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Wegen Corona: Auch Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner plant Kurzarbeit

Ebay-Kleinanzeigen steht vor dem Verkauf: Dafür soll sich Springer-Chef Mathias Döpfner (Foto) interessieren.

Nach Bertelsmann, Funke, SWMH und Zeit-Verlag will jetzt auch der Berliner Medienkonzern Axel Springer Kurzarbeit für einige Unternehmensbereiche anmelden. Welche Firmenteile es konkret trifft, will Vorstandschef Mathias Döpfner in Kürze mitteilen. Und auch der Tagesspiegel reagiert aufgrund von massiven Anzeigenrückgängen mit Kurzarbeit.

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„Für die Bereiche, für die es wirtschaftlich sinnvoll und notwendig ist, soll bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit beantragt werden. Die einzelnen Bereiche sollen dies in Rücksprache mit dem zuständigen Bereichsvorstand jeweils selbst entscheiden und dezentral handhaben“, erklärt der Springer-Vorstand in einer Mail an die Mitarbeiter, die MEEDIA vorliegt.

Noch steht aber nicht fest, welche Unternehmensbereiche es am Ende konkret trifft. Bislang haben die Berliner für den Bereich Pace Kurzarbeit angemeldet, der vom Verbot von Veranstaltungen und der Schließung von Gastronomiebetrieben besonders betroffen ist. Pace ist eine konzerneigene Eventagentur mit Sitz in Berlin, die jedes Jahr 600 Events und 3.000 Konferenzen organisiert und dabei jährlich rund eine Million Gäste betreut.

Kurzarbeit auch in der Vermarktung denkbar

Denkbar ist, dass auch die Springer-Vermarktung Kurzarbeit anmelden könnte. „Auch wenn die Nachfrage nach verlässlichen journalistischen Angeboten derzeit sehr hoch ist und diese steigenden Traffic auf ihren Webseiten verzeichnen, gibt es starke Rückgänge in den Werbemärkten, und andere Bereiche des Unternehmens kämpfen mit dramatischen Umsatzrückgängen“, heißt es in der Mail. Der Vorstand hält Kurzarbeit für notwendig, um einen Personalabbau zu vermeiden. „Axel Springer sollte alle sinnvollen Möglichkeiten nutzen, die sich bieten, um diese Krise möglichst unbeschadet zu überstehen. Vor allem ist es uns wichtig, langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Das Instrument der Kurzarbeit ist für Fälle wie diesen gedacht“, erklärt das Springer-Management – und fügt hinzu: „Das Unternehmen kann schnell Kosten reduzieren, ohne Arbeitsplätze zu gefährden, und es kann direkt nach der Krise wieder mit vollem Einsatz das Geschäft vorantreiben.“

Redaktionen sollen Überstunden abbauen

Doch Springer will auch andere Instrumente nutzen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern. So sollen vor allem die Redaktionen, Überstünden abbauen. „Freie Tage, die aus früheren Monaten und Jahren angesammelt wurden, sind nach Möglichkeit kurzfristig abzubauen“, erklärt der Vorstand. Zugleich sagt der Vorstand alle Seminare und Trainings bis Ende Juni ab. Ein Verlagssprecher bestätigt auf MEEDIA-Anfrage, dass das Unternehmen Kurzarbeit prüfe.

Erst vor kurzem hatte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bestätigt, dass der Gütersloher Medienunternehmen für einige hundert Mitarbeiter Kurzarbeit anmeldet. Auch die Spiegel-Gruppe, an der Bertelsmann über den Hamburger Magazinverlag Gruner + Jahr (stern, Geo) indirekt beteiligt ist, erwägt BfA-Hilfen. Dies hatte Spiegel-Verlagschef Thomas Hass der Belegschaft verkündet. Zugleich will Hass dem Unternehmen ein Sparprogramm von rund zehn Millionen Euro verordnen (MEEDIA berichtete).

Und auch der Tagesspiegel will Kurzarbeit beantragen. Der Grund: die Geschäftsführung plant aufgrund eines massiven Anzeigenrückgangs sowie fehlender Umsätze durch abgesagte Veranstaltungen, Hilfen bei der Bundesagentur für Arbeit zu beanspruchen. „Der Ausblick für die nächsten zwei Monate sieht“, so die Geschäftsführerin Ulrike Teschke gegenüber MEEDIA, „auch nicht besser aus, deshalb haben wir uns entschieden, zum 1. April 2020 Kurzarbeit vorrangig im Verlag, aber auch in ausgewählten Bereichen der Redaktion, für zunächst drei Monate einzuführen. Der sehr deutliche Anstieg der Reichweite von tagesspiegel.de um fast 300% Prozent zum Vorjahr auf über 16 Mio. Unique User im März und die großen Erfolge im Vertrieb können den enormen Einbruch in der Vermarktung leider nicht kompensieren.“

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