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Winterbauers Woche

Corona-Doppel bei ARD und ZDF: Wie Maybrit Illner Talk-Kollegin Anne Will in die Parade fährt

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

ZDF-Talkerin Maybrit Illner kommt ARD-Kollegin Anne Will sonntags regelmäßig mit einer Corona-Spezialausgabe in die Quere. Medien-Aprilscherze konnte man diese Woche zum Glück fast keine finden. Das ZDF startet eine „Corona Comedy“ als Streaming-Serie. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Corona, Corona, Corona. Wenn man den Fernseher anmacht oder das Internet gibt es (fast) kein anderes Thema mehr. Auch die Talkshows von ARD und ZDF sind im Corona-Modus. Einige mehr als andere. Besonders eifrig dabei ist ZDF-Talkerin Maybrit Illner. Die sendet sonntags gerade zusätzlich zur regulären Donnerstag-Ausgabe ein „Corona spezial“. Donnerstags lautet das Thema bei Frau Illner dann natürlich auch Corona, also quasi: „Corona normal“. Mit der Spezial-Ausgabe am Sonntagabend sendet Maybrit Illner direkt gegen die Talkshow von „Anne Will“ im Ersten, die naturgemäß ebenfalls Corona auf dem Themenzettel hat. Die Medienkorrespondenz fragte in diesem Zusammenhang: „Warum macht das @ZDF der ARD (@DasErste) diese Art der Konkurrenz?“ Anne Will scheint sich das auch zu fragen, sie hat den Tweet der Medienkorrespondenz mit dem „Thinking Face“-Emoji retweetet.

Informationsbedarf und öffentlicher Auftrag, schon klar. Aber zwei parallel laufende öffentlich-rechtliche Talkshows zu Corona braucht’s nun wirklich nicht. Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres ist kein Fan des Corona-Doppels:

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Man soll ja auch das Positive suchen in Zeiten der Krise. Bitte sehr: Es gab am Mittwoch fast keine Medien-Aprilscherze. Natürlich, weil den Medien erstens nicht zum Spaßen zumute ist und zweitens fürchtete man wohl zu viel Ärger wegen potenzieller Fake-News-Verwechslung. Solche Befürchtungen sind der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit offensichtlich fremd. Dort platzierte man den Aprilscherz, dass WhatsApp das Deutschlandfahnen-Emoji streiche, weil das ja von so vielen – Höhö – Rechtspopulisten genutzt würde. Dass nur, falls man einen Reminder braucht, warum man Medien-Aprilscherze generell doof findet: Sie sind nie (!) lustig.

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Not macht bekanntlich erfinderisch. Aber nicht alles klappt. Dass hastig zusammengeschusterte Sendungen mit Promis, die sich via Skype unterhalten waren, nicht gut funktionieren, haben wir inzwischen gelernt. Das ZDF versucht es jetzt mit einer speziellen „Corona-Comedy“. „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ heißt die Reihe, in der die Mitt-Dreißigerin Charlotte (Lavinia Wilson) ihr Leben in Corona-Zeiten via Bildschirm regelt. Das klingt erst einmal wie eine doofe Idee, bei Gottschalk, Jauch und Pocher hat die „Quarantäne WG“ ja auch nicht gezündet. Aber „Drinnen“ ist zum Glück Fiction und als Produktionsfirma grüßt die btf, die u.a. auch die Netflix-Serie „How to sell drug online (fast)“ gemacht hat. Die Hoffnung besteht also, dass es mit „Drinnen“ was werden könnte.

Die Serie steht zunächst einmal nur in den Mediatheken von ZDF und ZDFneo zur Verfügung (ab 3. April, 20 Uhr). ZDFneo zeigt wöchentlich ab Dienstag, 7. April, um 22.45 Uhr zudem einen Zusammenschnitt. Einen Sendetermin im ZDF-Hauptprogramm gibt es (noch) nicht. ZDF goes Streaming.

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Muss sich eigentlich jeder zu allem äußern? Bei „maischberger. die woche“ war in der jüngsten Sendung neben Jakob Augstein und der anerkannten Corona-Expertin Jutta Speidel der notorisch unlustige (Meinungs-) Kabarettist Florian Schroeder zu Gast. Thema: Sie wissen schon. Schroeder äußerte sich dabei auch zur in der Entwicklung befindlichen Handy-Tracking-App für potenzielle Corona-Kontakte. Der Humor-Facharbeiter zeichnete angesichts einer solchen Tracking-App die „komplette digitale Überwachung“ an die Wand, die aus Pandoras berühmter Büchse entfleuchen würde. Die Redaktion von „maischberger. die woche“ verbreitete das Aufreger-Zitat mit aufgeregter Musik-Untermalung.

Ob Schroeder weiß, dass eine Kontaktnachverfolgung von möglichen Covid-19-Infizierten mittels Handydaten durchaus auch datenschutzkonform ausgestaltet werden kann? Ich vermute ohnehin, dass in solchen Fragen die Rufe nach Datenschutz immer leiser werden, je stärker die Todesraten durch Covid-19 steigen.

Trotz allem: Schönes Wochenende!

PS: Corona-Talk auch wieder in der aktuelle Ausgabe des Podcasts „Die Medien-Woche“. Gemeinsam mit Welt-Kollege Christian Meier diskutiere ich die Frage, ob es auch ein Zuviel an schlechten Nachrichten geben kann. Außerdem befassen wir uns mit Stefan Raabs ESC-Alternativ-Show, dem Aus der Lindenstraße und der Verschärfung des NetzDGs. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

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