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Wer jetzt nicht wirbt, stirbt

Mike Kleiß Illustration: Bertil Brahm

Corona führt uns die Abhängigkeit der Medien von der werbung­treibenden Wirtschaft vor Augen. Dabei gibt es diese Abhängigkeit auch umgekehrt. Marken brauchen unabhängigen Journalismus. Derzeit mehr denn je. MIKE KLEIß ist Gründer und CEO der Agentur Goodwillrun und Experte für Kommunikation und Marken, über deren manchmal kom­plizierte Wechselbeziehung er hier schreibt.

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Die Krise macht etwas mit Menschen. Auch mit Medienentscheidern. Rhetorisch ist derzeit vieles inakzeptabel. Zeilen wie “seit dem zweiten Weltkrieg”, “an der Front”, oder “kauft nicht bei Amazon” sind nicht förderlich. Einige Werbekunden sind von solchen Headlines komplett abgeschreckt, aber diese Zeilen werden im Zusammenhang mit Corona gerne genutzt. Angst verkauft am Kiosk. Und es geht mehr denn je ums Verkaufen, im einen oder anderen Fall zu jedem Preis. Auch der Ton wird rauer, man wird zum Beispiel als “zugekokste PR Hure” bezeichnet (japp, wirklich). Und eigentlich eigentlich – so denkt mancher vielleicht in einer Redaktion – ist PR ja doch eher “pfui”.

Als wir unsere Agentur gründeten, hatten wir eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Positionieren wir uns spitz oder stellen wir uns wirklich breit auf. Wir beschlossen Letzteres. Mehrere Leistungen, viele Produkte, eine Marke. Genau wie das viele Medienhäuser tun. Deren Auflagen gehen aktuell nach oben, Print verkauft wieder. Die Online-Zugriffe explodieren, in den Redaktionen freut man sich. Aber auch nur über die Klick- und Verkaufszahlen. Denn obwohl Medien genutzt werden wie nie: Die Werbeeinnahmen brechen brutal ein. Buchungen werden Corona wegen storniert.  Medienmarken sind erfolgreich wie lange nicht mehr, und doch muss Kurzarbeit angemeldet werden. Was stimmt also nicht? Eine ganze Menge!

Nicht weiter daherblubbern

Viele Brands haben in der Pandemie sehr schnell ihre Budgets eingefroren. Teilweise ohne Not, denn etliche haben sehr gesunde Polster. Und rufen trotzdem nach Staatshilfen. Es gilt die Devise: Mitnehmen, was geht! Nun, da die Werbe-Budgets weg sind, das Marketinggeld eingefroren ist, sollen Agenturen und Medien flexibel sein. Es muss auch mal ohne gehen, ist oft die Erwartung. Ohne Honorar, ohne Schaltung. Nein, geht es nicht! Es geht nur mit! Und zwar miteinander. Solidarisch eben. Wie Norbert Blüm es einmal auf den Punkt brachte: “Solidarität ist kein Luxus, sondern Existenzbedingung menschlichen Lebens!” Wir können und dürfen nicht weiter daherblubbern, dass diese Krise nur solidarisch zu lösen ist. Wir müssen auch danach handeln. Gerade jetzt müssen Unternehmen, Marken, Brands investieren. Sie tragen Verantwortung. Sie finanzieren direkt unabhängigen Journalismus. Genau den brauchen sie auch künftig, damit über sie berichtet wird. Jedes Magazin, jede Tageszeitung, jeder Sender weniger bedeutet irgendwann weniger Reichweite. Bedeutet weniger Aufmerksamkeit. Nicht erst seit der Krise predigen wir das. Seit Jahren raten wir dringend dazu. Zeit wird’s, dass Predigten Taten folgen.

Die “PR-Hure” versucht zu vermitteln und zu beraten, doch leider bleibt es häufig beim Versuch. Auch Medienhäuser hören gerne weg und tun zu wenig für die eigene Marke. Vielleicht weil PR den Journalismus unterwandert? Unsinn! Gute PR liefert – wie gute Medien – Content und Geschichten. Umgekehrt erschaffen Medien Produkte und Konzepte, die mit dem alten Kerngeschäft manchmal nichts mehr zu tun haben. Podcasts zum Beispiel: guter Sound, spannende Inhalte. Geld verdient kaum einer damit. Nicht etwa, weil das Produkt nicht stimmt, sondern weil Kunden gar nicht wissen, dass es die Produkte gibt und wie sie ihnen nützen können. Weil Verlage zu wenig für ihre Innovationen trommeln. Medien und Marken sollten sich gegenseitig glänzen lassen, aber das geht nur, wenn beide Seiten leben. 

Deshalb mein dringender Rat: Sucht Euch eine “PR Hure” und hört ihr ab und an auch zu.

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