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Die Gewinner des Grimme Online Awards

TikToker und ein Schulleiter erhalten Grimme Online Award

Der Schulleiter Björn Lengwenus – Foto: Grimme Online Award

Der diesjährige Grimme Online Award geht erstmals auch an einen TikToker: Niklas Kolorz. Außerdem ausgezeichnet wurden Enissa Amani und verschiedene Angebote, die sich mit rechter Gewalt beschäftigen.

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Erstmals ist ein TikTok-Format mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Moderator Niklas Kolorz, der in dem Netzwerk in einminütigen Videos sperrige Wissensthemen verständlich aufbereitet, räumte bei der Preisverleihung am Donnerstag in Köln gleich zwei Preise ab: einen Jury-Preis in der Kategorie „Wissen und Bildung“ und den Publikumspreis. Er berichtete, dass ihm die Idee im zweiten Corona-Lockdown gekommen sei. „Ich wollte einfach irgendeinen kreativen Ausgleich schaffen.“ Das habe eine unglaubliche Resonanz gefunden: „Nach acht Tagen hatte ich das erste virale Video mit 800.000 Aufrufen, und von da an ist der Kanal explodiert, das ist der Wahnsinn.“

Knapp 450.000 Menschen folgen Niklas Kolorz auf TikTok – Foto: Screenshot / TikTok

Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für Online-Publizistik und wird seit 2001 verliehen.

TikTok setzt auf Bildungsinhalte

TikTok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance und wurde zur ersten globalen Online-Plattform in der Hand eines nicht-amerikanischen Konzerns. Sie ist vor allem bei jungen Nutzern populär. Die Auszeichnung macht deutlich, dass sich die Wahrnehmung von TikTok mittlerweile verändert hat. Seit einiger Zeit versucht TikTok selbst Anreize für Nutzer zu schaffen, Wissens-Content auf der Plattform zu erstellen. Das „#LernenMitTikTok“-Programm von TikTok fördert ausgewählte Wissens-Creator auf der Plattform. Dieses Jahr startete die zweite Runde des Programms, wofür TikTok ordentlich Geld in die Hand nimmt: 4,5 Millionen Euro investierte TikTok letztes Jahr in Deutschland in solche Inhalte. Europaweit waren es knapp 13 Millionen (MEEDIA berichtete).

Schulleiter erhält Grimme-Preis

In der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ wurde eine besonders kreative Antwort auf die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie ausgezeichnet. Björn Lengwenus, Leiter einer Schule in Hamburg-Dulsberg, ging während der Schulschließungen sechs Wochen lang mit der allabendlichen YouTube-Show „Dulsberg Late Night“ auf Sendung. Aus der leeren Aula der Schule schaltete er Schüler zu, führte auch schon mal ein Tänzchen auf, schlüpfte in ein Osterhasen-Kostüm und stärkte so den Zusammenhalt im Lockdown.

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Lengwenus hatte für seine Initiative bereits die Goldene Kamera erhalten. Jetzt bekam er auch noch den Grimme Online Award in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“. Entertainer-Qualitäten würden Lehrerinnen und Lehrern auf jeden Fall zugutekommen, sagte Lengwenus bei der Preisverleihung, zugeschaltet aus Hamburg. „Die Schüler haben so wundervolle Beiträge geliefert“, schwärmte er, „eigentlich haben die mich durch die Show getragen.“ Er habe das Gefühl, dass die Corona-Zeit die Schule sehr gestärkt habe. „Es ist ganz wichtig, dass wir einen anderen Blick auf Schulen bekommen. Denn Schulen müssen einfach gute Orte sein.“

Enissa Amani gewann „Spezial“-Kategorie

Die Komikerin Enissa Amani gewann in der Kategorie „Spezial“ einen Preis für ihr Format „Die beste Instanz„. Die Talkshow war eine Reaktion auf eine Ausgabe des WDR-Talks „Die letzte Instanz“, in der unter anderem die Frage „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ diskutiert worden war und an der es viel Kritik gegeben hatte. Vorgehalten wurde der Sendung unter anderem, dass die Diskussion ausschließlich von weißen Gästen geführt worden war.

Amani initiierte daraufhin sehr schnell ein eigenes Talk-Panel auf ihrem YouTube-Kanal. Hier zeigt sich nach Meinung der Jury das „demokratisierende Potenzial des Internets“. Amani sagte, sie habe die Erfahrung mitgenommen: „Wenn die Idee richtig ist, kannst du Dinge auch umsetzen, ohne dich abhängig zu machen.“

Einen Schwerpunkt unter den diesjährigen Gewinnern bilden Angebote, die sich mit rechter Gewalt beschäftigen – etwa der Podcast „190220 – Ein Jahr nach Hanau“ und die Webdokumentation „Gegen uns„, die Opfer von Rassismus und rechtsextremer Gewalt aus der Anonymität holt. „#StolenMemory“ wiederum erzählt die Lebensgeschichten von Holocaust-Opfern anhand von persönlichen Hinterlassenschaften, die in den Arolsen Archives in Bad Arolsen in Hessen aufbewahrt werden. Das Archiv versucht Nachkommen der früheren Besitzer ausfindig zu machen, um ihnen die Erinnerungsstücke zurückzugeben.

Auch beim ADC-Wettbewerb konnte #StolenMemory überzeugen (+)

Insbesondere für ihre herausragende Machart ausgezeichnet wurden die Erklärstücke von „Dekoder Specials„, die Einblicke in russische Kultur, Politik und Gesellschaft geben. Einen weiteren Award erhielt Johannes Kram für seinen Podcast „Queerkram„.

Lesen Sie hier die ausführlichen Begründungen der Jury.

dpa / ls

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