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#trending Nummer 782 - Montag, 30. November 2020

„30 Tage im Bett liegen“, Romain Grosjean, Schlecky Silberstein

Jens Schröder – Illustration: Bertil Brahm

Guten Morgen! Gestern habe ich mit meinen Kindern den Eurovision Song Contest gesehen. Die Junior-Version im Kika, die Covid-bedingt dezentral mit aufgezeichneten Auftritten stattfand. Ein recht gelungenes Vorbild für die Erwachsenen-Version, wenn sie denn im Mai noch nicht wieder „normal“ stattfinden kann. Eins war übrigens leider so, wie wir es in den vergangenen Jahren allzu oft in der Erwachsenen-Version erlebt haben: Deutschland wurde Letzter.

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#trending // „30 Tage im Bett liegen“

Da hat sich bei vielen tausenden Social-Media-Nutzern am Sonntag wohl ein kleiner Traum von leicht verdientem Geld entwickelt. Der journalistische Artikel mit den meisten Facebook- und Twitter-Interaktionen kam von Bild und trug die Headline „Teilnehmer für Weltraum-Studie gesucht – 11 000 Euro für 30 Tage im Bett liegen!„. 8.600 Likes & Co. reichten am Sonntag für Platz 1 der Social-Media-News-Charts.

Inhalt des Artikels – und da relativiert sich das „leicht verdiente“ Geld schnell: Teilnehmer der „Bettruhe-Studie“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) müssen 30 Tage liegend im Bett verbringen. Und das in einem schiefen Bett, dessen Kopfende um 6 Grad abgesenkt wurde. Ziel: Simulation der Schwerelosigkeit.

Die Teilnehmer dürfen sich nicht aufrichten, auch nicht zum Essen. Aufstehen ist ohnehin nicht erlaubt, auch nicht für die Toilette. Auszug aus dem Artikel: „‚Fürs ‚große Geschäft‘ gibt es die Bettpfanne, so wie im Krankenhaus‘, sagt Andrea Nitsche. ‚Fürs ‚kleine‘ reicht den Herren eine Urinflasche mit großer Öffnung, die Damen bekommen eine Urinierhilfe in Trichterform.'“

#trending // Romain Grosjean

Den Fans der Formel 1 stockte am Sonntagnachmittag der Atem. Bei eine Unfall des Fahrers Romain Grosjean zerbrach sein Auto, ging in Flammen auf und wurde komplett zerstört. Grosjeans Glück: Die Fahrerkabine blieb intakt, Helfer waren schnell am Unfallort, sodass der 34-jährige Franzose mit Verbrennungen an den Händen und gebrochenen Zehen davon kam. Vor ein bis zwei Jahrzehnten, vor der Einführung massiver Sicherheitsmaßnahmen in den Autos, hätte er einen solchen Crash wohl nicht überlebt.

Grosjean meldete sich schon am Abend via Instagram bei seinen Fans, sammelte mit seinem Post innerhalb von zwei Stunden 640.000 Likes ein, das Video wurde in diesem Zeitraum 1,6 Millionen mal abgerufen. Sein zweiterfolgreichster Post des bisherigen Jahres kam auf 118.000 Likes.

#trending // Schlecky Silberstein

Mit einem sehr persönlichen Text hat sich Schlecky Silberstein, Blogger und Head-Autor des Bohemian Browser Balletts zurück gemeldet. Seit Sommer war auf seiner Website und seinen Social-Media-Profilen nichts mehr passiert. Den Grund erfährt die Öffentlichkeit nun unter der Headline „Ich war in der Psychiatrie und es war die beste Zeit meines Lebens„.

Silberstein erzählt darin, dass er seit langer Zeit an Depressionen leidet: „Für mich ist diese Krankheit wie ein Drachen, der mich seit meiner Kindheit verfolgt. Ich schaffe es manchmal ein ganzes Jahr davor wegzulaufen, aber immer, wenn ich dachte, ich hätte ihn abgeschüttelt, taucht er noch größer als beim letzten Mal vor mir auf.“

Und weiter: „Ich hatte unzählige ambulante Therapiestunden angesammelt, aber der Weg in die Klinik war immer tabu, weil ich alles sein wollte, aber kein Fall für die Psychiatrie. Tatsächlich hat sich mir die Psychiatrie zum einzigen normalen Ort auf Erden offenbart. Das geht soweit, dass ich sogar Menschen ohne psychische Erkrankung einen Aufenthalt empfehlen würde. In einer psychiatrischen Klinik erlebt man praktisch die radikale Umkehr etablierter gesellschaftlicher Verhältnisse. Das heißt: Rücksicht und Solidarität sind dort nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es ist völlig normal, auf dem Gang in Tränen auszubrechen und kurz darauf gibt es gleich mehrere Schultern, in die man Rotz und Wasser lassen kann.“

Ein Text, der vielen anderen Hoffnung und Mut machen dürfte, da er die Psychiatrie als positiven Ort beschreibt: „Ich weiß jetzt allerdings, dass es einen Ort gibt, an den ich gehen kann, wenn mich alle Hoffnung verlässt. Bislang war mein täglicher Begleiter die ständige Angst davor, mich früher oder später doch wieder wie ein Ertrinkender zu fühlen. Wenn wir beim Bild des Drachen bleiben: Er kann mich maximal bis in die Klinik jagen, aber nicht weiter. Leider suchen viel zu viele den anderen, irreversiblen Ausweg, ohne jemals die Chance einer Klinik ausprobiert zu haben, weil sie völlig falsche Vorstellungen davon haben.“

Die vielen positiven Reaktionen auf Twitter – allein 4.200 Kommentare, Likes und Retweets auf Silbersteins Account – zeigen, dass Silbersteins Schritt in die Öffentlichkeit mit diesem Thema genau das erreicht: Er macht anderen Hoffnung und Mut.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-InteraktionenBild – „Teilnehmer für Weltraum-Studie gesucht – 11 000 Euro für 30 Tage im Bett liegen!“ (8.600 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei TwitterSchlecky Silberstein – „Ich war in der Psychiatrie und es war die beste Zeit meines Lebens“ (4.100 Likes und Shares)

Podcast (Apple Podcasts): Baywatch Berlin – „Maximale Catchyness bei minimaler Cheesyness

Google-SuchbegriffFormel 1 (1.000.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteDiego Maradona (84.900 Abrufe am Samstag)

Youtube-Video: CBS Sports HQ – „Mike Tyson vs Roy Jones Jr Highlights: 2 legends showcased their skills over 8 rounds

Serie (Netflix): ÜberWeihnachten

Song (Spotify): Mariah Carey – All I Want for Christmas Is You (644.300 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon): Andreas Gabalier – A Volks-Rock’n’Roll Christmas (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): Harry Potter: The Complete Collection (DVD)

Game (Amazon) [ohne Gutscheinkarten und Hardware]: Mario Kart 8 Deluxe (Nintendo Switch)

Buch (Amazon): Barack Obama – Ein verheißenes Land (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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