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Wegen Corona: Spiegel-Chef Steffen Klusmann erwägt Kurzarbeit und einen harten Sparkurs

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann

Die Medienhäuser sind durch den wegen Corona verursachten Shutdown im Krisenmodus. Jetzt trifft es auch die Spiegel-Gruppe schwer. Sie prüft, ab Mitte April Kurzarbeit einzuführen. Zugleich plant Chefredakteur Steffen Klusmann einen harten Sparkurs, um den drohenden Anzeigeneinbruch abzufedern. Auch ein Stellenabbau steht im Raum.

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Die Hiobsbotschaft erreichte viele Redakteure im Homeoffice. Per Video sollen Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann und weitere Führungskräfte heute große Teile der Belegschaft über tiefe Einschnitte eingestimmt haben, die dem Medienhaus an der Ericusspitze drohen. Dies erfuhr MEEDIA aus Belegschaftskreisen.

Und es sieht nicht gut aus. Die Spiegel-Spitze erwägt nach Informationen von MEEDIA, Mitte April Kurzarbeit einzuführen. „Wie alle anderen Medienhäuser prüft auch die Spiegel-Gruppe das Potential von Kurzarbeit im Haus. Eine Entscheidung, ob und wenn ja in welchen Bereichen wir Kurzarbeit anmelden, ist aber noch nicht getroffen“, sagt eine Sprecherin gegenüber MEEDIA. Derzeit werde mit den Betriebsräten darüber gesprochen, ob das Unternehmen staatliche Hilfen der Agentur für Arbeit beanspruchen will.

Spiegel-Verlag: Kosten sollen um 10 Millionen Euro sinken

Zugleich will Klusmann aber auch einen harten Sparkurs fahren. So sollen die Kosten um zehn Millionen Euro sinken. Damit will der frühere FTD-Chefredakteur unter anderem das Loch stopfen, dass der Shutdown in die Kassen der Vermarktung reißt. Denn die Geschäftsführung rechnet wohl damit, dass der Anzeigenumsatz in diesem Jahr deutlich einbricht. Hier ist hausintern eine Summe von 20 Millionen für 2020 im Gespräch, die der Verlag aber nicht bestätigen will. Grund hierfür ist die Corona-Krise, die seit Wochen zu massiven Anzeigenstornos führt. „Wir werden unsere Etatplanung für das Jahr 2020 korrigieren und nehmen uns in einem ersten Schritt vor, zehn Millionen Euro einzusparen. Gleichzeitig werden Erlös-Projekte, die für dieses Jahr geplant waren, priorisiert und vorangetrieben“, so eine Sprecherin. Und fügt hinzu: „Darüber sind die Führungskräfte der Spiegel-Gruppe und die Mitarbeitenden ihrer Bereiche informiert worden.“

Um die Kosten zu senken, prüfen Klusmann und Verlagschef Thomas Hass aber wohl auch Arbeitsplätze abzubauen. Sie erwägen nach MEEDIA-Informationen, Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Den Schritt könnten sie ihnen über geeignete Regelungen und attraktive Abfindungen schmackhaft machen, heißt es in Firmenkreisen. Eine Entscheidung hierzu ist aber nicht gefallen, da derzeit alles auf dem Prüfstand stünde. Fraglich ist, wie viele Stellen das Management bei der angestrebten Sparsumme abbauen müsste, wenn es dazu kommt. Hausintern kursieren bereits Zahlen von 80 bis 100 Arbeitsplätzen. Als Richtschnur dient den Mitarbeitern die Strukturmaßnahme, die Verlagschef Hass dem Haus 2015 verordnete. Damals wurden rund 150 der 727 Arbeitsplätze bis Ende 2018 abgebaut, um dauerhaft eine Summe von rund 16 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Die Gerüchte über einen Stellenabbau kommentiert eine Sprecherin: „Wir werden uns zunächst darauf konzentrieren, mit Augenmaß überall dort Geld einzusparen, wo es schnellen Erfolg bringt, und möglichst viele Gelegenheiten nutzen, unser Kostenniveau zu senken. Wesentliche organisatorische Veränderungen oder betriebsbedingte Kündigungen stehen deshalb kurzfristig nicht auf dem Plan.“

Am Freitag soll die gesamte Belegschaft von Geschäftsführer Hass über „die wirtschaftliche Lage, die Sparmaßnahmen (bei den Sach- und Marketingkosten) sowie über die geplante Kurzarbeit“ informiert werden, wie aus einer Mail des Betriebsrat hervorgeht, die MEEDIA vorliegt. Es sei wichtig, dass dies nun erfolge, „damit alle den gleichen Kenntnisstand durch den Geschäftsführer erhalten und keine weiteren Gerüchte entstehen“.

„Sparpotenziale bei Dienstleistern und freien Honoraren“ werden geprüft

Chefredakteur Klusmann hat auch kurzfristige Maßnahmen im Blick. Dazu gehört unter anderem auf Berater zu verzichten. Ebenso müssen wohl auch Freelancer Opfer bringen. Man prüfe „selbstverständlich auch die Sparpotenziale bei Dienstleistern und freien Honoraren“, um „drohende Erlösverluste auszugleichen“, so die Sprecherin.

Hausintern könnte der Schritt auf großen Unmut stoßen. Kritiker des Chefredakteurs befürchten, dass hierunter die Qualität der journalistischen Produkte leiden könnte. Gerade jetzt sei das Informationsbedürfnis der Leser gewaltig, um die gesamten Auswirkungen der Corona-Krise zu erfassen. Der Spiegel-Chef hatte im vergangenen Jahr die Print- und Online-Redaktionen zusammengelegt, um die Schlagkraft der Heft- und Webprodukte am Markt zu erhöhen. Dazu gehörte auch, dass er dem digitalen Spiegel einen umfangreichen Relaunch verpasste und Spiegel Online in der Dachmarke Der Spiegel aufging.

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