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#trending Nummer 754 - Freitag, 2. Oktober 2020

René Gottschalk und die „Berliner Zeitung“, Chrissy Teigen, Billie Eilish

Jens Schröder – Illustration: Bertil Brahm

Guten Morgen! Spannende Exklusivmeldung heute nacht bei den Kollegen von DWDL.de: Wissenschaftsjournalistin und Youtube-Star Mai Thi Nguyen-Kim wechselt offenbar zum ZDF. Glückwunsch nach Mainz für diesen Coup! Und Beileid nach Köln zum WDR für diesen Verlust!

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#trending // René Gottschalk und die Berliner Zeitung

Der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt am Main bescherte der Berliner Zeitung am Donnerstag einen Social-Media-Hit. Der Artikel „Keine Übersterblichkeit durch Covid-19: Chef von Gesundheitsamt vergleicht Corona mit Grippe und Hitzewellen“ sammelte auf Facebook und Twitter 34.900 Likes, Shares & Co. ein – so viele wie kein anderer journalistischer Artikel des Tages i deutschsprachigen Raum.

Das Problem: Der Text spitzt meiner Meinung nach auf unzulässige Art und Weise zu. Der anonyme Autor der Berliner Zeitung stilisiert Gottschalk zu einer Art Kronzeugen gegen „einschneidende Maßnahmen“ hoch, er kritisiere „den Umgang der Bundesregierung mit der Corona-Pandemie scharf“ und „vergleiche Corona mit Grippe und vergangenen Hitzewellen“.

Insbesondere der Vergleich mit „Grippe und Hitzewellen“, der schon in der Headline genannt wird und wohl einen großen Anteil am Social-Media-Erfolg des Textes hat, ist etwas amüsant. Denn: Ja, Gottschalk vergleicht die aktuelle Situation in der Pandemie mit Grippe- und Hitzewellen. Allerdings nur in einem statistische Fachartikel mit dem Namen „Die Covid-19-Pandemie in Frankfurt am Main: Was sagen die Daten?“ Er zeigt dort, dass es „im Gegensatz zu erkennbar höheren Sterbezahlen während der Influenza-Zeiten 2017 und 2018 sowie während der Hitzeperiode im Juli 2018“ keine Auffälligkeiten in der Sterbestatistik 2020 gäbe. Gottschalk sagt allerdings eben nicht, dass das Coronavirus deswegen ungefährlicher sei als die Grippe oder eine Hitzewelle. Im zweiten Artikel für das Hessische Ärzteblatt mit der Headline „Die Covid-19-Pandemie – bisherige Erkenntnisse und Empfehlungen für das weitere Vorgehen“ schreibt er: „Um nicht missverstanden zu werden: Wir nehmen Covid-19 durchaus als eine ernst zu nehmende Situation wahr“.

Und auch, wenn Gottschalk etwas vage „einschneidende Maßnahmen“ kritisiert, so kritisiert er daran vor allem, dass „Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen, die für solche Situationen eine lange aufwendige Weiterbildung absolvieren müssen“, „nur selten involviert“ waren. Er empfiehlt zusammen mit Co-Autorin Ursel Heudorf zudem selbst Maßnahmen, die derzeit längst gelten: „Einhaltung des Abstandgebotes und, wo dies nicht möglich ist, das Tragen einer Mund-Nasenbedeckung“, „häufiger Aufenthalt im Freien“, „In Schulen, Kitas oder ähnlichen Einrichtungen sind die Regeln guter Hygiene zu beachten“. Und so weiter.

Gottschalks und Heudorfs echte Kritik hat vor allem mit seiner Arbeit und der von Gesundheitsämtern zu tun. Er kritisiert die Teststrategie, plädiert dafür, Lehrer nicht wiederholt zu testen, die Schule sei kein „Hochrisikoarbeitsplatz“. Die Autoren loben „die Arbeit der Gesundheitsämter, die die meisten Indexfälle und deren Infektionsketten nachverfolgen konnten“, fragen aber gleichzeitig, ob das immer sinnvoll sei, denn es führe zu „einer völligen Auflösung der gängigen Arbeitsabläufe in den Gesundheitsämtern, die ihre vielfältigen präventiven Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können“.

Zu den Maßnahmen, die Gottschalk und Heudorf weiter fordern, gehören zudem längst breit diskutierte Dinge wie „Die Bevölkerung muss sachgerecht informiert werden. Absolutzahlen der positiv Getesteten sind wenig aussagekräftig“ und „Die Beratung der politischen Verantwortlichen muss durch einen Beraterstab verschiedener Experten durchgeführt werden“. Alles nicht sensationell, alles nicht Aufreger-tauglich. Der Berliner Zeitung gelang es dennoch – dank verkürzter Headline und Dramatisierung. Ach ja: die „Bundesregierung“, die Gottschalk laut Berliner Zeitung „scharf“ kritisiere, wird in den beiden Artikeln der Mediziner kein einziges Mal genannt.

#trending // Chrissy Teigen

Model, Autorin und Social-Media-Star Chrissy Teigen sorgte am Donnerstag deutscher Zeit mit sehr persönlichen Posts für Aufsehen. Mit dem Satz „We are shocked and in the kind of deep pain you only hear about, the kind of pain we’ve never felt before“ leitete sie einen Post ein, der sich mit ihrer Fehlgeburt befasst, die sich offenbar kurz vor dem Veröffentlichen ereignete. Auf dem Foto dazu sitzt sie noch in Krankenhaus, weinend.

Auf Instagram bekam Teigen innerhalb von 20 Stunden mehr als 9 Millionen Likes und viele mitfühlende Kommentare – auch von vielen Prominenten. Auf Twitter gab es 1,6 Millionen Likes und Retweets, unter den Kommentaren fand sich auch einiges in der Richtung „She posted this? Going on social media would be the last thing on my mind“ und „It’s just odd to pose for a picture or allow someone to take a picture of you after getting saddening news like this.“ Die große Mehrzahl der Kommentare war aber auch hier voller Mitgefühl und Trauer.

#trending // Billie Eilish

Corona ist Schuld: Fast acht Monate nach der Veröffentlichung von Billie Eilishs James-Bond-Song No Time To Die erscheint das Video. Durch die Pandemie wurde der Starttermin des Films aus dem April in den November verschoben, daher erschien auch der Clip zum Titelsong erst jetzt. Der Song ist dennoch absolut großartig und das Video verstärkt die Vorfreude auf den neuen Bond noch mehr. Allein auf dem offiziellen Youtube-Kanal von Billie Eilish wurde „No Time To Die“ innerhalb von sechs Stunden 2,3 Millionen mal angeschaut.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-InteraktionenBerliner Zeitung – „Keine Übersterblichkeit durch Covid-19: Chef von Gesundheitsamt vergleicht Corona mit Grippe und Hitzewellen“ (34.900 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei TwitterTagesschau.de – „Neue rassistische Chatgruppe bei der Polizei Berlin“ (20.300 Likes und Shares)

Podcast (Apple Podcasts): Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten – „(58) Das Gedächtnis der Zellen

Google-SuchbegriffChrissy Teigen (200.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteGerhard Gundermann (140.300 Abrufe am Mittwoch) [Film im Ersten]

Youtube-Video: BibisBeautyPalace– „Lio beantwortet eure Fragen

Serie (Netflix): Ratched

Song (Spotify): 24kGoldn – Mood (feat. Iann Dior) (582.500 Stream-Abrufe aus Deutschland am Mittwoch)

Musik (Amazon): Various – Bravo Hits, Vol. 111 (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): Outlander – Die komplette fünfte Saison (DVD)

Game (Amazon) [ohne Gutscheinkarten und Hardware]: FIFA 21 (Playstation 4)

Buch (Amazon): Sven Voelpel – Die Jungbrunnen-Formel: Wie wir bis ins hohe Alter gesund bleiben (Broschiert)

#trending // Feedback

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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