Anzeige

Aktie auf Allzeithoch

Dank Streaming-Fantasie: Disney ist so wertvoll wie nie

Foto: Imago

Krise, welche Krise? Kaum ein Medienkonzern hat so unter der Coronakrise gelitten wie Branchenschwergewicht Disney, das in praktisch allen Segmenten von den Shut- und Lockdowns betroffen war. Doch weil die Pandemie gleichzeitig das junge Streaming-Geschäft befeuert hat, ist Disney plötzlich wertvoller als je zuvor.

Anzeige

Die wirtschaftlichen Realitäten zeigen nach unten. Erstmals seit über 40 Jahren musste die stolze Walt Disney Company 2020 einen Verlust hinnehmen – und das gleich in Höhe von 1,74 Milliarden Dollar. Die Umsätze gaben gar um 4,2 Milliarden Dollar nach.  

Der Grund für die unerwartet schwache Geschäftsentwicklung ist in der dramatischen Underperformance des Freizeitpark-Segments zu suchen. Weil die einträglichen Disneyland- und Disneyworld-Parks wegen der Lock- und Shutdowns im Zuge der Coronapandemie über weite Strecken des Jahres in vielen Teilen der Welt weiter geschlossen waren (und dann unter strengeren Auflagen wiedereröffneten) und das noch relativ junge Geschäft mit Erlebniskreuzfahrten brutal von den Folgen der weltweiten Pandemie betroffen ist, gaben die Erlöse um 37 Prozent nach.

Freizeitpark und Filmgeschäft massiv unter Druck

Doch damit nicht genug: Auch das klassische Filmgeschäft, das Disney im Segment ‚Studio Entertainment‘ zusammenfasst, ist durch die Pandemie stark unter Druck geraten. Verschobene Filmstarts belasten den Branchenpionier ebenso wie der Besucherrückgang in Kinos durch die Beschränkungen im öffentlichen Leben. 

Im Vergleich zum Vorjahresquartal brachen die Umsätze der Filmsparte im Fiskaljahr 2020 wegen der Coronakrise um rund 1,5 Milliarden Dollar auf 9,63 Milliarden Dollar ein – ein Minus von 13 Prozent.  Positiv entwickelte sich dagegen das Fernsehgeschäft mit ABC, National Geographic, ESPN und Spartenkanal FX mit einem Umsatzzuwachs von 14 Prozent auf 28,93 Milliarden Dollar. 

Disney+ wird zu Disneys großer Zukunftswette

Explosionsartig nach oben schnellen dagegen die Umsätze des neu geschaffenen Unternehmensbereichs ‚Direct-to-Consumer & International‘, dessen Erlöse im Fiskaljahr 2020 um enorme 81 Prozent auf bereits 16,96 Milliarden Dollar anzogen und der damit bereits die zweitgrößte Geschäftssparte bei Disney darstellt.

Hinter dem sperrigen Unternehmenstitel verbirgt sich in erster Linie der erst vor einem Jahr gelaunchte Streaming-Dienst Disney+, der seither die in ihn gesetzten Erwartungen von Quartal zu Quartal übererfüllt hat.   

Disney: Bereits 260 Millionen Abonnenten bis Ende 2024?

Zählte Disney+ Anfang Oktober noch 73,7 Millionen zahlende Mitglieder – Analysten hatten lediglich mit 65,5 Millionen Abonnenten gerechnet –, waren es zehn Wochen später bereits 86,8 Millionen. Der im November gestartete Streaming-Dienst hat damit binnen nur 13 Monaten die langfristig gesteckten Erwartungen von 60 bis 90 Millionen Abonnenten bis 2024 mehr als drei Jahre im Voraus erreicht.   

Angetrieben von der bemerkenswerten Wachstumsdynamik hat Disney auf dem Investorentag am vergangenen Donnerstag seine Ziele für Disney+ dramatisch nach oben korrigiert. Per Ende 2024 strebt das Dow Jones-Mitglied nunmehr 230 bis 260 Millionen Disney-Abonnenten an. Zudem kündigte CEO Bob Chapek die erste Preisanhebung von Disney+ an:  Die monatlichen Beiträge für Abonnements sollen in den USA um einen Dollar auf 8 Dollar steigen und in Europa von derzeit 7 Euro auf 9 Euro.  

Traumstart von Disney + treibt die Kurse

Obwohl Disney+ – genau wie die anderen beiden Streaming-Angebote Hulu und ESPN+  – weiterhin Verluste schreibt und erst bis 2024 profitabel arbeiten soll, ist die Wall Street elektrisiert von den Wachstumsperspektiven des Medienpioniers. 

In Reaktion auf die Investorenkonferenz legte die Disney-Aktie am vergangenen Freitag um knapp 14 Prozent an Wert zu und sprang mit einem Schlusskurs von 176 Dollar auf das höchste Niveau aller Zeiten. Erstmals in der 97-jährigen Unternehmenshistorie ist die Walt Disney Company damit über 300 Milliarden Dollar wert – nämlich genau 317 Milliarden Dollar. 

Streaming-Rivale Netflix, der Disney im Frühjahr kurzfristig als wertvollsten Medienkonzern an der Wall Street ablöste, ist mit einer Marktkapitalisierung von 222 Milliarden Dollar inzwischen wieder deutlich distanziert.  Seit dem Höhepunkt der Coronakrise, als Disney auf einen Kurs von unter 80 Dollar stürzte, konnte der amerikanische Mediengigant seinen Unternehmenswert damit mehr als verdoppeln.    

Anzeige