dann montags nach den „Tagesthemen“ laufen soll. Dafür müsste die „Story im Ersten“ weichen…

Christine Strobl: Der Montag soll unser relevanter Informationstag werden. Im Anschluss an die „Tagesthemen“ können wir mit dem „Weltspiegel“ die ideale Verbindung herstellen, um aktuelle Themen aus der ganzen Welt einzuordnen und zu vertiefen. Dokumentationen und Serien sind die Erfolgsgaranten in der digitalen Welt. Im Ersten brauchen wir am Montagabend mehr Dokumentationen mit relevanten Stoffen, die für die beste Sendezeit geeignet sind. Und auch für Freitag vor den „Tagesthemen“ wollen wir ein Doku-Format entwickeln. Keine Sorge also, das Dokumentarische wird für die ARD an Bedeutung gewinnen.

Es ist der Eindruck entstanden, Sie wollten die klassische politische Berichterstattung im Ersten zurückfahren?

Oliver Köhr: Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen die politische Berichterstattung ausbauen und einen neuen Schwerpunkt „investigativen Journalismus“ schaffen.

Aber Sie wollen doch die Politikmagazine auf 66 reduzieren (MEEDIA berichtete)?

Oliver Köhr: Es wird weiterhin jeden Dienstag und Donnerstag um 21.45 Uhr politische Information unter den Marken der Magazine geben. Das Entscheidende ist doch, dass wir mit den Geschichten, Recherchen und Themen der politischen Magazine die ganze Bevölkerung erreichen. Die Herausforderung für die Redaktionen der politischen Magazine ist es deshalb, dass wir Angebote für die ARD-Mediathek brauchen. Dies gelingt am besten durch Dokumentationen und Reportagen oder andere filmische Formate. Das sieht der Vorschlag im Übrigen für alle Magazinangebote vor.

Aber Sie reduzieren trotzdem Sendeplätze?

Florian Hager: Relevanz misst sich nicht in Sendeplätzen. Es geht uns nicht um Kürzungen, auch nicht um finanzielle, sondern darum, Angebote für die ganze Bevölkerung zu schaffen. Es geht um die Schärfung der Themencluster Wissen, Ausland, Religion, Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport, die wir durch starke Doku-Angebote im Ersten und der Mediathek nach vorne bringen wollen.

Christine Strobl: Ganz besonders liegt uns dabei die Schaffung einer neuen Wissensmarke für den Sonntag am Herzen – es geht darum, in einer Welt, die immer komplexer wird, Wissensthemen verständlich aufzuarbeiten und einzuordnen, zum Beispiel der Klimawandel.

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