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"Bild"-TV

Warum „Bild“-Chef Julian Reichelt bei seinen Fernsehplänen mehr einfallen muss

Das Verlagsgebäude von Axel Springer – Foto: imago images / Jürgen Ritter

Der Start von „Bild“ als Fernsehsender im Wahljahr ist geschickt gewählt. Chefredakteur Julian Reichelt muss sich aber in der Programmstruktur viel breiter aufstellen, um im hart umkämpften Fernsehgeschäft Fuß zu fassen, findet MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

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Markus Söder oder Armin Laschet – der Machtkampf um das Kanzleramt ist eröffnet. Seit Tagen schlagen sich der CSU- und der CDU-Chef darum, wer Angela Merkel als Bundeskanzlerin beerbt. Immer dabei der Online-Auftritt des Boulevardblatts „Bild“. Fast im Stundentakt reiht sich hier eine Sondersendung an die andere. Jetzt will „Bild“-Chef Julian Reichelt die rote Gruppe auf breitere Standbeine stellen. Dazu soll die wichtigste Medienmarke des Berliner Medienunternehmens Axel Springer kurz vor den Bundestagswahlen auch als klassischer Fernsehsender aktiv werden.

MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski findet, dass der Zeitpunkt für einen TV-Sender von „Bild“ geschickt gewählt ist – Illustration: Bertil Brahm

Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt. Ob verfehlte Impfstrategien oder die katastrophale Wirtschaftslage – das Informationsbedürfnis der Menschen um das politische Geschehen ist riesig. Da passen die Pläne von Reichelt genau rein, um „Bild“ im Fernsehmarkt zu etablieren. Der Journalist verbessert dadurch zudem die wirtschaftlichen Perspektive der roten Gruppe, die durch nachlassende Print-Auflagen unter Erlösdruck steht. Da sind Spots bei einem linearen Fernsehsender eine gute zusätzliche Einnahmequelle und deutlich lukrativer als Einzelschaltungen vor einer Sondersendung im Netz. Doch das ist nicht der einzige Vorteil: Schafft Reichelt es, „Bild“ im Fernsehgeschäft zu etablieren, könnte dies auch den Absatz der gedruckten Auflage und die Verkaufszahlen von „Bild plus“-Abos beflügeln. 

Doch das bisher bekannte Programmangebot von „Bild“ ist noch zu spärlich, um sich gegen die Inhalte der großen Platzhirsche RTL und ProSiebenSat.1 zu behaupten. Bislang setzt Reichelt vor allem auf Informationssendungen, Dokus, etwas Crime und Unterhaltungsthemen. Damit hebt sich das Medienhaus zu wenig von Nischensendern ab. Nun ist „Bild“ eine bekannte Medienmarke, die schnell Marktanteile aufbauen kann. Doch das wird langfristig nicht ausreichen, um sich vom Werbekuchen der Branchen-Schwergewichte ein größeres Stück abzuschneiden. Wichtig wäre es, dass sich „Bild“ im linearen Fernsehen zu einem breiteren Inhalteanbieter entwickelt – mit TV-Shows und Spielfilmen. Da kommt KKR als Miteigentümer bei Axel Springer ins Spiel. Der Finanzinvestor hatte sich vor zwei Jahren bei der TV-Firma Leonine eingekauft. Das Münchener Fernsehunternehmen um den Medienmanager Fred Kogel ist mit Spielfilmen und Show-Formaten breit aufgestellt. 

Jetzt könnten Springer und KKR Leonine nutzen, um „Bild TV“ mit weiteren Inhalten aufzuhübschen. Damit hätte die Boulevard-Marke großes Potenzial. Das wäre wohl auch ganz nach dem Geschmack von Springer-Chef Mathias Döpfner. Er hätte sich nach dem gescheiterten Einstieg bei P7S1 vor vielen Jahren so seinen Traum verwirklicht, im deutschen TV-Geschäft ein größeres Rad zu drehen.


Lesetipp: Welche Chancen und Risiken der TV-Sender von „Bild“ birgt, lesen Sie in der Analyse. Hier entlang (€).

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