Anzeige

Rezo räumt mit der „Zerstörung der CDU“ den Nannen Preis ab

Eine Gala-Veranstaltung konnte es wegen des Coronavirus dieses Jahr nicht geben, verliehen wurde der Nannen Preis dennoch – per Online-Event. „Zerstörer“ Rezo darf sich nun auch zu den namhaften Preisträgern zählen.

Anzeige

Moderator Michel Abdollahi kündigte gleich zu Beginn die „kürzeste Nannen-Preisverleihung aller Zeiten“ an. Seit 2005 vergibt Gruner+Jahr den Preis, doch in diesem Jahr konnte die Auszeichnung aus bekannten Gründen nicht wie gewohnt im Zuge einer Galaveranstaltung und vor Publikum vergeben werden. Stattdessen entschieden sich die Veranstalter für ein digitales Event. Gemeinsam mit Stern-Chefredakteur Florian Gless führte Abdollahi charmant durch die knapp 50-minütige Verleihung – beide saßen dabei am Originaltisch von niemand Geringerem als Henri Nannen.

Eine 54-köpfige Jury hatte rund 800 Arbeiten gesichtet – vor allem in Videokonferenzen und Abstimmungen per E-Mail. „Unsere Bildschirm-Debatten waren genauso lebendig, kontrovers und intensiv wie sonst auch“, sagte Gless. Die Nominierten wurden während der Preisverleihung in kurzen Einspielfilmen und Einschätzungen der Juroren vorgestellt, ehe das Moderatorenduo die Gewinner in den sieben Kategorien präsentierte.

Rezo, „Ibiza-Affäre“ und Stern gewinnen

In der Kategorie „Web-Projekt“ siegte Rezo mit seinem Stück „Die Zerstörung der CDU„, in dem er vor der Europawahl 2019 die Politik der Parteien analysierte. Die Jury habe intensiv diskutiert, ob das Journalismus oder Aktivismus sei, sagte Gless. Am Ende setzte sich der Youtuber gegen die Konkurrenz durch. Das fast einstündige Video hat bis heute über 17 Millionen Views gesammelt. Seit geraumer Zeit schreibt der 27-Jährige zudem eine Kolumne bei Zeit Online mit dem Titel „Rezo stört“.

Den renommierten Egon Erwin Kisch-Preis sicherte sich in diesem Jahr Stern-Reporter Dominik Stawski, der über vier Menschen berichtete, die auf ein Spenderherz gewartet haben. Dafür hat er sie monatelang begleitet. „Wenn das Herz versagt und es nur eine Rettung gibt“ war aus Sicht der Hauptjury die beste Reportage.

Im Bereich „Investigative Leistung“ siegte das Stück „Ibiza-Affäre“, das im Der Spiegel und der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde. Zu den Preisträgern zählen folgende Journalisten: Maik Baumgärtner, Vera Deleja-Hotko, Martin Knobbe, Walter Mayr, Alexandra Rojkov, Wolf Wiedmann-Schmidt, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer.

Die stärkste lokale investigative Leistung lieferte aus Sicht der Jury Christoph Heinemann. Er gewann mit dem Stück „Soko, ‘Cold Cases‘ – Chronik eines Versagens“ das im Hamburger Abendblatt erschienen war.

Das sind die Preisträger in den restlichen Kategorien:

  • „Dokumentation“: Amrai Coen und Malte Henk von Der Zeit mit dem Stück „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem“
  • „Reportage-Fotografie“: Dina Litovsky mit „Ein wenig locker machen“, veröffentlicht im Stern
  • „Inszenierte Fotografie“: Marteline Nystad mit „Die Körperrevolution“, veröffentlicht in Brigitte

Außerdem vergab die Stern-Chefredaktion einen Sonderpreis an Rami Abdurrahman. In der Begründung heißt es, damit werde die „herausragende Leistung, die Menschenrechtsverletzungen in Syrien akribisch zu dokumentieren“ gewürdigt. Seit Jahren trägt Abdurrahman mit Hilfe eines Informantennetzwerks in Syrien die Gräuel des Krieges zusammen. Die Recherchen werden auf der Website der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ veröffentlicht.

tb

Anzeige