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Jan Bechler

Sich zum Horst, ähem, Hasen machen

Jan Bechler – Foto: Raimar von Wienskowski / MEEDIA

Ein Radiomoderator muss auch „Nebenjobs“ machen, beispielsweise für Promotionzwecke als Hase verkleidet Produkte unters Volk bringen. Da fallen etliche Häschenwitze ab.

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„Und? Was willst Du mal werden?“ Während heute vermutlich „Influencer“ die Antwort vieler junger Erwachsener wäre, gehörte in den 2000er-Jahren der Radiomoderator in diese Kategorie. Die Morning Men und Women waren Berühmtheiten, selbst Plakatkampagnen liefen mit ihnen. Und nicht wenige Größen im Mediengeschäft hatten ihre Karriere beim Radio begonnen. Für mich stand fest: Wenn es einen perfekten Job gibt, dann den des Radiomoderators.

Insofern war ich ziemlich stolz, als ich begleitend zum Studium Moderator bei Radio NRJ Hamburg wurde. Ich durfte die Nachmittagsshow machen, manchmal sogar die heilige Morning Show. Die Arbeitszeiten mit Showbeginn um 6 Uhr morgens waren hart, die Atmosphäre zwischen den Kolleginnen und Kollegen dafür umso besser. Was ich allerdings nicht bedacht hatte: Radio bedeutet auch viele „Nebenjobs“. Manche davon – zum Beispiel als DJ – machen ziemlich viel Spaß, aber es gibt auch die der besonderen Art.

Es war kurz vor Ostern. In der Fußgängerzone öffnete ein Sporthaus und „mein“ Sender war Medienpartner. Entsprechend waren wir auch dafür zuständig, Leute in den Laden zu locken. Die Idee unserer Marketing-Abteilung: Ein Glücksrad mit einem Moderator im Hasenkostüm. Der Auserwählte: Ich! Einen ganzen Nachmittag stand ich da in der brütenden Hitze und verloste Tennisbälle und Badmintonschläger – und die Häschenwitze sprühten nur so aus mir raus. Dummerweise hatte ich vorab nicht meinen Mund gehalten, sodass Freunde, Bekannte und meine (mehr oder weniger stolzen) Eltern vorbeischauten.

Die nächsten Monate, wenn ich jemandem doof kam, war die Antwort nicht selten ein Paar gespielter Hasenzähne. Bis heute gibt es keine Aktion aus dieser Zeit, die Freunden und Bekannten besser in Erinnerung geblieben ist. Deshalb kann man aus dieser Episode durchaus etwas lernen. Erstens: Die dümmsten Ideen sind häufig die aufmerksamkeitsstärksten. Zweitens: Wie schön, dass es damals kaum Smartphones gab. Und drittens: Egal, wie toll der Job ist – irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich für den Erfolg zum Horst machen muss – oder eben zum Hasen.

Jan Bechler ist Co-Gründer und einer von drei Geschäftsführern der Agentur Finc3 Marketing Group.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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