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Tobias Seikel

Oh?! Das kann dem Chef nicht gefallen

Tobias Seikel – Foto: Hanse Ventures

Wer nach Stückzahl bezahlt wird, kennt das: Bist du schnell, füllt sich der Geldbeutel. Aber dabei Schlampig arbeiten? Ganz schlechte Kombination, weiß Tobias Seikel zu berichten.

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Als Halbstarker zur Schulzeit benötigte ich stetig mehr Taschengeld, deshalb war ich froh, als ich einen Job bei einem Gebrauchtwagenhändler angeboten bekam. Waschen und Polieren von Autos – Bezahlung pro Pkw. Schon bei der Einweisung durch den Besitzer im beheizten Container, von dem aus er den ganzen Hof sowie fast alle Autos im Blick hatte, hatte ich ein komisches Gefühl. Unfreundlich war er nicht, aber er wirkte streng und erzählte von den bislang ungebrochenen Rekorden der Vorgänger (X Autos in Y Stunden).

Die Rekorde im Kopf und den prüfenden Blick aus dem Container im Nacken, kämpfte ich mit Eimer, Schwamm und Poliertuch gegen die Autos. Es war kalt, meine Finger waren klamm und dann kam noch der Regen. Schnell war ich nicht – gründlich meiner Meinung nach schon. Bald bemerkte ich, dass die Knöpfe meiner Regenjacke dem Lack nicht guttaten. Ich krempelte die Ärmel um. Als ich meinte, fertig zu sein, dämmerte es bereits und ich bekam vom Chef den Schlüssel seines Wagens. Dieser sollte bei der Tanke ums Eck aufgefüllt und durch die Waschanlage gefahren werden. Vorsichtig fuhr ich die kurze Strecke dahin. Ehe ich die Checkliste mit den fünf Schritten durchging, hatte ich bereits den Startknopf gedrückt. In der Liste hieß es jedoch, durchzuführen vor Start der Anlage. Und unter Punkt 4: „Bitte die Antenne einfahren!” Das tut sie sicher automatisch, dachte ich noch und sah dann, wie die dicke Waschwalze die Antenne mühelos um sich selbst wickelte.

Panisch trat ich danach in den Container. Einen Fehler hätte jeder gut, knirschte der sichtlich um Contenance bemühte Chef. Dann begutachtete er die Wagen. Das Licht der Laternen hob nun, im Dunkeln, jeden Streifen deutlich hervor. Kein einziger Wagen war von mir gut poliert; zudem waren die Kratzer meiner Knöpfe klar erkennbar. Ich konnte es nicht fassen und versank förmlich im Boden. Ohne auch nur einen Cent in der Tasche verabschiedete ich mich.

Tobias Seikel ist Co-Founder und Partner beim Impact Investor Planet A Ventures.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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