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New York Times: Die Wall Street rechnet mit Gewinnrückgang wegen Corona-Krise

Das Verlagsgebäude der New York Times in der Eigth Avenue in Manhattan

Herausfordernde Zeiten für Verleger: Die Corona-Krise dürfte auch in den Geschäftsbilanzen tiefe Spuren hinterlassen. Während Branchenprimus New York Times wegen COVID-19 bislang im digitalen Anzeigengeschäft von einem Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich ausgeht, sind Analysten schon weiter und versuchen das Ausmaß des Einbruchs einzupreisen. Mit Barclays und Evercore stuften zwei Branchenschwergewichte die Aktie der „Gray Lady“ zurück – nicht zuletzt, weil die Gewinne schrumpfen dürften.

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Die New York Times war eines der ersten Verlagshäuser, das zu Beginn der Corona-Pandemie aussprach, was viele befürchteten. Am 2. März erklärte die New York Times Company in einer Pflichtmitteilung, dass man begonnen habe, “gewisse wirtschaftliche Folgen zu spüren”.

Das US-Unternehmen habe “eine Verlangsamung der internationalen und nationalen Anzeigenbuchungen registriert, die wir mit der Unsicherheit und Angst vor dem Virus in Verbindung bringen”, wurde CEO Mark Thompson konkreter und stellte im ersten Quartal im digitalen Anzeigengeschäft einen Umsatzrückgang zwischen 10 und 20 Prozent in Aussicht.

„Bedrohung der langfristigen Überlebensfähigkeit des werbefinanzierten Geschäftsmodells“

Während Anleger sich noch bis zur Bilanzverkündung Anfang Mai gedulden müssen, haben Analysten bereits begonnen, die Auswirkungen der Corona-Krise in die Geschäftsentwicklung einzupreisen. Die Prognosen sind wenig erfreulich: Gestern stufte die Investmentbanking-Beratungsfirma Evercore die Aktie der New York Times Company von „outperform“ zu „in line“ – also: marktneutral – zurück.

Begründung: „Die Pandemie hat nicht nur Verwüstung in den Bereichen der Live-Unterhaltung und bei Sportübertragungen hinterlassen, sondern bedroht auch die langfristige Überlebensfähigkeit des werbefinanzierten Geschäftsmodells“, erklärte Evercore in einer Studie zur Entwicklung der Medienbranche in der Corona-Krise, die dem Finanzportal Seeking Alpha vorliegt.

Barclays rät zum Verkauf der NYT-Aktie

Evercore wies darauf hin, dass der Paradigmenwechsel zu Digitalabonnements nicht ausreiche, um „den beträchtlichen Druck“ im Werbegeschäft auszugleichen. Aus den gleichen Gründen stufte die Investmentbanking-Beratungsfirma auch andere Medienunternehmen zurück – u.a. die TV-Konzerne Fox, Viacom und Discovery.

Während Evercore mit dem Kursziel von 32 Dollar aktuell noch sechs Prozent über den aktuellen Kursniveau des 168 Jahre alten US-Konzerns liegt, sieht die britische Großbank Barclays buchstäblich schwarz für die weitere Entwicklung der NYT. Die drittgrößte Bank Großbritanniens sprach vergangene Woche eine Verkaufsempfehlung und ein Kursziel von nur noch 20 Dollar aus.

New York Times streicht Sport- und Reiseteil in Sonntagsausgabe

Aktuell notiert das von CEO Mark Thompson geführte amerikanische Medienhaus bei rund 30 Dollar und hat damit seit Jahresbeginn noch relativ überschaubare Verluste von lediglich 6 Prozent verbucht. Seit den Jahreshochs, die erst im Februar aufgestellt wurden, haben die Anteilsscheine allerdings rund ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Analysten rechnen unterdessen im laufenden zweiten Quartal mit einem Gewinnrückgang von 0,20 auf 0,14 Dollar je Anteilsschein. Im Gesamtjahr 2020 dürfte das Konzernergebnis nach dem Durchschnitt der bisherigen Analystenschätzungen von 0,92 auf 0,72 Dollar je Aktie damit um 22 Prozent nachgeben.

Redaktionell hat die New York Times unterdessen auf die Corona-Krise reagiert und in der Sonntagsausgabe den Sport- und Reiseteil gestrichen, wie das Millennialportal Cheddar berichtet. Ersetzt werden die Ressorts durch das neue Segment „At Home“, das sich dem Leben zu Hause in Zeiten der Corona-Krise widmet.

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