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Inside Team-Building

Sind Absolventen von Elite-Unis wirklich die besseren Mitarbeiter?

Katharina Wolff – Illustration: Bertil Brahm

Wie aussagekräftig sind Universitäts-Rankings hinsichtlich der Job-Performance und wann sollte man lieber die Finger von Kandidaten lassen, obwohl sie mit besonders angesehenen Abschlüssen glänzen?

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Absolventen von Elite-Universitäten haben in der Regel ein sehr viel höheres Gehalt als ihre Peer-Group, die an durchschnittlicheren Hochschulen ihren Abschluss gemacht haben. Als Personalberater werden wir oft explizit nach Kandidaten mit Abschlüssen von Elite-Unis gefragt, obwohl sie mehr Geld kosten. Für viele Unternehmen reichen solcherlei Abschlüsse allein schon als „proof of concept“ bezogen auf den Kandidaten. Doch ist teurer nicht unbedingt immer gleich besser. Wann lohnt es sich für Unternehmen also, mehr Geld in die Hand zu nehmen für einen Mitarbeiter, der einen Abschluss einer der Elite Unis vorzuweisen hat?

Elite in Deutschland bedeutet privat

Eins sei mal vorweggenommen: Elite-Universitäten sind in Deutschland etwas ganz anderes als im Rest der Welt. Der deutsche Sonderweg bezüglich der erlesensten Alma Maters heißt bei uns Exzellenz-Strategie und ist ein staatliches Programm. Elf Universitäten können sich am Ende eines Auswahlverfahrens mit dem Prädikat „Exzellenz“ schmücken. Nur: keine Einzige dieser Unis, weder die Humboldt in Berlin, noch die LMU oder die Technische Uni in München, noch die renommierte Heidelberger Universität tauchen in den ersten 20 Plätzen einschlägiger, internationaler Uni-Rankings auf. Diese Unis mögen das Etikett Exzellenz tragen. Elitär, im Sinne von Stanford oder Harvard, sind sie eher nicht. Das trifft eher auf die privaten Business Universitäten zu, wie die WHU- Otto Beisheim School of Management, die Handelsschule Leipzig (HHL) oder die Frankfurt School of Finance.

Die Erfolgsgeschichten der Privaten Business-Unis

Viele Gründer, die Startup-Geschichte geschrieben haben, wie Paul Schwarzenholz von Flaconi oder Robert Gentz und David Schneider von Zalando, haben ihren Abschluss an einer dieser Unis gemacht. Aber lassen sich diese Erfolgsgeschichten auf das Gros dieser Absolventen ebenfalls anwenden? Es klingt erst einmal wahrscheinlich, dass bessere Hochschulen auch bessere Studenten anziehen und hervorbringen. Nicht zuletzt ist dies einer der Gründe, warum Absolventen der WHU beispielsweise durchschnittlich ein rund 30 Prozent höheres Einstiegsgehalt haben als im Vergleich zu BWL-Studenten staatlicher Hochschulen.

Eine aktuelle Studie des Harvard Business Manager hat die Beziehung zwischen dem Rang der Universität und der Leistung der Absolventen im späteren Job untersucht. Dabei erfasst die Studie nicht nur die Qualität des Outputs, sondern darüber hinaus ein breites Spektrum an hard und soft skills wie Leadership, technischen Fähigkeiten, emotionale Intelligenz, Kreativität und vieles mehr. Mehr als 28 Tausend Studenten, sowie knapp 300 Universitäten in 79 Ländern wurden dafür unter die Lupe genommen. 

Eliteuni-Absolventen schneiden besser ab – in bestimmten Bereichen

Das Ergebnis: Absolventen von Universitäten mit höherem Rang schneiden besser ab, aber nur nominell und nur bezüglich bestimmter Leistungsdimensionen. Ein Absolvent einer Spitzenuniversität bringt im Vergleich zu Jemandem von einer durchschnittlichen Uni 19 Prozent mehr Leistung im Job. Das klingt nicht unbeträchtlich. Übertragen auf das Uni-Ranking beträgt der Unterschied dabei allerdings auch 10.000 Positionen. Vergleicht man die Leistungen von Uni-Absolventen, deren Rankings nur um einige hundert Positionen auseinander liegen, schrumpft der vorausgesagte Leistungsunterschied auf einen Prozent. Nichtsdestotrotz: die Leistungen von Absolventen mit Elite-Uni-Abschluss sind besser, zumindest fachlich. 

Dass sie durch eine sehr gute Schule gegangen sind, heißt jedoch nicht automatisch, dass sie gute Leader werden können oder in der Lage sind, sich selbst zu reflektieren. Leute, die nur auf einer gewissen Flughöhe unterwegs sind, tendieren manchmal dazu, die Dinge nur noch „von oben“ betrachten zu können. Sie verlieren den Blick für die Sorgen und Nöte ihrer Mitarbeiter.

Dazu stellt besagte Studie fest, dass Studenten von höherrangigen Universitäten, wenngleich meistens unbeabsichtigt, Teamdynamiken schädigen können. Der Studie zufolge neigen sie dazu, sich zu sehr auf die Aufgaben zu konzentrieren, oft auf Kosten zwischenmenschlicher Beziehungen im Team. Dies kann die Effizienz beeinträchtigen und zu einem Leistungsabfall des Unternehmens führen. Zwar zeigt die Studie auch, dass Studierende von prestigeträchtigeren Universitäten eher demütig und bescheiden in ihren Selbsteinschätzungen auftreten als ihrer Altersgenossen von niedriger eingestuften Institutionen. Trotzdem verursachen Elite-Absolventen durchschnittlich mehr Konflikte im Team, führen weniger Gespräche, die nicht unmittelbar mit dem Job zu tun haben und zeigen weniger Engagement und Identifikation mit ihren Teams.

Elite oder Durchschnitt: Wen sollten Unternehmen hiren?

Die Ergebnisse der Studie deuten insgesamt darauf hin, dass die Einstellung von Absolventen höher eingestufter Universitäten zu einer nominalen Leistungsverbesserung führen. Der Hochschulrang allein ist dennoch kein Garant für eine überdurchschnittliche Gesamt-Performance. Die Kunst des Recruitings besteht darin, den richtigen Kopf für eine bestimmte Position zu finden. Und dieser Kopf kann selbstverständlich ebenso von einer durchschnittlicheren Uni kommen. Nicht Jeder, der von einer Elite-Uni kommt, ist automatisch richtig für die entsprechende Position. Fehlende soziale Kompetenzen oder unterschiedliche Werte können auch ein Elite-Abschluss nicht wettmachen. 

Bei der Entscheidung, ob sich das hohe Gehalt eines Elite-Uni-Absolventen lohnt oder nicht, muss sich das Unternehmen bewusst machen, inwiefern die zu erwartende Leistungssteigerung entscheidend ist und das entsprechend höhere Gehalt rechtfertigt oder ob die geforderten Leistungen auch von Absolventen weniger hochrangiger Universitäten erfüllt werden können. 

In meiner gesamten Zeit als Headhunterin habe ich, so viel kann ich sagen, noch nie einen Kandidaten von einer Elite-Uni besetzt, der innerhalb der Probezeit wieder gekündigt worden wäre. Die Gefahr, sich mit einem solchen Kandidaten einen „fachlichen Totalausfall“ ins Unternehmen zu holen, ist verschwindend gering. Ob Jemand menschlich und kulturell in die Company passt, ist dennoch eine Frage, die von Universitäts-Rankings nicht beantwortet werden kann. 

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