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Nach Eklat um sexistische Beleidigung in "Tichys EInblick"

Roland Tichy gibt Vorsitz der Erhard-Stiftung ab

Roland Tichy – Foto: Imago

Das ging fix. Wie die „FAZ“ meldet, wird der Publizist Roland Tichy sein Amt als Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung abgeben. Vorausgegangen war ein Eklat um eine sexistische Beleidigung der SPD-Politikern Sawsan Chebli in Tichys Print-Magazin „Tichys Einblick“.

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Der Kolumnist Stephan Paetow (war früher mal beim Focus) schreibt für Tichys Einblick online einen Wochenrückblick und für das Print-Magazin einen Monatsrückblick. In der aktuellen Ausgabe des Magazins ging es in seiner Kolumne auch um die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli, die für die nächste Legislaturperiode für den Bundestag kandidiert. Paetow beleidigte Chebli in dem kurzen Text auf herbwürdigende, sexistische Weise, was sie auf Twitter dokumentierte.

Cheblis Tweet ging auf Twitter herum und erreichte auch die Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU):

Ebenfalls auf Twitter wurde Doro Bär aufgeklärt, dass die Passage aus dem Magazin Tichys Einblick stammt, dessen Herausgeber Roland Tichy Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung ist, der wiederum auch Bär angehört. Bär nahm den Vorfall zum Anlass, ihren Rücktritt aus der Stiftung anzukündigen. Das Handelsblatt zitierte sie wie folgt: „Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar. Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren.“

Auch andere Mitglieder der Stiftung äußerten öffentlich ihren Ärger über das Magazin-Stück. Der Vizechef der FDP-Fraktion im Bundestag, Alexander Graf Lambsdorff, rief Mitglieder sogar dazu auf, die Stiftung zu verlassen: „Das sollte kein Demokrat mitmachen. Auch kein Freier Demokrat.“ Es sei ganz einfach: „Tichy weg oder raus da.“

Die FAZ zitiert nun aus einem Brief von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der ebenfalls Mitglied der Erhard-Stiftung ist, an die Mitglieder: „Unser derzeitiger Vorsitzender hat die Arbeit der Stiftung befördert, er spielt aber zugleich eine medial sichtbare Rolle als Herausgeber von Tichys Einblick. Dort herrscht ein zuspitzender, oft polemischer Debattenstil und es ist wiederholt zu beleidigenden und verletzenden Äußerungen gekommen, die sich mit den Idealen der Stiftung nicht vertragen und eine negative öffentliche Berichterstattung über die Stiftung ausgelöst haben. Mitglieder haben der Stiftung den Rücken gekehrt und vorgeschlagene Preisträger die Annahme einer Auszeichnung durch die Stiftung abgelehnt.“

Ein personeller Neuanfang sei deshalb wichtig, so Weidmann weiter. Er begrüße, dass Roland Tichy bereit sei, den Weg dafür frei zu machen. Seine Rolle als Herausgeber vertrage sich nicht mit seiner Rolle als Vorsitzender der Stiftung. Im Oktober soll dann auf der Mitgliederversammlung ein neuer Vorsitzender oder eine neue Vorsitzende für die Erhard-Stiftung gefunden werden.

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