Anzeige

RTL-Strategie

Weniger laut und seriöser – Darum ist der angestrebte Imagewandel bei RTL ein richtiger Schritt

Mediengruppe RTL in Köln – Foto: Imago / Future Image

Bei RTL tut sich gerade viel. Die jüngsten Personalien um Dieter Bohlen, Hape Kerkeling und Jan Hofer zeigen, wohin es für den Sender gehen soll. Im Fokus: Seriosität und Relevanz.

Anzeige

„Deutschland sucht den Superstar“ ohne Dieter Bohlen – für viele ist das nach 20 Jahren fast undenkbar. Doch mit der nächsten Staffel der Casting-Show wird es genauso sein. Zu jener neuen Realität gehören dafür aber Hape Kerkeling – und Jan Hofer. Der Ex-„Tagesschau“-Sprecher soll eine wochentägliche Nachrichtensendung im Hauptabendprogramm bekommen. Damit möchte der Kölner Sender das Nachrichtenangebot rund um „RTL Aktuell“ ausbauen. Es sind Personalien, die zeigen, welch großer Wandel bei RTL im Gange ist. Es wirkt wie die Abkehr vom lauten Auftreten vergangener Jahre hin zu einem Image mit mehr journalistischer Schlagkraft. Zu einem schärferen Profil mit mehr Seriosität und dem Versuch, auch beim älteren Publikum ab 50 verstärkt zu punkten. Eine Zielgruppe, die auch aufgrund des Nutzungsverhaltens für die Werbung relevanter wird. Aber eben nicht nur.

MEEDIA-Redakteur Thomas Borgböhmer hält die strategischen Maßnahmen bei RTL für sinnvoll – Illustration: Bertil Brahm

Jener Wandel ist Teil einer Strategie, die Bedürfnissen Rechnung tragen dürfte, die in diesen Zeiten besonders hervorstechen: Der Wert von Informationen wird vom Publikum enorm geschätzt, das hat vor allem die Pandemie offenbart. Hier haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten zuletzt ihre Stärken gezeigt. Auch bei RTL gab es Sondersendungen zur Krise, viele davon lagen über den Durchschnittszahlen des Senders, sowohl bei den 14- bis 49-Jährigen als auch beim Gesamtpublikum. Nun ist die Pandemie eine Ausnahmelage, die – zum Glück! – nicht ewig währt. Das Bedürfnis nach sorgfältig recherchierten, verlässlichen Nachrichtenformaten wird bleiben.

Mit der RTL News GmbH, wo rund 700 Journalist*innen an 24 Standorten crossmediale Nachrichten, Infotainment, investigativen Journalismus und Dokutainment liefern sollen, dürfte die Mediengruppe erst einmal über ausreichend Zugkraft verfügen. Bei ProSiebenSat.1 tut sich ebenfalls was: Dort wird eine zentrale Nachrichtenredaktion mit rund 60 Mitarbeitenden aufgebaut. ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 werden ab 2023 über alle Plattformen hinweg wieder mit eigenständig produzierten Nachrichten beliefert, nicht wie aktuell von Axel Springer.

Es ist was los in der deutschen TV-Landschaft, private Sender treten in neuem Stil auf: seriöser, mit Fokus auf Nachrichten und, wie zuletzt mit der Pflege-Doku bei ProSieben, mit hochrelevanten Reportagen. Als netter Nebeneffekt bringen solche Aktionen in den sozialen Medien und in überregionalen Blättern große Aufmerksamkeit. Erst kürzlich gab RTL bekannt, dass man mit der Initiative „Klima vor acht“ im Austausch für ein regelmäßiges Klima-Format sei. Fundierte und verständliche Klimaberichterstattung im Umfeld von „RTL Aktuell“, so das Ziel. Ein kleiner Baustein, stimmt. Aber auch ein smarter Schritt, handelt es sich doch um ein Thema, das die Generation Z anlocken könnte.

Die Verantwortlichen bei ARD und ZDF sollten die strategischen Maßnahmen bei RTL und Co. genau verfolgen. Und für die (jungen) Zuschauer*innen sind mehr Vielfalt und Auswahl, ob linear oder digital, ganz sicher nicht verkehrt.

Anzeige