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Moderation aus dem Quarantäne-Keller: CNN-Starreporter Chris Cuomo kämpft vor Millionenpublikum mit Corona

Tägliches Corona-Update aus dem heimatlichen Keller: CNN-Moderator Chris Cuomo Screenshot: © CNN / YouTube

Was passiert wirklich bei einer Corona-Infektion? Während sich COVID-19 explosionsartig rund um den Erdball verbreitet, bleibt die Viruserkrankung in vielerlei Hinsicht rätselhaft – vor allem im Verlauf. Einen täglichen Live-Eindruck bietet unterdessen CNN-Moderator Chris Cuomo, der seit rund einer Woche mit Corona infiziert und trotzdem täglich weiter auf Sendung ist. Weil Cuomo zugleich der jüngere Bruder von New Yorks Gouverneur Andrew ist, kritisieren manche Journalisten die Berichterstattung.

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Journalismus in Zeiten des Coronavirus bietet zahlreiche Angriffsflächen. Wird durch die tägliche Berichterstattung über die neuen Infizierten- und Todeszahlen dem Informationsbedürfnis Rechnung getragen oder verunsichern die Zahlen nur, da am Ende unklar ist, welche Aussagekraft sie eigentlich haben?

Und was ist mit dem Verlauf der Erkrankung? Bisher gibt es zumindest in der Bundesrepublik wenig Corona-Erkrankte oder Angehörige, die über die Entwicklung ihrer Infektion berichtet haben – von einigen Ausnahmen wie dem Bericht des Welt-Autors Peter Huth zu Wochenbeginn einmal abgesehen.

CNN-Starmoderator Chris Cuomo hat Corona

In den USA, in denen das Innere traditionell eher nach außen gekehrt wird, ist man weiter, was nicht zuletzt an einem prominenten Corona-Fall liegt. CNN-Starmoderator Chris Cuomo ist seit vergangener Woche an dem neuartigen Virus erkrankt und hat daraus keinen Hehl gemacht – im Gegenteil.

Der 49-Jährige, der mit seiner Sendung „Cuomo Prime Time“ (täglich ab 3 Uhr nachts deutscher Zeit) zu den Aushängeschildern von CNN gehört, ist trotz seiner Erkrankung weiter „on air“. Cuomos tägliche Schilderungen seines Gesundheitszustands sind die bislang intensivste und authentischste Berichterstattung eines mit Corona infizierten Journalisten – quasi in Echtzeit.

Seit einer Woche spricht Cuomo aus der Quarantäne im Keller der heimischen Wohnung über den schweren Verlauf der Infektion („Das Biest kommt nachts„), seine Ängste, das Virus an seine Familie zu übertragen, über die beständigen Fieberattacken, seine Brustschmerzen, seine Kurzatmigkeit und seine Atemübungen, um einer Lungenentzündung zu entgehen. Täglich via Videokonferenz zugeschaltet ist CNN-Korrespondent und Neurochirug Sanjay Gupta, der Cuomos Symptome vor einem Millionenpublikum einordnet – inklusive Röntgenaufnahmen von seinen Lungen.

Corona-Reality-TV?

Erste Kritiker monieren unterdessen, Cuomos Sendung bewege sich in Richtung „Corona-Reality-TV“. Nicht zu vergessen ist dabei, dass sich CNN seit der Übernahme der Geschäftsführung durch den früheren NBC-Chef Jeff Zucker mehr in Richtung unterhaltungsfreundlicher Formate positioniert hat.

Besondere Relevanz gewinnt Chris Cuomos Corona-Coverage durch den Umstand, dass er der jüngere Bruder des New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo ist, der bei der Bekämpfung der Pandemie gerade seinen „FDR-Moment“ erlebt. Die besondere Verbindung der beiden Brüder findet nun medienwirksam ihre Fortsetzung in Cuomos CNN-Sendung, in der Chris seinen Bruder Andrew seit Mitte März regelmäßig zu Exklusivinterview zugeschaltet hat.

Kurzer Draht zwischen Cuomo-Brüdern „on air“

Es war eine 180-Gradwende in der Firmenpolitik des beliebten Nachrichtensenders, der – zur Vermeidung jeglicher Interessenkonflikte – Interviews des New Yorker Gouverneurs seit sechs Jahren von anderen CNN-Reportern vornehmen ließ. In der Corona-Krise wurde diese interne Richtlinie nun über Bord geworden.

Die Interviews der beiden Cuomo-Brüder, der eine davon der Retter der Nation, der andere ein angeschlagener Corona-Patient, sind entsprechendes Quoten-Gold: “Cuomo Prime Time” verzeichnete in den letzten drei Märzwochen eine Steigerung der Einschaltquoten um enorme 118 Prozent. „Der Corona-Gouverneur, der mit seinem kranken Bruder spricht, das ist unglaublich anzusehen“, merkt etwa der britische Moderator Piers Morgan, früher selbst bei CNN, in der New York Times an.

T-Online-US-Büroleiter kritisiert Interviews der Cuomo-Brüder

Der kurze Draht zwischen den Familienmitgliedern, der so weit geht, dass der jüngere Cuomo-Bruder zuletzt auch in einer Pressekonferenz des Gouverneurs zugeschaltet wurde, wurde aber auch von manchem Journalisten kritisiert.

Fabian Reinbold, Leiter des Washingtoner Büros von T-Online, erklärte etwa gegenüber der Washington Post: „Das ist etwas, was mir nicht in den Kopf gehen will. Bei uns zu Hause würde das als höchst unangemessen und korrupt gelten“, schwingt sich Reinbold zum Moralapostel auf und legte wenig später auf Twitter nach („Bin kurzzeitig mal wieder an den USA verzweifelt“).

„Zeitpunkt wird kommen, wenn Interviews keinen Sinn mehr machen“

Gleichzeitig wirft die kulturell unterschiedliche Beurteilung der Pressekodizes die spannende Frage auf, mit welcher Nuancierung in Zeiten der Corona-Pandemie journalistisch berichtet wird – oder werden sollte. Chris Cuomo weiß das selbst: „Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem es die Rechenschaftspflicht gebietet, dass es die Interview keinen Sinn mehr machen“, gibt Chris Cuomo gegenüber der New York Times zu.

Der Zeitpunkt scheint indes noch nicht gekommen zu sein. Auch in der Nacht zum Donnerstag interviewte der CNN-Moderator seinen Bruder – und inszenierte das Gespräch vor einem Millionenpublikum am Ende zum augenzwinkernden Bruder-Zwist inklusive alter Familienfotos.

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