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Mr. Media

Babylon lässt grüßen

Thomas Koch – Zeichnung: Bertil Brahm

Die Silos, in denen Werber und Ad Techies leben, könnten höher, steiler und weiter voneinander entfernt nicht sein.

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Man lernt bekanntlich nie aus. Ich habe zuletzt außerordentlich viel gelernt. In meiner letzten MEEDIA-Kolumne provozierte ich mit der These, dass digitale Werbung unserer Branche ein gewaltiges Bündel an neuen Problemen beschert, dass sie unsere Zielgruppen zu Werbe-Hassern und -Verweigerern macht. Darauf bekam ich eine Replik aus dem Digital-Lager um die Ohren gehauen, der Online-Jünger auf allen Plattformen Beifall zollten. Zustimmung für meine These kam aus der klassischen Werbewelt, auch von prominenten Werbungtreibenden.

Drei dieser Reaktionen („Ich denke, dass die Digital Kollegen nicht verstehen, was Sie meinen und finde, sie sollten Ihnen zuhören, statt wie angeschossene Wildtiere aufzujaulen.“ und „Digital tut sich mit Werbung so schwer, weil es nicht um Kreativität, sondern Technik geht – ohne Ahnung von Werbung.“ sowie „Unglaublich, was der in MEEDIA verzapft hat.“) brachten das eigentliche Problem recht gut auf den Punkt. 

Die Silos, in denen Werber und Ad Techies leben, könnten höher, steiler und weiter voneinander entfernt nicht sein. Jeder werkelt in seiner Filterblase mit seinen eigenen Daten, findet sich irgendwas zwischen grandios und genial und lässt sich dafür von seinen Peers beklatschen.

Zwei willkürliche Beispiele unterstreichen die Gegensätze. Jacob Aizikowitz/XMPIE: „Nach Jahrzehnten gibt es nach wie vor eine tiefe Kluft zwischen dem Wert von Print … und der Würdigung von Print in digitalen Szenarien.“ Und die Kantar-Studie „Media Reactions“: „Während Online-Formate … weniger beliebt sind als Offline-Formate, ist die Einstellung der Verbraucher gegenüber gebrandeten Influencer-Inhalten, Podcast-Anzeigen und Werbung im Streaming-TV grundsätzlich positiver.“ 

Beide Seiten – analog wie digital – haben somit ihre Stärken und Schwächen. Welch Wunder! Würden die Kampfhähne – vermeintliche Oldies und Online-Fetischisten – dasselbe Ziel (erfolgreiche Kommunikation) verfolgen und, Babylon lässt grüßen, die gleiche Sprache sprechen und miteinander reden, würde die Werbewelt davon profitieren.

Ja, ich bin unbequem. Ich weiß auch, dass ich wahrscheinlich nicht immer Recht habe. Aber sehr häufig eben doch. Weil ich reichlich Erfahrung habe und besonders viel mit erfolgreichen Kampagnen. Ich weiß daher, dass die Digitalisierung nicht alles verändert hat. Dass vieles Alte auch heute Wert und Bestand genießt. Ebenso weiß ich, welche Chancen Technologie und digitale Medienwelten eröffnen. 

Inzwischen sollte jeder verstanden haben, dass ich gerne provoziere. Ich tue es, um unsere Augen zu öffnen für offensichtliche Fehler und um Diskurse anzuregen. Was mir, das müssen meine Kritiker zugeben, auch hier wieder gelingt.   

„Normalerweise ignoriere ich einfach was Thomas Koch sagt.“ Das, geschätzte Onliner und Ad Techies, bringt uns nicht weiter. Das ist schlichtweg ignorant. Unsere Kunden erwarten, dass wir miteinander reden und kollaborieren, dass wir an einem Strang ziehen. Dass wir gemeinsam erfolgreiche Werbung machen. Einander zuhören ist das neue Verstehen.

Meine Friedenspfeife ist an. Mein Tipi ist immer offen. Rauchen wir eine zusammen.

Beide Seiten haben ihre Stärken und Schwächen


Thomas Koch hat im Media-Bizz eigentlich schon alles gesehen. Er wird trotzdem nicht müde, gegen die Unsitten und Missverständnisse seiner Branche anzuschreiben. Zum Beispiel hier.

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