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Eklat um Reality-Show

„Promis unter Palmen“: die zynische Masche von Sat.1

Kalkulierter Pöbel-Ausfall: Prinz Marcus von Anhalt (l.) – Foto: Screenshot Sat.1

Der Cast der Sat.1 Reality-Show „Promis unter Palmen“ ließ bereits Übles ahnen. Dass es noch schlimmer kam, war keine Überraschung. Der Sender sieht sich erneut mit massiver Kritik konfrontiert. Zu Recht.

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In der gestrigen Auftaktfolge der Reality-Show „Promis unter Palmen“ äußerte sich der Teilnehmer Prinz Marcus von Anhalt angetrunken in extremer Weise homophob und menschenfeindlich. Die sofort bei Twitter aufkommende Kritik wurde von Sat.1 folgendermaßen kommentiert:

Der Sender schob dann noch einen Tweet in Richtung des von Prinz Marcus angegriffenen Katy Bähm nach. Der Tweet sollte augenscheinlich rechtfertigen, warum die Szenen gesendet und nicht im Schnitt entfernt wurden.

In der Sendung ergriff dann vor allem Reality-Profi Willi Herren das Wort gegen Prinz Marcus und dessen Ausfälle.

Am Ende wurde Prinz Marcus von den anderen Teilnehmern der Show rausgewählt. Für Sat.1 war die Sache damit offenbar beendet:

Allerdings häufte sich auf Twitter die Kritik daran, dass eine derart umstrittene Figur wie Prinz Marcus von Anhalt überhaupt gecastet wurde. Beispielhaft hier einige Tweets des bekannten Trash-TV-Kommentierers „Anredo“:

Auch die prominente Drag-Queen Olivia Jones äußerte sich kritisch:

In der Tat musste dem Sender klar gewesen sein, welchen Zündstoff die Besetzung der aktuellen Staffel „Promis unter Palmen“ birgt. Prinz Marcus von Anhalt ist mehrfach vorbestraft und in der Vergangenheit immer wieder in ähnlicher Manier ausfällig geworden. In der vergangenen Staffel gab es zudem massive Vorwürfe gegen den Sender, weil der Teilnehmer Bastian Yotta seine Co-Kandidatin Claudia Obert extrem herabwürdigte. Yotta gewann die Show am Ende. Als später noch ein frauenfeindliches Video von Yotta im Netz auftauchte, erklärten sowohl RTL als auch Sat.1, ihn nicht mehr für Formate beschäftigen zu wollen.

Auch RTL machte mit der vergangenen Staffel von „Sommerhaus der Stars“ so seine Erfahrungen mit Mobbing vor laufender Kamera. In der Sendung wurde eine Kandidatin von großen Teilen der Gruppe regelrechtem Psychoterror ausgesetzt und fertiggemacht. Die Kamera hielt drauf, das Material wurde gesendet. Immerhin äußerte sich RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm danach erstaunlich differenziert in einem Interview mit „Übermedien“: „Die Eskalation der Aggressivität und das unangenehme negative Gefühl, das in dieser Staffel steckt, hat uns persönlich auch betroffen gemacht.“ RTL bemüht sich seit einiger Zeit um ein seriöseres Image und scheint sich von Formaten, in denen das gnadenlose Bedienen niedriger Triebe und Instinkte Grundkonzept ist, verabschieden zu wollen.

All das war bekannt, bevor die neue Staffel von „Promis unter Palmen“ in die Produktion ging. Vor diesem Hintergrund wirkt die Eskalation um Prinz Marcus von Anhalt kalkuliert und die Rechtfertigungen des Senders Sat.1 auf Twitter fadenscheinig. Da es sich bei „Promis unter Palmen“ um kein Live-Format handelt, wirkt es so, als ob der Sender den Eklat billigend in Kauf genommen hat, wissend, dass Prinz Marcus in der ersten Folge ohnehin rausgewählt wird. Ein Veralten, das man mit recht zynisch nennen kann. Vom einstigen Selbstbild als Familiensender hat sich Sat.1 mittlerweile weit entfernt. Bei „Promis unter Palmen“ lautet der Untertitel „Für Geld mache ich alles“. Bei Sat.1 könnte das Motto heißen: „Für die Quote machen wir alles.“ Die Masche scheint aber nicht aufzugehen. Bei der Quote hatte der Schwestersender ProSieben mit der herausragenden HBO-Serie „Chernobyl“ am Dienstagabend die Nase vorn.

Mitarbeit: ts

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