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Folgen auch für Axel Springer

KKR verkauft ProSiebenSat.1-Anteile

Mit dem teilweisen Ausstieg des US-Finanzinvestors KKR bei ProSiebenSat.1 verlaufen die Fusionsfantasien mit Axel Springer im Sande. Damit müssen sich die Berliner mit „Bild TV“ und „Welt TV“ nun gegen große Fernseh- und Streamingkonzerne allein im Werbemarkt behaupten.

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Der Finanzinvestor KKR platziert laut Kreisen ein Aktienpaket des Medienkonzerns ProSiebenSat.1. KKR wolle 11 Millionen Aktien verkaufen und damit rund 4,7 Prozent des Gesamtkapitals, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstagabend unter Berufung auf ihr vorliegende Angebotsunterlagen. Mit dem Verkauf könnte der Finanzinvestor somit um die 150 Millionen Euro erlösen.

Kommentar

Vor fünfzehn Jahren hatte Mathias Döpfner große Pläne. Springer-Vorstandschef beabsichtigte, den Fernsehriesen ProSiebenSat.1 zu kaufen und bot hierfür vier Milliarden Euro. Doch die Fusion scheiterte am Veto des Kartellamts, der Medienaufsicht und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Zu groß wären nach ihrer Ansicht die Markt- und die Meinungsmacht der Berliner gewesen, zu der unter anderem Deutschlands größte Boulevardzeitung „Bild“ zählt. Das änderte sich 2014. Damals gewann Springer einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die KEK. Überraschend entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass eine Übernahme des TV-Konzerns medienrechtlich unbedenklich gewesen wäre. 

Nun keimten mit dem Einstieg des neuen Springer-Großaktionärs KKR bei P7S1 im vergangenen Jahr erneut Spekulationen an der Börse auf, Springer-Chef Döpfner würde einen zweiten Anlauf zu einer Großfusion mit dem Münchener TV-Riesen wagen. Gut ins Bild passte dabei, dass der Investor aus Manhattan zudem beim Fernsehunternehmen Leonine eingestiegen ist. Damit hätten die Amerikaner eine gute Chance, einen schlagkräftigen TV-Riesen in Deutschland zu schmieden. Auch medien- und kartellrechtlich hätte das Firmenkonglomerat wohl kaum Probleme bekommen, da sich mit der wachsenden Marktmacht der US-Internetriesen von Google, Facebook & Co genügend Wettbewerber auf dem hart umkämpften Medienmarkt tummeln.

Nun setzt aber KKR mit dem teilweisen Verkauf seines Aktienpakets bei P7S1 den monatelangen Fusionsspekulationen ein Ende. Damit wird es aber für Springer-Chef Döpfner schwer, mit „Bild TV“ schnell eine relevante Größe auf dem Fernsehmarkt aufzubauen. Zwar wollen die Berliner in diesem Jahr rund 22 Millionen Euro in das Bewegtbildangebot bei der roten und blauen Gruppe investieren und holen auch prominente Fernsehgrößen wie Claus Strunz bei „Bild“ an Bord. Doch das wird trotz der großen Reichweite des Boulevardblattes nicht reichen, um den Fernsehgiganten RTL und P7S1 große Teile ihres Werbekuchens abzujagen. Zu wenig facettenreich ist das Programmangebot von „Bild TV“ und „Welt TV“, um sich gegen die etablierten Wettbewerber zu stemmen.

Zudem drängen mit Streaming-Diensten wie Netflix, Disney + oder Amazon Prime neue Konkurrenten ins Bewegtbildsegment. Sie begeistern mit millionenschweren Eigenproduktionen und attraktiven Dokumentationen große Zuschauermassen, die auch zahlungsbereit sind. Da kann Döpfner mit „Bild Live“ nicht mithalten.

Zusatz: Axel Springer weist daraufhin, dass der Berliner Medienkonzern trotz gegenteiliger Börsenspekulationen kein Interesse an einer Übernahme von ProSiebenSat1 gezeigt hat und verweist auf Äußerungen ihres Vorstands auf der letzten Hauptversammlung im vergangenen Jahr.

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