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Kritik am Social Network

Frühere Apple-Topmanagerin: Facebook macht mit Zorn Geld

Foto: Facebook

Wegen der Laissez-faire-Haltung gegenüber US-Präsident Trump steht das weltgrößte Social Network seit Wochen in der Kritik. Joanna Hoffman, früher die rechte Hand von Apple-Gründer Steve Jobs, warf Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Wochenende vor, Zorn und Wut eine Plattform zu geben und damit die Demokratie zu gefährden.

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„Wenn du es dir weiter grundlos mit Leuten verdirbst, wird es niemanden geben, zu dem er (der erste Mac – Anmerkung der Redaktion) ‚ Hallo‘ sagt“. Diesen Satz hielt Joanna Hoffman, grandios von Kate Winslet in der Verfilmung von Steve Jobs (2015) gespielt, dem Apple-Gründer in der Hollywood-Version seines Lebens entgegen.

Der erste Teil des Vorwurfs könnte auch 1:1 auf Facebook-Gründer und -CEO Mark Zuckerberg gemünzt sein, der seinerseits spätestens seit der Verfilmung seines frühen Lebens in The Social Network unter kritischer Dauerbeobachtung steht.

Facebook steht in der Dauerkritik

Dass es in diesen Tagen einsam um den CEO des sechstwertvollsten Konzerns der Welt geworden ist, liegt allerdings nicht an Hollywood. Mark Zuckerberg hat sich durch seine Laissez-faire-Haltung gegenüber Donald Trump selbst in die Bredouille gebracht.

Während die CEOs der Social Media-Rivalen Twitter und Snap auf Donald Trumps Ausfälle in den sozialen Medien reagiert haben, lässt Zuckerberg den US-Präsidenten auf Facebook wie eh und je gewähren – und wird dafür sowohl von den Medien als auch gar den eigenen Mitarbeitern kritisiert.

„Facebook geht mit einer süchtig machenden Droge namens Zorn hausieren“

Nach Einschätzung von Joanna Hoffman liegt das Kernproblem von Facebook unterdessen tiefer. „Wenn ich mir Facebook anschaue, frage ich mich, ob sie wirklich so ignorant sind oder ob eine tiefere Motivation dahinter steckt“, sagte die inzwischen 66-Jährige am Wochenende auf der Tech-Konferenz CogX, wie Finanzinformationsdienst CNBC berichtet.

Obwohl Hoffman erklärte, sie habe vor Facebooks Gesamtleistung „enormen Respekt“, kritisierte die frühere rechte Hand von Steve Jobs, dass das weltgrößte Social Network eine treibende Kraft bei der Spaltung der Gesellschaft sei und „das Gewebe unserer Demokratie und der menschlichen Beziehungen zerstört, indem es mit einer süchtig machenden Droge namens Zorn hausieren geht.“

„Facebook ist wie Tabak“

Nach Einschätzung von Apples erster Marketing-Chefin mache die Verbreitung und der Konsum negativer Emotionen nämlich ebenso süchtig wie Zigarettenkonsum. „Es ist wie Tabak und nicht anders als Opiate. Wir wissen, dass Zorn süchtig macht, wir wissen, dass wir damit Leute anziehen und eine Interaktion erzeugen können, wenn man sie verärgert. Aber sollte man davon Tag für Tag profitieren?“ stellt Hoffman Facebooks Geschäftsmodell infrage.

Mit gesponserten Posts von ausgewählten Beiträgen verdient Facebook bekanntlich einen Teil seiner Werbemilliarden. Die Analogie zum Tabakkonsum wählte vor zwei Jahren bereits Salesforce-CEO Marc Benioff. Facebook würde am Ende funktionieren wie Zigaretten: „Sie machen süchtig, und sie sind nicht gut für einen.“

Zuckerberg „angewidert“ von Trumps spaltender Rhetorik

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist unterdessen weiter um Schadensbegrenzung bemüht. Vor einer Woche hatten sich Hunderte Wissenschaftler der Chan Zuckerberg-Stiftung in einem offenen Brief an ihren Finanzier gewandt und erklärt, die Verbreitung von „absichtlichen Fehlinformationen“, wie sie auf dem weltgrößten Social Network möglich sei, stehe im Widerspruch zu ihrer Arbeit.

An diesem Wochenende reagierten Zuckerberg und Chan nunmehr in einem Statement auf die Vorwürfe. Mark Zuckerberg und Priscilla Chan seien persönlich „von Donald Trumps spaltender und brandstiftender Rhetorik tief erschüttert und angewidert“, erklärte das Ehepaar in einer Presseerklärung der Chan Zuckerberg-Stiftung. Es war das erste Mal, dass sich der Facebook-Chef in so deutlichen Worten vom US-Präsidenten distanzierte.

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