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Tabula rasa

30 Leitungspositionen: So stellt sich der „Stern“ neu auf

Das neue Führungsteam beim "Stern" – Foto: Carolin Windel

Der Umbau beim „Stern“ geht weiter: Nun hat die Marke von Gruner+Jahr eine neue Redaktionsstruktur präsentiert, die die Arbeitsweise grundlegend verändern soll. Neben zahlreichen neu besetzten Leitungspositionen gibt es auch Veränderungen in den Ressorts.

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„Der ‚Stern‘ stellt sich komplett neu auf“, lautet der erste Satz in der Mitteilung von Gruner + Jahr. Man könnte auch von einer Tabula rasa sprechen, denn um die Chefredakteur*innen Anna-Beeke Gretemeier und Florian Gless wird künftig einiges anders ablaufen als bisher.

Die Marke unter dem Dach von G+J möchte seine Arbeitsweise grundlegend verändern und führt dafür eine neue Redaktionsstruktur ein. An deren Erarbeitung, heißt es in der Mitteilung, sei das gesamte Team in einem gemeinsamen Prozess involviert gewesen. Das Ziel lautet: „Eine Organisation zu schaffen, die den Erfordernissen des zeitgemäßen Journalismus entspricht und eine zukunftsfähige Arbeitsweise etabliert.“

Print, Digital, Audio oder Video – erst das Thema, dann der Kanal

Dafür hat die „Stern“-Doppelspitze mehr als 30 Leitungspositionen neu besetzt, einen wichtigen Part in der neuen Struktur nehmen dabei die stellvertretenden Chefredakteurinnen Stefanie Hellge und Laura-Lena Förster ein. Konkret soll die Produktion der redaktionellen Inhalte von der Distribution in den verschiedenen Print- und Digital-Kanälen entkoppelt werden. Sprich, am Anfang soll die Idee für ein Thema stehen, erst im zweiten Schritt wird überlegt, „was die bestmögliche Erzählweise für die jeweilige Geschichte ist“, so der Ansatz. Anhand dieser Bewertung soll künftig der passende Kanal zur Veröffentlichung gewählt werden, ob das nun Print, Digital, Audio oder Video ist.

Um diese neue Art der Arbeit umzusetzen, wird sich die „Stern“-Redaktion in einen „Inhalte“- und einen „Kanal“-Bereich aufteilen. Beide Teile sollen gemeinsam entscheiden, wie ein Thema am besten erstellt und ausgespielt werden kann. Das naheliegende Ziel dahinter: Ein Thema soll zielgenau sein Publikum finden und letztlich größtmögliche Reichweite erreichen.

An dieser Stelle kommen die stellvertretenden Chefredakteurinnen ins Spiel, deren Positionen neu geschaffen wurden: So übernimmt Hellge fortan den „Inhalte“-Bereich und koordiniert die Inhalte-Produktion beim „Stern“; Förster dagegen leitet den Part „Kanäle“ und verantwortet somit die Distribution über sämtliche Marken-Kanäle und externen Plattformen. Beide sind bereits seit einigen Jahren beim „Stern“ in unterschiedlichen Funktionen tätig. Laut Mitteilung wird somit die „markenübergreifende Verantwortung für Print und Digital auch auf der zweiten Führungsebene“ zusammengeführt.

„Stern“ etabliert Projektbüro mit dem Namen „Aktionen“

G+J hat darüber hinaus weitere Veränderungen bekannt gegeben: So wird es neue, sogenannte Strategie-Teams geben, etwa das Ressort „Leserinnen und Leser“. Dort beschäftigt sich ein Team zukünftig mit Hinweisen und Kritik aus der Leserschaft, die sich fortan in der eigenen Berichterstattung wiederfinden soll. Neue Formate sind ebenfalls geplant, die den Austausch zwischen Redaktion und Abonnent*innen verstärkt ermöglichen sollen.

Hinzu kommt ein Projektbüro namens „Aktionen“: Dieses soll Aktivitäten koordinieren, „mit denen sich der ‚Stern‘ für das Gelingen der Gesellschaft einsetzen und Debatten anstoßen will, die Deutschland voranbringen sollen.“ In diesem Zuge wird das Team der „Stiftung ‚Stern'“ ausgebaut und in der Folge stärker in die redaktionellen Abläufe integriert. Als letzte Neuerungen entstehen das Ressort „Neugeschäft“ und weitere Teams, die sich auf „Exzellenz-Projekte“ und „Allianzen“ fokussieren sollen.

Ein Kommentar zu den Entwicklungen beim „Stern“ zu Beginn von 2021

In der jüngeren Vergangenheit ist der „Stern“ mit verschiedenen Aktionen aufgefallen, hat etwa mit den Organisator*innen der Bewegung „Fridays For Future“ ein gemeinsames Heft gestaltet. Ein Schritt, der auch Kritik einbrachte und zu der Frage führte, ob sich hier Journalismus und Aktivismus nicht zu stark vermengen würden (MEEDIA berichtete).

Gless und Gretemeier erklären den Ansatz und was die Marke nach außen hin darstellen soll

Die „Stern“-Doppelspitze, seit 2019 im Amt, kommentiert die Neuausrichtung wie folgt: „Um die volle Kraft des ‚Stern‘ zu entwickeln, braucht es einen ganzheitlichen Ansatz als journalistische Marke.“ Die Marke sei nicht nur ein Wochenmagazin und Digitalangebot, sondern eine „zeitgemäße Medienmarke, die auf allen Kanälen ihre Leser:innen erreicht“. Gless und Gretemeier sagen: „Mit unserer neuen Organisation werden wir unsere Inhalte fein abgestimmt ausspielen und so als Gesamtmarke wirken. Wer in Zukunft den ‚Stern‘ liest, wo auch immer, bekennt sich dabei zu einem Grundkonsens: Wir wollen dieses Land und das Leben auf unserer Erde zukunftssicher machen.“ Zusammen mit dem Team, und der neuen Führungsebene Förster / Hellge, wolle man sicherstellen, dass man mit dem gemeinsamen Anliegen die größtmögliche Aufmerksamkeit bekommt.

Rund um G+J und die Marke „Stern“ gab es in den letzten Monaten zahlreiche Schlagzeilen: Zum einen nähert sich die Entscheidung, ob es zu einer Fusion mit der Mediengruppe RTL kommt. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hatte im Februar angekündigt, dass verschiedene Optionen geprüft werden, wie RTL und G+J noch enger zusammenarbeiten könnten. Zum anderen wurde Anfang Januar bekannt, dass G+J die Berichterstattung über Wirtschaft und Politik der Medienmarken „Stern“, „Capital“ und „Business Punk“ in Berlin bündeln wird. Jene Hauptstadt-Redaktion arbeitet seit dem Frühjahr mit 35 Mitarbeitenden und wird von „Capital“-Chefredakteur Horst von Buttlar geleitet (MEEDIA berichtete).

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