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Amazon verkauft programmatisch auf Twitch

Amazon vermarktet Twitch programmatisch

Amazon vermarktet Twitch programmatisch (Bild: Twitch)

Seit wenigen Tagen können Werbungtreibende über Amazons SSP (Supply Side Platform) auch Zielgruppen auf Twitch auswählen. Die wichtigsten Targeting-Parameter sind Interessen und Umfelder.

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Noch immer soll es Menschen geben, die nicht wissen, das Amazon und Twitch zusammengehören. Dabei hat der spektakuläre Kauf bereits sechs Jahre auf dem Buckel. 2014 erwarb Amazon den Streamingdienst für eine Mrd. Dollar und viele fragten sich, was das soll.

Inzwischen durfte die Marketing-Gemeinde einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von Jeff Bezos und seine strategischen Entscheidungen genießen. Es begann mit der offensichtlichen Verbindung, die es zwischen Twitch und Amazon schon immer gab. Das großzügige Affiliate-Programm von Amazon sicherte vielen Streamern ein ansehnliches Auskommen, obwohl zum Beispiel LetsPlay Videos vielfach eine junge Zielgruppe adressierten. Gaming Chairs, Tastaturen, Mäuse, Sound-Ausrüstung und ähnliches technisches Zubehör kauften die Hobby-Minecrafter ihren Idolen nach, wie jugendliche Kicker die Stollenschuhe von Ronaldo.

De Beukelaer wirbt auf Twitch
De Beukelaer findet auf Twitch seine Zielgruppe (Bild: Screenshot)

Amazon profitierte davon, dass vieler Gamer im weiteren Verlauf zu Influencern wurden und die Affiliate-Systematik einfach auf andere Plattformen mitnahmen. Lange bevor Facebook, Instagram oder Pinterest mit eigenen Shop-Modulen starteten, verlinkten die Influencer Content in den Amazon-Shop und trieben dadurch die Verkäufe voran.

Dann begann Amazon mit der Vermarktung von Werbeflächen im Gaming-Umfeld. Gleichzeitig baute man eine eigenes Displaynetwork auf, um es Händlern zu ermöglichen, auf Drittseiten Werbeflächen für Retargeting zu buchen. Ähnliches startete Otto dieses Jahr. Der letztlährige Kauf des populären Adservers von Sizmek erhöhte die Leistungsfähigkeit der Werbelösung um Dynamic Creative Optimisation. Spätestens da wurde klar, dass Amazon ernst macht im Kampf gegen die Werbegiganten Google und Facebook.

Und dann kam Corona. Die Streaming-Erfahrungen der Gamer und vieler anderer Influencer, die Twitch nutzen, war auf einmal ein gefragtes Asset für das Marketing selbst seriöser Firmen. So wie beim Gamer-Zubehör gingen plötzlich die Verkäufe von Webcams, Greenscreen-Vorhängen und professionellen Mikrofonen durch die Decke. Gleichzeitig etablierte sich Twitch als eine der möglichen Reichweitenplattformen, die ohne viel Aufwand an die Videoconferencing-Tools wie Zoom angeschlossen werden konnten. Die kostenlose Übertragungssoftware Open Broadcast Studio, die vor allem von der Twitch-Gemeinde entwickelt wurde, ist das Maß der Dinge, wenn man ambitionierte Videosignale übertragen will.

Jetzt bietet die SSP auch das Twitch-Inventar an. Für Werbungtreibende gibt das eine unglaublich spannende Kombination aus Lower Funnel, also Menschen die unmittelbar vor dem Kaufabschluss stehen, und Upper Funnel beziehungsweise Intent. Das sind eben die Themen, für die sich jemand interessiert und wofür er sich beispielsweise einen Twitch-Stream anschaut. Da die Themen der Streams meist klar definiert und sogar ausführlich beschrieben werden, macht es auch keine Mühe, anonyme Audiences beim Umfeld-Interesse zu packen. Amazon spricht selbstbewusst vom „Integrated Full Funnel Advertising“.

Bereits vor der Twitch-Ankündigung galt Amazon als ganz heißes Eisen im Marketingfeuer. Der Branchendienst eMarketer sprach vom „schnellst wachsenden Publisher in den USA“ (via Adweek). Zwar sind die Amazon-Preise durchschnittlich höher, als bei Google und Facebook, dafür schickt der Handelsriese aber seine deterministischen Kaufdaten ins Rennen. Da muss nichts hochgerechnet werden. Die Käufe und Artikel-Interessen sind gemessen.

Amazon ist die klare Nummer drei im US-Werbemarkt und schickt sich an, beiden, sowohl Facebook als auch Google, weiter Marktanteile abzuknabbern. Zumal die Vermarktung vom boomenden Streaming-Content außerhalb von Netflix oder Joyn eines der nächsten spannenden Themen im Werbemarkt sein dürfte. Content gibt es genug.

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