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"Edition F"-Chefin Lana Wittig

„Wir wollen eine Leuchtturm-Position einnehmen in der Gleichberechtigung aller“

"Edition F"-Geschäftsführerin Lana Wittig – Foto: Ana Torres

Seit der Gründung im Jahr 2014 haben Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert das Medien-Startup „Edition F“ geleitet. Im Januar dann der Wechsel: Lana Wittig ist nun Geschäftsführerin. MEEDIA hat mit ihr über die Übergangsphase und die Ausrichtung der Marke gesprochen. Außerdem gibt sie Einblicke in neue Pläne.

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MEEDIA: Einige erfolgreiche Manager*innen sollen ja eine Morgenroutine haben. Sie hatten bislang keine, haben Sie im Oktober gesagt, als der Wechsel an der Spitze von „Edition F“ verkündet wurde. Das wollten Sie aber ändern. Ihr Ziel: „Früh aufstehen, Yoga machen, entspannt Kaffee zu Hause trinken und erst dann den ersten Blick aufs Telefon werfen.“ Frau Wittig, wie klappt es damit?

Katastrophal! (lacht)

Wieso?

Ich schaffe es phasenweise, aber ich muss mich wohl damit abfinden, dass meine Routinen einfach nicht in den Morgen passen, sondern eher in den Abend gehören.

Seit Kurzem sind Sie Geschäftsführerin, haben zum Januar die beiden Gründerinnen Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert abgelöst. Wie lief die Übergangsphase ab?

Als Sales-Leiterin und langjährige Mitarbeiterin war ich bereits in zahlreiche Prozesse involviert, als wir im Sommer 2020 die ersten Gespräche geführt haben. Mein damaliger Job hatte schon viele Überschneidungen mit Marketing, Events oder auch Teilen der Redaktion. Daher war es recht leicht diesen Blick von oben einzunehmen.

Infos zu „Edition F“

Die Marke ist 2014 als Plattform für Frauen gestartet, gegründet von Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert. Neben der Einführung der Auszeichnung „25 Frauen Awards“ und dem eigenen Event Female Future Force Day gibt es seit März 2020 auch das Bezahlmodell Edition F Plus. Chefredakteurin ist seit rund einem Jahr Mareice Kaiser.

Zum Januar 2021 hat sich das Unternehmen verändert: Die Geschäftsführerinnen Hoffmann und Wohlert haben sich zurückgezogen und sind dem Unternehmen im Beirat und als Hauptgesellschafterinnen erhalten geblieben. Die Leitung hat Lana Wittig übernommen, die zuvor bereits als Head of Partnerships bei „Edition F“ tätig war.

Was haben Sie die erste Zeit getan?

Im Herbst habe ich viele Gespräche mit den Teammitgliedern geführt. Wo stehen sie selbst? Was finden sie gut und was nicht? Und wie sehen sie die Zukunft des Unternehmens? Natürlich gab es dann eine Übergabe mit Susann und Nora-Vanessa. Und ich musste überlegen, wie ich den Job von zwei Geschäftsführerinnen alleine stemme und wie die Verantwortlichkeiten im Team verteilt werden könnten.

Was haben Sie aus den Mitarbeitergesprächen gelernt?

Dabei spielt der Zeitpunkt der Übernahme eine Rolle. Es war inmitten des Corona-Jahres. Wie viele andere Medienunternehmen und Agenturen sind wir im ersten Lockdown sehr hart getroffen worden. Unsere Haupteinnahmequellen, Event und Werbung, sind komplett eingebrochen. Für die Mitarbeitenden war das beruflich wie privat eine extrem herausfordernde Zeit.

Welche Erkenntnisse gab es auf strategischer Ebene?

Es ging viel darum, was unsere Zielsetzung ist. Was sind unsere Werte? Und auch, welche Vision wir für das Unternehmen haben. Das ist ein Prozess, den wir Anfang dieses Jahres zusammen mit Coaches angegangen sind und der uns über das ganze Jahr begleiten wird.

Wie lautet die Vision und wo sind die Unterschiede zur Vergangenheit?

Es ist weniger eine neue Vision, sondern viel mehr eine Erweiterung. „Edition F“ hat sich seit der Gründung 2014 besonders mit binären Geschlechterrollen beschäftigt. Wenn wir uns die gesellschaftliche Entwicklung anschauen, finden wir, dass das nicht mehr ausreicht, nur den Blick auf Frauen oder Männer zu richten. Wir wollen eine Leuchtturm-Position einnehmen in der Gleichberechtigung aller in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Was bedeutet das konkret?

Diversität war 2014, dass es mehr Frauen in Führungspositionen braucht. Reden wir 2021 darüber, ist das viel zu kurz gefasst. Da müssen wir schauen, welche Dimensionen uns als gesamte Gesellschaft betreffen – also Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe, unterschiedliche Altersgruppen und Menschen mit Behinderungen. Wir erweitern den Kreis der Perspektiven, die wir nach außen tragen wollen. Dafür müssen wir aber auch als Team diverser werden und uns überlegen, wie wir die verschiedenen Gruppen ansprechen wollen.

Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert haben sich die Geschäftsbereiche untereinander aufgeteilt. Aktuell verantworten Sie die alleine. Das soll aber nicht so bleiben. Können Sie Vollzug melden?

Bislang nicht, aber wir sind in den letzten Zügen. Es war von Beginn an der Plan, dass ich mir jemanden an die Seite hole, auch um Vision und Strategie weiterzuentwickeln. Bei der Co-Geschäftsführung geht es im Kern darum, dass wir einige Bereiche wiederaufleben lassen oder erweitern wollen, beispielsweise den Weiterbildungsbereich.

Sprich die Female Future Force Academy, die 2019 eingestellt wurde…

…die aber weiter Teil unseres Bezahlmodells Edition F Plus ist. Gerade im Weiterbildungsbereich sehen wir, auch vor dem Hintergrund unserer inhaltlichen Vision, eine größere Aufgabe für uns. Ende des Jahres werden wir mit einem Pilotprojekt starten, das zunächst nicht an die Community gerichtet ist, sondern ein B-2-B-Ansatz ist.

An wen wird sich das Angebot richten?

Wir entwickeln ein Programm, das sich an angehende Führungskräfte und Führungskräfte in Unternehmen wendet. Inhaltlich wird das stark auf Diversitäts-Kompetenzen ausgerichtet sein. Es geht weniger um die Förderung von Frauen, sondern darum, den Mitarbeitenden die richtigen Tools zu vermitteln, um Diversität in Teams umzusetzen.

Ein Thema, das in Unternehmen stark diskutiert wird. Und wo es hier und da eine Hilflosigkeit gibt. Die Nachfrage dürfte nicht gering sein, schätze ich.

Ich habe in den letzten fünf Jahren eng mit Unternehmen im Bereich Employer Branding und Recruiting gearbeitet. Und ja, es gibt eine gewisse Hilflosigkeit. Das Positive daran ist, dass es in vielen Firmen das Bestreben gibt, besser zu werden.

v.l.: Nora-Vanessa Wohlert, Susann Hoffmann und Lana Wittig – Foto: Ana Torres

Das ist der eine Teil. Was passiert im Agenturbereich?

Momentan übernehmen wir Konzeption, Entwicklung und Umsetzung von Kampagnen für Kund*innen. Allerdings arbeiten wir in den meisten Fällen nur über unsere eigenen Kanäle, was wir aber künftig ausbauen wollen. Wir haben ein starkes Netzwerk zu anderen Medien, Frauen-Medien und alternativen Wirtschaftsmedien. Und ich denke, dass man das noch viel stärker aktivieren kann, um einen Mehrwert zu schaffen.

Welche Medien sind das?

Es sind verschiedene Blogs, die Frauen ansprechen und auch Magazine, mit denen wir teilweise schon Content-Kooperationen im redaktionellen Bereich haben. Wir wollen ein Outlet-Netzwerk aufbauen, das in unterschiedlichen Bereichen unserer Kundschaft interessant ist. Wenn wir künftig mit großen Lifestyle-Brands oder Konzernen arbeiten, gibt es sicher weitere Medien, die für die Marken und deren Zielgruppe interessant sein könnten.

Vor rund einem Jahr ist das Bezahlmodell gestartet. Wie hat es sich seitdem entwickelt?

Wir können etwa 70 Prozent unserer internen Redaktionskosten durch die Einnahmen refinanzieren. Im letzten Jahr lagen wir bei einer kompletten Deckung, weil wir teilweise in Kurzarbeit waren. Das Ziel ist, dass wir bis Ende des Jahres auf mindestens 100 Prozent der redaktionellen Kosten kommen.

Wie viele Abonnent*innen sind es?

Die Abo-Zahl ist für uns sekundär. Primär ist das Erreichen des Umsatzziels, sprich: die Deckung aller Kosten. Wir überlegen aktuell, ob wir weggehen von der reinen Monats- und Jahresmitgliedschaft hin auch zu einzelnen Inhalten, die Nutzer*innen kaufen können.

Hat das Unternehmen 2020 schwarze Zahlen geschrieben?

Nein, wir haben das Jahr mit einem kleinen Minus abgeschlossen. Wir konnten die Werbeeinnahmen im 3. Quartal zwar sehr gut wieder aufholen und sind in der zweiten Jahreshälfte sogar über den Vorjahreszahlen gelandet. Das hat aber nicht gereicht, um die weggebrochenen Event-Einnahmen auszugleichen. Im Werbereich sind wir dafür ordentlich ins neue Jahr gegangen.

Klingt danach, als hätte sich der Werbemarkt berappelt.

Der Werbebereich hat sich aus meiner Sicht inzwischen komplett erholt. Die erste Lähmung, die wir bei Kund*innen erlebt haben und wo alle Budgets eingefroren wurden, hat sich schnell gelegt. Auch die Denkweise bei der Kundschaft hin zu rein digitalen Formaten hat sich gewandelt. Dennoch habe ich Ende 2020 erwartet, dass wir 2021 bei Events eine bessere Planbarkeit haben würden. Inzwischen gehen wir nicht mehr davon aus, dass größere Veranstaltungen in diesem Jahr analog möglich sind. Wir planen rein digital – oder hybrid.

Sind die geschäftlichen Pläne auch als Versuch zu verstehen, sich langfristig unabhängiger von Werbeeinnahmen zu machen?

Werbeeinnahmen machen einen großen Teil unseres Gesamtumsatzes aus. Die zwei größten Säulen sind Anzeigen und Events, trotz „Edition F Plus“. Es wird ein langer Prozess, dort eine andere Gewichtung zu erlangen. Aber es wäre gut für uns, wenn unser Geschäftsmodell insgesamt skalierbarer wäre. Die Bereiche Werbung und Events sind es nicht. Wir haben aus der Krise gelernt, dass wir mehr stabile Säulen brauchen, falls eine aus welchen Gründen auch immer einbricht.

Bestehen Pläne im Bereich Video? Podcasts gibt es ja schon.

Die Podcasts werden dieses Jahr enorm ausgebaut. In den nächsten drei Monaten kommen drei neue Formate, übers Jahr verteilt starten drei weitere. Video ist ein Thema und ist durch Corona nochmal viel interessanter geworden. Wir arbeiten derzeit an Konzepten, wo redaktionelle Partnerschaften eine Rolle spielen könnten.

Was sind die drei Prioritäten von Ihnen und dem Team?

Der Launch unserer neuen Podcast-Formate im Frühsommer. Dann unsere Events, die Konferenz Female Future Force Day und unser „Edition F“ Award. Und zum Ende des Jahres die Weiterbildungen.


Lesetipp: Über die Marke „Edition F“ und ihre Entwicklung seit der Gründung, lesen Sie in diesem Artikel mehr (€).

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