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Klaus Holthausen

„I hate COBOL!“

Klaus Holthausen – Foto: Teal

Buchhaltungssysteme zu programmieren, ist generell nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Wenn dann noch die falsche Programmiersprache benutzt werden muss … Langeweile (fast) ohne Ende, wie Klaus Holthausen zu berichten weiß.

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Extrem viele Hamburger, extrem viel Softeis. Das hat mich gerettet; wäre nicht ohne gegangen. Aber der Reihe nach: Ich kam frisch von der Uni und hatte gerade mein Studium der Physik, Mathematik und VWL in Bonn abgeschlossen. Kurz zuvor war der Ostblock kollabiert, die Mauer gefallen. Im Land herrschte eine unglaubliche Aufbruchsstimmung – und Kommilitonen planten bereits ihr Business im Osten. Ich dagegen interessierte mich für strategische Unternehmensberatung und sollte diesen Job bei einem international tätigen Unternehmen antreten. Meine Vorfreude? Riesengroß.

Und dann – kam der Alltag: Statt einer Erweiterung der Allgemeinen Relativitätstheorie zur Entstehung schwarzer Löcher und kollabierender Systeme, sollte ich plötzlich ein Buchhaltungssystem in COBOL programmieren. In COBOL! Ein intellektueller Tiefflug, der immerhin mit einem Lehrgang in den USA verbunden war. Dort waren fast alle auf die Arbeit fokussiert – wenn auch widerwillig. Einmal vernahm ich auf der Herrentoilette ein deutliches „I hate COBOL!“ Wahre Worte. Doch es hätte schlimmer kommen können, denn so manche Kollegen wandten sich damals einem noch trostloseren Informatikarchipel namens SAP zu …

Immerhin, das üppige Angebot an Hamburgern in der Kantine und die Softeismaschine verhalfen mir in den Staaten über den COBOL-Blues hinweg. Dieser extrem langweilige Umweg hatte doch etwas Gutes: Er führte mich nämlich auf den richtigen Weg – zu Beginn der 90er- Jahre fing das an, was man „Decade of the Brain“ nannte. Da man nur mit Promotion in jenem Feld arbeiten konnte, entschied ich mich für ein Promotionsstudium im neuen Forschungsbereich Neuronale Netzwerke.

Und das ist dann mein Geschäft geblieben. COBOL sei Dank.

Klaus Holthausen ist Geschäftsführer beim KI-Unternehmen Teal.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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