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Wie Corona für eine 4-Tage-Woche sorgen könnte

Virginie Briand – Illustration: Bertil Brahm

Die Corona-Krise könnte die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Warum wir jetzt über die 4-Tage Woche nachdenken müssen.

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Auch wir mussten im Zuge des ersten Lockdowns infolge der Pandemie auf Kurzarbeit umstellen. Und während in den ersten Wochen die Sorge um die Firma überwog, stellte sich mit der Zeit ein neues Gefühl ein. Das sich immer mehr zu einem klaren Wunsch formte und schließlich auch von meinem Team artikuliert wurde: Es tut gut, nicht immer am Anschlag zu arbeiten. Es fühlt sich richtig an, Zeit für Lektüre und Inspiration zu haben. Und ja, es ist entlastend einen Tag für all das zu haben, was sonst immer liegen bleibt und zu kurz kommt. Von Momenten mit Freunden und Hobbys ganz zu schweigen. 

Und so kristallisierte sich eine Frage an mich heraus: Können wir nach Corona in einer 4-Tage Woche arbeiten? 

Einige Agenturen haben im Kontext der Corona-Krise die Arbeitszeit reduziert. In erster Linie, um die Firma zu entlasten und Jobs zu sichern. In der Tat treten damit aber – in einem Jahr, das uns nicht gerade aufgrund seines hohen Wohlfühlfaktors in Erinnerung bleiben wird – einige positive Begleiterscheinungen zutage. Zeit mit der Familie, die eigenen Batterien aufladen, Self- und Homecare. Kurzum: mehr Lebens- und Alltagsqualität.

Zahlreiche Companies im Angloamerikanischen haben in den vergangenen Jahren bereits auf die 30-Stunden Woche umgestellt. In Deutschland ist der Anteil vergleichsweise gering. Vermutlich lässt sich das Modell nur schwer mit unserem starken Arbeitsethos von Fleiß und Disziplin vereinbaren.

Aber wie funktioniert die 4-Tage Woche eigentlich? Ziemlich genauso wie sie klingt. Die New Work Plattform DEARWORK dazu: „Mitarbeiter*innen gewinnen einen zusätzlich freien Tag und Unternehmen erholte, engagierte Angestellte. Konsequent umgesetzt bedeutet das, dass die 4-Tage-Woche zur neuen Normalarbeitszeit wird. Sprich: bei vollem Lohnausgleich.“ Uff. Da schluckt die Agenturinhaberin und Unternehmerin in mir. Und überhaupt: kann das in Agentur funktionieren? 

Mehr Lebens- und Alltagsqualität

Die Antwort ist einfach, es muss. Und es ist unsere Verantwortung als Unternehmer, es möglich zu machen. Wir wissen um technologischen Fortschritt und Digitalisierung – und die Auswirkungen auf Jobs. Auch und gerade in Agenturen. Wenn wir als Kreativindustrie nicht nur überleben, sondern wachsen wollen, müssen wir uns ernsthafter als bisher mit der Idee des lebenslangen Lernens beschäftigen. Aber wann soll denn dieses lebenslange Lernen bitte stattfinden? Am Abend nach dem letzten Kundencall? Am Wochenende? Das kann es nicht sein. Wir müssen Raum schaffen. Und zwar zeitlich und mental. 

Die gute Nachricht? Die 4-Tage Woche bringt zahlreiche Vorteile, die auch den Controller überzeugen dürften. Produktivitätssteigerungen. Reduktion des Krankenstandes. Höhere Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit. Höhere Kreativität und Innovationskraft. Geringere Fluktuation. 

Aber wie realistisch ist das? In einem Dienstleistungsunternehmen? Und was mache ich am fünften Tag, wenn der Kunde anruft? Klar ist – es gibt kein „One size fits all.“ Unternehmen müssen für sich herausfinden, wie sie die Arbeit auf 30 Stunden verteilen. In Übereinstimmung mit dem eigenen Geschäft und der Kundenstruktur. Im Zweifelsfall geht dies nur gemeinsam und im Dialog. Und den sollten wir anstoßen und branchen- und sektorübergreifend sprechen, diskutieren und streiten. Nur wenn wir als Gesellschaft hier breitere Akzeptanz schaffen, können wir auf Ebene des Unternehmens und des Individuums eine neue Arbeitszeit und damit -kultur leben.

Das ist ein enormer Reifeprozess. Lasst uns jetzt damit starten. 


Virginie Briand ist Co-Gründerin und Managing Partner der Agentur 19:13. Hier schreibt sie darüber, wie Marken sich erfolgreich wandeln können.

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