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Nächster offener Brief an die ARD

Verband Deutscher Drehbuchautoren kritisiert ARD wegen Vertragsbedingungen

IMAGO / Future Image

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren beklagt in einem offenen Brief an die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl zu wenig Mitspracherecht ihrer Zunft bei Vertragsverhandlungen. Das müsse sich ändern.

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Wer den offenen Brief an die neue ARD-Programmdirektorin – verfasst vom Verband Deutscher Drehbuchautoren – liest, könnte zunächst meinen, es handle sich nur um eine nette Begrüßung. Man gratuliert Strobl, die seit Anfang Mai im Amt ist, „ganz herzlich“ zur neuen Position. Auch Lob gibt es: „Schon in Ihrer Funktion als Programmgeschäftsführerin der Degeto haben Sie den Dialog mit uns Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren gepflegt“, heißt es darin. Außerdem sei man „begeistert“, dass Strobl schon vor Amtsantritt angekündigt habe, weitreichende Reformen innerhalb des Senderverbunds anzuschieben. (MEEDIA berichtete)

Nun liegt es aber in der Natur der offenen Briefe, dass es darin nicht nur harmonisch zugeht. Und so hat auch der Verband Deutscher Drehbuchautoren ein Anliegen. Unterm Strich fordert der Verband neue „vertragsverbindliche Leitlinien“ der ARD im Umgang mit Drehbuchautoren, die sich an dem orientieren, was im Zuge der Initiative Kontrakt 18 formuliert wurde. Denn: „Leider hat man in den entscheidenden ARD-Gremien den Schuss bis heute nicht gehört.“

Die Initiative wurde im Jahr 2018 (deshalb Kontrakt 18) ins Leben gerufen und zielt primär auf Vertrags- und Verhaltensstandards rund um Vereinbarungen zwischen Auftraggebern und Drehbuchautoren ab, mit dem Ziel, den Drehbuchautoren unter anderem mehr Mitspracherecht einzuräumen. So heißt es auf der Homepage der Initiative etwa: „Die Autorin/der Autor hat Mitspracherecht bei der Auswahl der Regisseurin oder des Regisseurs. Die Entscheidung über die Besetzung der Regie wird einvernehmlich getroffen“. Vieles von dem, was Kontrakt 18 und nun auch der Verband fordert, sei anderswo längst Alltag, heißt es. Nur bei der ARD nicht.

Die ARD hat diese Leitlinien, wie vom Verband gefordert, bisher nicht in die Verträge mit Drehbuchautoren integriert. Die wiederum an Kontrakt 18 orientierten „ARD/Degeto-Leitlinen zur Zusammenarbeit mit Drehbuchautor/innen“ erschöpften sich mehr noch in „blumigen Absichtserklärungen“ und würden „bei Vertragsverhandlungen mit sowohl sendereigenen Justiziaren als auch mit von der ARD/Degeto beauftragten Produktionsfirmen benutzt, um vertragliche Regelungen zur Mitsprache und Mitbestimmung von Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren zu verweigern“, heißt es in dem offenen Brief weiter. „Wir fordern Sie auf, uns bis zum 15. Juli darüber zu informieren, wie Sie den Leitlinien rechtsverbindlich Geltung verschaffen wollen – in der ARD und bei den Produzenten.“

Erst vor einer guten Woche hatten sich zahlreiche Autoren aus Hörspiel, Theater und Rundfunk ebenfalls mit einem offenen Brief an die ARD gewendet. Darin sorgten sich die Unterzeichner um nicht weniger als die Zukunft der eigenen Zunft – und forderten mehr Geld. (MEEDIA berichete)

bek

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