Anzeige

Kritik an GroKo-Plänen

Verlage befürchten Nachteile für gedruckte Medien

Foto: imago images / Shotshop

Mit mehr als 200 Millionen Euro will die GroKo deutsche Verlage unterstützen. Die Verlagswirtschaft begrüßt zwar die finanziellen Hilfen des Bundes. Doch durch die geplante Förderung geraten gedruckte Publikationen ins Hintertreffen

Anzeige

Die Koalition aus Union und SPD will Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den kommenden Jahren mit maximal 220 Millionen Euro fördern (MEEDIA berichtete). Jetzt hat der Bundestag hierfür grünes Licht gegeben. Die Förderung stößt allerdings in der Verlagswelt auf eine geteiltes Echo. Zwar begrüßen die Medienunternehmen die finanziellen Hilfen der Bundesregierung, die vor allem die digitale Transformation der Unternehmen vorantreibt. Andererseits geraten hiermit aber gedruckte Publikationen ins Hintertreffen, da der Bund die Mittel für die Zustellung von Tageszeitungen und Magazinen gestrichen hat. Dadurch droht die Zustellung von gedruckten Medien, wirtschaftlich rasch aus dem Ruder zu laufen. Die Folge: In vielen Vertriebsregionen Deutschlands tauchen schnell weiße Flecken auf, heißt es in Branchenkreisen. Leidtragende sind vor allem ältere Bevölkerungsschichten, die über keine digitalen Zugänge verfügen. Sie werden damit vom Medienkonsum abgeschnitten.

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) rügt daher, dass die ursprünglich geplante und auch im Koalitionsvertrag vereinbarte, übergangsweise Sicherstellung der Infrastruktur bei der Zeitungszustellung nicht gefördert wird. „Der Verband erkennt das Bemühen der Regierung an, systemrelevante privatwirtschaftlich agierende Medien wie die Zeitungen zu unterstützen, um eine möglichst große Pressevielfalt zu gewährleisten“, sagt dazu BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Mit der Investition in IT gebe es allerdings einen Paradigmenwechsel weg von der Zustellförderung hin zur Förderung technologischer digitaler Ausrüstung. „Die Details kennen wir noch nicht“, führt Wolff weiter aus. „Wichtig bleibt, dass der weitere Ausbau der Infrastruktur der Verlage gestärkt wird, ohne dass die Unabhängigkeit der Redaktionen berührt ist.“

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger sagt hierzu auf Anfrage: „Wir begrüßen es, dass Bundestag und Bundesregierung Zeitschriften und Zeitungen bei den enormen Herausforderungen auf dem Weg in eine Zukunft unterstützen wollen, in der die Leser nach ihrer Präferenz mit allen digitalen und gedruckten Formaten bedient werden müssen. Eine nicht selektive Förderung der periodischen Presse, die aus Zeitschriften und Zeitungen besteht, ist dringend erforderlich, um eine vielfältige und unabhängige Presselandschaft in der digitalen Transformation zu erhalten.“

Anzeige