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Rekordkurse

Börseneuphorie nach Corona-Krise: GAFAM auf Allzeithochs, Medienaktien erholen sich stark

Techbörse auf Rekordhoch: Amazon steigt und steigt – mit anderen GAFAM-Aktien © Nasdaq / Facebook

Die Corona-Krise ist zu Ende – zumindest an der Börse. Rund drei Monate nach dem großen Ausbruch der Pandemie in Europa und den USA haussieren die Kurse an den Weltbörsen, als hätte es den Corona-Schock nie gegeben. Während sich zahlreiche Medienaktien seit März spektakulär erholt haben, notieren die großen Tech- und Internet-Unternehmen inzwischen gar wieder auf neuen Rekordhochs

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Was für einen Unterschied drei Monate machen können. Mitte März sah es an der Wall Street und dem Rest der Börsenwelt so aus, als würde sich das Unvorstellbare wiederholen: ein Börsenabsturz wie in den 30er-Jahren. 

Für knapp einen Monat radierte ein in dieser Form nie dagewesener Crash die Kursgewinne von Jahren aus. Mitten drin im Corona-Crash waren selbstverständlich auch Unternehmen aus der Internet-, Tech- und Medienindustrie. 

Seit dem Auftreten des Virus im Januar haben Apple, Microsoft, Amazon, Google und Facebook, die unter dem Akronym GAFAM gebündelt sind, bei Kurseinbrüchen zwischen 28 (Amazon) und 40 Prozent (Facebook) zusammen fast zwei Billionen Dollar an Börsenwert eingebüßt. Medienaktien wie Disney, die RTL Group oder ProSiebenSat.1 mussten in der Spitze gar Kurshalbierungen hinnehmen. 

GAFAM-Aktien treiben historische Kurserholung an

Drei Monate später hat sich die Stimmung an den Kapitalmärkten in ebenfalls historischem Ausmaß gedreht. In gerade mal elf Wochen haben der marktbreite S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq sämtliche Verluste der Corona-Krise wieder aufgeholt – die Nasdaq markierte gestern bei 10.000 Punkten ein neues geschichtsträchtiges Allzeithoch.

Angetrieben wird die enorme Rally von altbekannten Börsenstars aus dem Tech- und Internetsektor. Vier der großen fünf GAFAM-Unternehmen markierten gestern erst neue Allzeithochs. Seit ihren Jahrestiefs im Zuge der Corona-Krise Mitte März haben Apple, Microsoft, Amazon, Google und Facebook in nicht mal drei Monaten wie folgt zugelegt:

• Facebook: + 75 Prozent
• Apple: + 62 Prozent
• Amazon: + 60 Prozent
• Microsoft: + 46 Prozent
• Alphabet: + 44 Prozent

Medienaktien stark erholt

Auch die Anteilscheine der teilweise noch schwerer abgestürzten Medienunternehmen erholten sich in den vergangenen elf Wochen an der Wall Street ebenfalls rasant:

• Spotify: + 63 Prozent
• Disney: + 57 Prozent
• New York Times: + 56 Prozent
Netflix: + 46 Prozent

An den deutschen Aktienmärkten erholten sich die Kurse der drei wertvollsten börsengelisteten Medienunternehmen wie folgt:

• ProSiebenSat.1: + 112 Prozent
• Ströer: + 70 Prozent
• RTL Group: + 26 Prozent

Zahlen lügen bekanntlich nicht: An den Kapitalmärkten ist die Corona-Krise rund drei Monate nach ihrem Ausbruch in der westlichen Welt damit vollständig abgehakt. Ob die Börsen mit ihrer grenzenlosen Euphorie in den vergangenen Wochen allerdings nicht über das Ziel hinausgeschossen sind, ist eine andere, aktuell heiß diskutierte Frage.

Börse belohnt Subscription Economy, Werbeabhängigkeit wird abgestraft

Zahlreiche Marktbeobachter trauen ihren Augen angesichts der Kursentwicklung nicht, zumal „die Pandemie noch längst nicht vorbei ist“ (US-Top-Immunologe Anthony Fauci) und die realwirtschaftlichen Folgen in ihrem Ausmaß weiter unklar sind. Gerade die konjunktursensble Medienbranche stellt sich wegen eingefrorener Werbebudgets in Krisenzeiten auf einen unsicheren Jahresverlauf ein.

Die Unsicherheit auf dem Anzeigenmarkt wird von der Kursentwicklung reflektiert. Während Medienunternehmen wie Spotify, Netflix und die New York Times mit einem starken Abo-Geschäftsmodell (die sogenannte Subscription Economy) und gleichzeitig geringer bzw. schrumpfender Abhängigkeit von Werbemarkt nur marginal unter ihren Allzeithochs notieren, sind vor allem die deutschen Fernsehaktien wie ProSiebenSat.1 und RTL Group weiter himmelweit von ihren Bestmarken entfernt.

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