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Nach internen Reibereien

Barbara Hans verlässt den „Spiegel“

Barbara Hans – Foto: Michael Kappeler / Der Spiegel

Barbara Hans verlässt die Chefredaktion des „Spiegel“ Ende April. Über ihren bevorstehenden Abgang war in der Vergangenheit in der Branche bereits heftig spekuliert worden. Angeblich hat die Chemie zwischen ihr und Chefredakteur Steffen Klusmann nicht gestimmt.

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Die Trennung jetzt erfolgt aber natürlich „im besten gegenseitigen Einvernehmen“. Was in diesem Fall wohl vor allem bedeutet, dass man sich über die Höhe einer adäquaten Abfindung einig geworden ist. Steffen Klusmann ruft ihr als Vorsitzender der Chefredaktion noch ein paar freundliche Worte nach: „Barbara hat den ‚Spiegel‘ und vor allem ‚Spiegel Online‘ entscheidend mitgestaltet. Sie hat viele Kolleginnen und Kollegen inspiriert, das Haus hat ihr viel zu verdanken und wird sie vermissen. Ich möchte mich noch einmal für die gemeinsame Zeit in der Chefredaktion bedanken und wünsche ihr alles Gute.“ Wohlgemerkt: „Das Haus“ wird sie vermissen …

Inoffiziell herrschte wohl nicht so sehr die Friede-Freude-Eierkuchen-Atmo, wie sie nun in der Mitteilung zu Hans‘ Abgang etwas bemüht verbreitet wird. In einem offenen Brief beklagten sich „Spiegel“.Mitarbeiter über den Umgang mit der  Mitarbeiterin (MEEDIA berichtete). Die Rede war von „Mobbing“. Die Kultur des Umgangs miteinander sei „menschlich, kommunikativ und strategisch“ fatal. Nach Berichten über ein Zerwürfniss zwischen Barbara Hans und vor allem Klusmann gab es seitens des Verlags kein öffentliches Bekenntnis zu der leitendenden Mitarbeiterin sondern nur, wie es in dem offenen Brief hieß, „dröhnendes Schweigen“. Bezeichnenderweise wird in der Mitteilung zu ihrem Abgang auch kein Grund genannt.

Kurz bevor der Verlag die beiden Sparten Online und Print zusammenlegte ging Hans Ende 2018 in Mutterschutz. 2019 kehrte sie zunächst schrittweise wieder in die Redaktion zurück und war seit Sommer 2020 wieder voll im Einsatz. Eigentlich sollte sie in einer Dreier-Konstellation mit Clemens Höges und Steffen Klusmann die integrierte „Spiegel“-Redaktion leiten. Als frühere „Spiegel Online“-Chefin hätte sie in dem Trio die Digital-Expertise eingebracht, Höges ist ein ausgewiesener Print-Mann, Klusmann sollte als Vorsitzender der Chefredaktion das letzte Wort haben.

Barbara Hans sagt zu ihrem Abschied: „Mit Freude und Stolz blicke ich auf die vergangenen 16 Jahre ‚Spiegel‘. Es war eine intensive und extrem produktive Zeit als Redakteurin, Reporterin, Chefredakteurin. Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen für alles, was wir gemeinsam erreicht haben: für einen Journalismus, der so erfolgreich ist wie nie zuvor, für Reichweiten- und Plusrekorde. Und vor allem für ihr Engagement, das mich beeindruckt, und für ihr Vertrauen, das die vielen Innovationen und Veränderungen erst möglich gemacht hat. Es war ein Privileg, mit so vielen klugen Menschen aus allen Teilen des Hauses daran zu arbeiten, den ‚Spiegel‘ publizistisch weiterzuentwickeln und die Redaktionen zu fusionieren.“

Neben ihrer journalistischen Tätigkeit arbeitete sie als Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Hamburg und wurde mit einem Fellowship der Columbia University Graduate School of Journalism, New York, geehrt. Ihre Dissertation schrieb sie 2016 über politische Inszenierungen und das Vertrauen in Politik und Medien.

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