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Braindrain beim Süddeutschen Verlag

„Jetzt.de“-Redaktionsleiterin Charlotte Haunhorst geht

Foto: Süddeutscher Verlag

Der Süddeutsche Verlag muss den nächsten Weggang einer wichtigen Digitalen in Kauf nehmen: Wie MEEDIA aus zuverlässigen Quellen erfahren hat, wird Charlotte Haunhorst den Verlag Ende Februar verlassen.

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Haunhorst ist derzeit noch Redaktionsleiterin von „jetzt.de“, dem Jugendportal der „Süddeutschen Zeitung“, das wiederum Teil der SZ Digitale Medien ist. Haunhorst, Jahrgang 1988, war auf der Deutschen Journalistenschule (DJS) und arbeitet seit 2013 vor allem für „jetzt.de“. Seit April 2019 ist sie dort Redaktionsleiterin beziehungsweise Teamleiterin, was unterm Strich der Rolle einer Chefredakteurin des Portals entspricht.

Der Süddeutsche Verlag hat die Personalie auf MEEDIA-Nachfrage bestätigt. Zu den Gründen für den Weggang schweigt der Verlag allerdings. Eine Nachfolgerin stehe aber noch nicht fest. Nach MEEDIA-Informationen ist derzeit geplant, dass Haunhorsts bisherige Stellvertreterin, Lara Thiede, die Redaktion ab März kommissarisch leiten wird.

Change-Prozess mit Folgen

Der Süddeutsche Verlag befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Change-Prozess und will vor allem digital weiter wachsen, um dadurch unabhängiger vom rückläufigen Print-Geschäft zu werden. Derzeit läuft aber auch ein „Freiwilligenprogramm“, mit dem 50 Stellen im Verlag abgebaut werden sollen (MEEDIA berichtete). Dem Vernehmen nach stieß dieses im Verlag auch auf große Widerstände. Vor allem junge Kollegen fürchteten um ihre Jobs, sollten sich nicht genug „Freiwillige“ finden, die den Deal Abschied gegen Geld annehmen.

Auffällig ist ohnehin, dass in jüngerer Zeit einige wichtige Digitale, darunter auffällig viele Frauen, die „SZ“ beziehungsweise den Süddeutschen Verlag verlassen haben. Jüngst wechselte etwa Kathrin Steinbichler von der „SZ“ zur Looping Group (MEEDIA berichtete). Bei der „SZ“ war sie vier Jahre lang als Homepage-Chefin für das inhaltliche und gestalterische Management der Website verantwortlich.

Aber zurück zu „jetzt.de“: Bis heute hält der Verlag an der Mission fest, über das Jugendportal vor allem neue Leser für die „SZ“ gewinnen zu wollen. Dass dies die richtige Strategie ist, sehen aber nicht alle so. Diskussionsbedarf gibt es beispielsweise bei der Frage wie unabhängig „jetzt.de“ von der „SZ“ agieren kann und sollte. Bis heute hat „jetzt.de“ beispielsweise keinen eigenen Vermarktungschef und wird durch die Gesamt-Vermarktung abgedeckt.

Millennial-Medien in der Krise

Dem Vernehmen nach will der Süddeutsche Verlag definitiv an „Jetzt.de“ festhalten. Dies wurde auch intern angesagt. Dagegen hatten der „Spiegel“ und die „Zeit“ ihre Jugend-Ableger im Lauf des Jahres entweder beendet („Bento“) oder als Ressort in die übergeordnete Online-Seite integriert („Ze.tt“). Und auch die „Bild“ wird ihren Jugendableger „Noizz“ einstampfen, wie nun bekannt wurde. (MEEDIA berichtete)

Denn während die sogenannten Millennial-Medien zwar ganz ordentliche Zugriffszahlen verzeichnen, gestaltet sich die Monetarisierung der Inhalte umso schwieriger. So sind die Nutzer allzu häufig schlicht nicht bereit, für die Inhalte zu bezahlen. Dies dürfte auch am Einkommen der jungen Leser liegen. Außerdem fehlt es dem Vernehmen nach noch zu häufig an einer klaren Strategie der Verlage dahinter.

Lesen Sie zur Situation der Jugendportale in Deutschland auch den Beitrag „Reife-Prüfung

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