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"Zeit"-Recherche

Bauer-Verlag hat in der NS-Zeit von Zwangsarbeitern profitiert

In der Zentrale des Bauer-Verlags waren während der NS-Zeit mehrere hundert italienische Zwangsarbeiter interniert, das ergab eine Recherche der Wochenzeitung „Die Zeit“.

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Wie die Wochenzeitung Die Zeit vorab mitteilt, wird der Beitrag, der Details zur NS-Vergangenheit des Bauer-Verlags offenlegt, in der neuen Ausgabe auf den Hamburg-Seiten erscheinen. Grundlage sind Recherchen der langjährigen Betriebsrätin der Bauer Media Group Kersten Artus und ihres Ehemanns Holger Artus. Der Verleger Heinrich Bauer und sein Sohn Alfred sollen demnach in einem Kontorgebäude des Unternehmens hunderte italienische Kriegsgefangene untergebracht haben. Die Häftlinge selbst mussten für diese Unterbringung die Miete aufbringen, Bauer profitierte also direkt von der Situation.

Externer Druck auf die Bauer Media Group

Bereits Anfang des Jahres hatte Bauer Media angekündigt, sich erstmalig mit der eigenen Verlagsgeschichte während der NS-Zeit auseinanderzusetzen. Der Verlag wollte eigens einen Historiker zur Aufarbeitung einsetzen. Auslöser waren Recherchen des Spiegels und des Medienmagazins Zapp, die offenlegten, in welchem Ausmaß sich der damalige Verlagsinhaber mit dem Naziregime arrangiert hat. Demnach sollen Heinrich und Alfred Bauer publizistisch im „Sinne der nationalsozialistischen Machthaber“ gearbeitet und durch Immobiliengeschäfte profitiert haben.

Aufarbeitung bei Bauer soll erst jetzt starten

Wie die Zeit mitteilt, kam es aufgrund der Corona-Pandemie, anders als angekündigt, noch zu keiner historischen Aufarbeitung bei der Bauer Media Group. „Unser Plan war, im laufenden Jahr einen Historiker mit Recherchen zur NS-Zeit zu beauftragen“, sagt Imke Weiland, Sprecherin des Unternehmens gegenüber der Zeit. „Durch die Corona-Pandemie hat sich alles ein wenig verzögert, es gab andere Prioritäten.“ Jetzt sei der Verlag allerdings wieder in Gesprächen mit Experten, die Arbeit solle noch dieses Jahr beginnen. Laut Sprecherin stünde aber eine herausfordernde Recherche bevor. Mit baldigen Ergebnissen ist also nicht zu rechnen. „Es leben keine Zeitzeugen mehr, und wir besitzen keinerlei historische Unterlagen“, sagt Weiland gegenüber der Zeit. Eine Bewertung des Verhaltens „von Heinrich und Alfred Bauer in der NS-Zeit“ solle bei der Bauer Media Group erst erfolgen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen seien.

ts

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