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Gregor Myszor

Coden? Eher Extrem-Outdoor

Gregor Myszor – Foto: C3

Manchmal hat man ja gut Ideen. Richtig gute sogar. Doof allerdings, wenn die Technik nicht so kann, wie man gerne möchte. Und man dann auch noch nach draußen muss.

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München 2010. Oder wie es in der Tech-Branche hieß, „Year of Location“. Ein Entwickler, ein Content Director der DLD Conference und ich wollen dem Dauerlärm der Echtzeit-Web-2.0-Interaktion etwas entgegensetzen: eine App, mit der wir die Beziehung zwischen News, Posts, Notes und dem menschlichen Gehirn sinnvoll in Zeit und Raum organisieren können. Klingt kompliziert, nennt man heute Location Based Services. „Wenn ich am Wochenende in der Nähe einer Bäckerei bin, möchte ich bitte daran erinnert werden, ein Dinkelbrot zu kaufen“, würde die Geschichte nun lauten. Die Person bekommt per Handy am richtigen Ort zur richtigen Zeit eine Erinnerung. Ziemlich praktisch, ziemlich simpel. Aber eben nicht vor zehn Jahren.

Zu Beginn des Projekts, das den Namen MyMapNotes App trug, stiegen wir in eine Rakete, die uns auf einen unerforschten Planeten katapultierte. Allerdings krachten wir mindestens genauso schnell zurück auf den Boden der Tatsachen. Beziehungsweise des technologisch Machbaren. Dem iPhone-Simulator war es nämlich gar nicht möglich, den GPS-Koordinatenwechsel vorzutäuschen. Was tun? Na ja, dann musste der Ortswechsel eben tatsächlich passieren. Und so rannten wir mit Laptop unterm Arm in der Wohnung herum, testeten den Zusammenhang von Geschwindigkeit und Sendemastwechsel auf zwei und vier Rädern. Unsere Entwicklung eines Location Based Service per Trial & Error geriet jedenfalls nolens volens zum zeitintensiven Outdoor-Event.

Was die Mission zudem nicht gerade erleichterte: Das GPS entpuppte sich als Akku-Vampir und iOS sorgte für starke Unregelmäßigkeiten bei den ortsbezogenen Updates. Immerhin: Obwohl die App unausgereift und unzuverlässig war, funktionierte sie letztlich dann doch. Das Projekt entwickelte sich zum Feldversuch mit unverdientem Ende: Denn obwohl das goldene Zeitalter der Location Based Services angebrochen war, gab es für akkurate und verlässliche Geo-Memos schlicht noch kein funktionierendes Rüstzeug.

Mit einem Heißluftballon kann man zwar fliegen, aber nicht zum Mond.

Gregor Myszor ist Creative Director bei der Content-Marketing-Agentur C3 Creative Code and Content in München.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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