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So wertvoll wie nie: Wie Amazon zum ultimativen Corona-Krisengewinner wurde

Coronakrise – welche Krise eigentlich? Das ist die Frage, die sich in diesen Tagen immer mehr Anleger angesichts wieder rasant steigender Kurse stellen. Die große Corona-Panik ist abgehakt, es wird wieder nach vorne geschaut – zumindest an der Börse. Zum ultimativen Krisengewinner ist GAFA-Gigant Amazon aufgestiegen. Der E-Commerce-Gigant dürfte von der Krise wegen des veränderten Kaufverhaltens gleich mehrfach profitieren – und erklimmt an der Wall Street heute neue Allzeithochs.

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Liegt der schlimmste Teil der Coronakrise bereits hinter uns? Nachdem die Zahlen der Neuinfektionen einen Höhepunkt erreicht zu haben scheinen, blicken die Finanzmärkte immer zielgerichteter nach vorne – auf die Zeit nach den Corona-Beschränkungen. Immer steiler schießen die Notierungen an den Weltbörsen wieder nach oben: Fast sieht es so aus, als hätten die Anleger die Coronakrise so schnell abgehakt wie sie aufgetreten ist.

Der ultimative Gewinner der Krise hat sich unterdessen herauskristallisiert: Es ist GAFA-Gigant Amazon. Bereits im harten Abverkauf des Corona-Crashs im März deutete sich an, dass der E-Commerce-Riese robuster mit dem Abschwung zurechtzukommen scheint – Amazons Kursverluste fielen geringer aus als der Rest der GAFA-Konzerne und der großen Indizes.

Mitten in der Corona-Krise: Amazon notiert auf Allzeithochs!

Nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus: Während der Leitindex Dow Jones und der marktbreite S&P 500 gerade mal die Hälfte ihrer Kursverluste aufgeholt haben, leuchten heute an der Kurstafel der Technologiebörse Nasdaq unter dem Tickersymbol AMZN Notierungen auf, die man noch nie gesehen hat. Tatsächlich: Gleich zur Handelseröffnung notierte Amazon bei Kursen von 2200 Dollar auf Allzeithochs!

Das Ausmaß der Kurssteigerungen ist bemerkenswert: Seit Jahresbeginn liegt die Amazon-Aktie um mehr als 22 Prozent vorne. Seit den Jahrestiefs, die im Zuge des Corona-Crashs vor gerade mal drei Wochen aufgestellt wurden, konnten Anleger gar Gewinne von 35 Prozent einstreichen, wenn sie denn auf dem Tiefpunkt den Mut zur Kauforder besessen hätten.

E-Commerce-Boom im Lockdown-Modus

Die Gründe für den Höhenflug von Jeff Bezos‘ Internetimperium liegen auf der Hand. Amazons Kerngeschäft, der E-Commerce-Handel, hat in der Krisenzeit einen zusätzlichen Boom erlebt. In einer Zeit, in der zahlreiche Einzelhändler schließen mussten und Kunden aus Sorge vor der viralen Ansteckungsgefahr die Supermärkte meiden, schlägt einmal mehr die Stunde des „Everything Stores“ (Buchtitel von Brad Stone).

Amazon bietet schlicht alles an, was der Mensch in guten wie in schlechten Zeiten braucht: Von frischen Lebensmitteln über seinen Lieferdienst Amazon Fresh bis zum Universalbedarf des Alltags (von Babynahrung über Schraubenzieher bis zum 70 Zoll Fernseher). Um die immer größere Nachfrage seiner Kunden zu befriedigen hat Amazon mitten in der Coronakrise angekündigt, weitere 175.000 Mitarbeiter für seine Lieferdienste und Lagerhallen einzustellen.

Analysten rechnen mit mehr Umsatz

Entsprechend erlebt Amazon in Corona-Krisenzeiten, in denen fast jedes Unternehmen mit rezessionsbedingten Absatzeinbußen rechnen muss, nach Analystenschätzungen sogar noch eine Beschleunigung seines Umsatzwachstums!

Während die Konsensschätzungen für das abgelaufene erste Kalenderquartal Ende 2019 noch bei Erlösen in Höhe von 71,9 Milliarden Dollar lagen, rechnen die von FactSheet befragten Analysten laut dem Finanzportal Marketwatch nun durchschnittlich mit Erlösen in Höhe von 72,5 Milliarden Dollar.

Auch AWS und Amazon Prime Video erlebt Boom

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der mutmaßlich besseren Umsatzentwicklung dürfte auch Amazons eigentliche Gelddruckmaschine haben – Amazon Web Services (AWS). So erfährt nicht nur die E-Commerce-Sparte, sondern auch die Cloud-Unit aufgrund der steigenden Nutzung vieler Internetdienste steigende Nachfrage.

Davon profitiert in dritter Linie auch ein eigener Online-Dienst, den der Internetpionier Kunden seines Premiumdienstes seit über einer Dekade anbietet: Amazon Prime Video. Nach Erhebungen der Film- und Fernseh-Streaming-Suchmaschine Reelgood ist Prime Video in den USA nach Netflix und damit vor Disney+ weiter der zweitmeistgenutzte Streaming-Dienst der USA, wie Marketwatch berichtet.

Amazon ist wieder Billionen-Dollar-Konzern

Entsprechend übertreffen sich die Analysten in diesen Tagen damit, den ultimativen Krisengewinner mit neuen, höheren Kurszielen auszustatten. Der kanadische Finanzdienstleister Canaccord Genuity hob gestern sein Kursziel um 100 Dollar auf 2600 Dollar an.

Nach dem heutigen Kursschub auf 2283 Dollar ist der weltgrößte Online-Händler davon nur noch 14 Prozent entfernt. Nach der jüngsten Kursrally ist Amazon erstmals seit Februar wieder in den exklusiven Club der Billionen-Dollar-Konzerne aufgestiegen. Mit einem Börsenwert von 1,14 Billionen Dollar notiert Amazon nur noch marginal hinter Apple (1,25 Billionen Dollar), Microsoft (1,32 Billionen Dollar) und deutlicher hinter der weltweiten Börsen-Nummer-eins, dem saudischen Ölmulti Aramco (1,73 Billionen Dollar).

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