Anzeige

Wegen Corona-Krise: RTL Group kassiert Jahresprognose und streicht Dividende

Eine Überraschung ist es in Zeiten der ausufernden Corona-Krise, die die Medienbranche besonders trifft, kaum noch: Auch die RTL Group warnt nun vor einer schlechteren Geschäftsentwicklung als bislang erwartet. Kurz vor Handelsschluss in Frankfurt teilte der MDax-Konzern mit, dass er seinen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr nun nicht mehr halten könne. Auch die stets satte Dividenzahlung soll gestrichen werden. Die Aktie taumelt in Richtung eines Allzeittiefs.

Anzeige

Der Ausblick der RTL Group für das Geschäftsjahr 2020 war bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht gerade vielversprechend. Das Fernsehkonglomerat, das zu 75 Prozent Bertelsmann gehört, stellte bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2019 für das laufende Jahr zumindest weiterhin marginal steigende Erlöse, aber bereits ein sinkendes EBITA wegen Investitionen in Inhalte und die Streamingdienste in Aussicht. Das war am 13. März – und explizit noch ohne Berücksichtigung der Folgen der Corona-Pandemie.

Nur drei Wochen nach der nach Vorlage der Jahresbilanz hat die RTL Group nun ihren Ausblick kassiert. Das teilte der MDax-Konzern kurz vor Schluss des Frankfurter Parketthandels in einer Pflichtmeldung mit: „Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit hat sich der Aufsichtsrat heute entschlossen, den bisherigen Ausblick (vom 13. März), der bisher nicht den Ausbruch des Coronavirus reflektiert hat, zurückzuziehen.“

„Stornierungen von Werbebuchungen werden Ergebnis negativ beeinflußen“

Weiter heißt es: „Die globale Wirtschaftsentwicklung und ihre Aussichten haben sich seit Mitte März signifikant verschlechtert, als die RTL Group den Ausblick gegeben hat. Die Gruppe ist aktuell nicht in der Lage, einen Ausblick für das Gesamtjahr 2020 abzugeben. Während sich das erste Quartal im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt hat, werden die Stornierungen von Werbebuchungen und Verschiebungen von Produktionen das Ergebnis der Gruppe in den nächsten Monaten negativ beeinflußen“, teilte das in Luxemburg ansässige Fernsehkonglomerat mit.

Und mehr noch: Der TV-Pionier greift in Krisenzeiten zudem zu einer monetären Maßnahme. „In diesen beispiellosen Zeiten“ sei der Erhalt der Liquidität „eine essenzielle Vorsichtsmaßnahme, um die Geschäftstätigkeit und die Zukunftsaussichten der Gruppe zu sichern.“ Der Aufsichtsrat hat daher entschieden, die vorgeschlagene Dividendenzahlung, die für das zurückliegende Geschäftsjahr 2019 Ende Juni fällig geworden wäre, ersatzlos zu streichen.

Dividende ersatzlos gestrichen

Für Anleger ist das eine denkbare schlechte Nachricht, schließlich sollte die an Aktionäre ausgezahlte Dividende 4,00 Euro betragen. Die traditionell üppige Dividendenrendite, die aktuell enorme 13 Prozent betragen hätte, war von Analysten in der Vergangenheit stets als Argument für die Attraktivität der Aktie angeführt worden – ein Argument, das nun wegfällt.

Entsprechend fiel die Reaktion an der Börse nach Bekanntwerden der Pflichtmitteilung aus. Das Papier büßte im späten Parketthandel in Frankfurt mehr als fünf Prozent ein, nachdem es zweieinhalb Stunden zuvor im Xetra-Handel noch bei 30,50 Euro geschlossen hatte.

Aktie der RTL Group im freien Fall

In der Corona-Krise befindet sich RTL Group wie andere Medienaktien massiv unter Abgabedruck. Seit Jahresbeginn liegen die Anteilsscheine nunmehr bereits um 34 Prozent hinten und haben damit schlechter  performt als der Nebenwerteindex MDax, der seit Januar um 28 Prozent an Wert eingebüßt hat.

Bei rund 29 Euro sind die Anteilsscheine nur noch wenige Prozent von den (an den deutschen Börsen) Mitte März aufgestellten Allzeittiefs entfernt. Die RTL Group hatte vor knapp sieben Jahren ihr Zweitlisting in Frankfurt zu Kursen von 55,50 Euro vollzogen. Gegenüber den Anfang 2014 aufgestellten Allzeithochs bei 100 Euro hat die Aktie der RTL Group damit inzwischen mehr als 70 Prozent an Wert verloren.

Anzeige