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Unmut im BDZV

Warum Springer das Upday-Mandat an Facebook zurückgeben sollte

Facebook Chef Mark Zuckerberg und Axel Springer CEO Mathias Döpfner 2019 im Gespräch

Facebook Chef Mark Zuckerberg und Axel Springer CEO Mathias Döpfner 2019 im Gespräch – Foto: Axel Springer SE/Charles Yunck

Dass der Axel-Springer-Aggregator Upday für Facebook News Inhalte kuratiert, stößt beim BDZV auf teils harsche Kritik. Springer-CEO Mathias Döpfner wäre gut beraten, die Auswahl einem neutralen Dienstleister zu überlassen.

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Er ist die Stimme der Zeitungsbranche: Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Seit 2016 bekleidet er das Amt eines der größten Lobby-Verbände des Landes. Zugleich ist Döpfner als Chef und Anteilseigner des Berliner Verlagshauses Axel Springer einer der mächtigsten Medienmanager der Republik. Eine Doppelrolle, die in der Printbranche nicht jedem schmeckt. Zu sehr soll er vor allem die eigenen wirtschaftlichen Interessen im Blick haben, lauten immer wieder die Vorwürfe. Doch kaum ein Geschäftsmann hat sich mit seinen öffentlichen Auftritten so vehement für die Interessen des Wirtschaftszweiges Zeitungen eingesetzt wie Döpfner. Mal geißelt er die Zusammenarbeit zwischen Bund und dem Internet-Riesen Google bei zu prominent platzierten Gesundheitsinfos auf der Suchmaschinen-Webseite als ordnungspolitischen Tabu-Bruch, mal setzt er sich für eine Regulierung der US-Internet-Plattformen ein, damit die journalistischen Angebote hierzulande nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Rufe nach einem Misstrauensvotum gegen BDZV-Präsident Mathias Döpfner sind überzogen, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

Doch bei seinem jüngsten Deal mit dem Facebook zeigt sich, dass die Interessen als CEO eines Medienunternehmens und eines Verbandschefs manchmal doch schwer zu vereinen sind. Zwar ist es aus Sicht von CEO Döpfner verständlich, dass er im Rahmen der Reform des Leistungsschutzrechts möglichst viel Geld für sein Haus erzielen will. Durch geschicktes Verhandeln mit Facebook hat er sich einen gehörigen Schluck aus der Pulle genehmigt. Dass er hierdurch aber viele Verbandsmitgliedern als BDZV-Präsident vor den Kopf stößt, war vorauszusehen.

Für besonderen Unmut sorgt innerhalb des BDZV, dass der Springer-eigene Aggregator Upday in Deutschland für die Auwahl der Inhalte bei Facebook News zuständig sein soll. Zwar versichern sowohl Facebook als auch Springer, dass sich Upday an die allgemeinen Facebook-Regeln halten muss und noch Facebook-Leute und der allmächtige Algorithmus die News-Auswahl überwachen – aber mit dem Vertrauen in die Aussagen der Plattform ist es nicht allzu weit her.

In der Branche und bei einigenVerbandsmitgliedern bleiben Zweifel, ob Upday nicht doch Springer-eigene Medien wie „Bild“ und „Welt“ bevorzugt. Hier sollte Döpfner gegensteuern und den Auftrag an Facebook zurückgeben. Die Plattform sollte einen branchenunabhängigen Dienstleister wählen, der die Top-Nachrichten auf Facebook-News kuratiert. Damit würde Döpfner zeigen, dass er die Sorgen seines Verbandes ernst nimmt und ihm Neuztralität und Ausgewogenheit am Herzen liegen. Damit sollten sich die aufgebrachten BDZV-Mitglieder dann aber auch zufriedengeben und ihre weiteren Interessen gegen Facebook im Zweifel selber durchsetzen. Rufe nach einem Misstrauensvotum gegen Döpfner als BDZV-Präsident, sind überzogen. Einen besseren Kämpfer für die Sache der Zeitungsverlage als Döpfner wird man in der Branche kaum finden.

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