Anzeige

Corona-Crash: Das März-Massaker der Medienaktien

Horror im Handelssaal: Besitzer von Medienaktien erlebten wegen Corona 2020 ein Katastrophenstart

Schlimm, schlimmer, Corona. Rund um den Globus durchlitten die Aktienmärkte durch den Ausbruch des neuartigen Coronavirus im März erdrutschartige Verluste, die an die Finanzkrise 2008 erinnern. Besonders betroffen vom schweren Ausverkauf sind Medienunternehmen, denen durch den Stillstand der Wirtschaft die Werbeerlöse wegbrechen. Ein Blick auf die Entwicklung der fünf wertvollsten deutschen Medienaktien im ersten Quartal.

Anzeige

• Axel Springer: – 13 % (jeweils seit Jahresbeginn)

Im Grunde führt die Aktie von Axel Springer seit der Ankündigung des Börsenrückzugs ein Zombie-Dasein. Das Übernahmeangebot an Aktionäre in Höhe von 63 Euro im vergangenen Sommer fror den Kurs des Berliner Verlags bis auf Schwankungen im Cent-Bereich ein.

Dann kam Corona und die überraschende Ankündigung des früheren MDax-Mitglieds, die Jahresprognose zu kippen. Die Umsätze und der operative Gewinn dürften nun in allen drei Geschäftsbereichen schlechter ausfallen als bisher gedacht, teilte das Medienhaus vergangene Woche mit. Die Folge: Ein Kursrutsch auf inzwischen weniger als 55 Euro – ein Minus von 13 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Übernahmeangebot. Das Börsendelisting soll unterdessen bereits in der übernächsten Woche stattfinden. Trotzdem kann sich Axel Springer im Vergleich zum Dax, der im ersten Quartal 2020 25 Prozent verloren hat, und anderen Medienwerten noch gut sehen lassen.

• RTL Group: – 30 %

Deutlich massiver kamen die Aktien der RTL Group unter den Hammer, die seit Jahresbeginn um 30 Prozent hinten liegen, seit den Allzeithochs vor sechs Jahren aber bereits fast 70 Prozent an Wert eingebüßt haben –  in einem Zeitraum, in dem die Benchmark MDax mehr als 30 Prozent zugelegt hat.  Auch seit Jahresbeginn hat die Aktie schlechter performt als der Nebenwerteindex, der in den ersten drei Monaten 2020 um 26 Prozent hinten liegt.  

Das Fernsehkonglomerat, das zu 75 Prozent Bertelsmann gehört (dessen Anteil aber bald leicht wachsen dürfte), stellte im laufenden Jahr zumindest weiterhin marginal steigende Erlöse, wenn auch ein sinkendes EBITA in Aussicht. Grund dafür sind Investitionen in Inhalte und die Streamingdienste. Der Effekt der Corona-Krise wurde dabei bisher noch nicht einmal einkalkuliert.

• New Work SE: – 32 %

In Hamburg standen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie alle Zeichen auf Wachstum. Die Xing-Mutter New Work  konnte im Februar noch für das abgelaufene Geschäftsjahr steigende Umsätze von 16 Prozent auf nunmehr 269,5 Millionen Euro und einen um 20 Prozent gestiegenen Nettogewinn von 20 Prozent ausweisen.

Doch in Zeiten des weltweiten Börsencrashs zählt die Vergangenheit wenig: Das 2019 von Xing in New Work umfirmierte Unternehmen, das zu 50 Prozent dem Burda Verlag gehört, halbierte sich an der Börse binnen sechs Wochen nahezu, ehe Schnäppchenjäger die Verluste in den letzten Handelstagen begrenzten. Dennoch blieb seit Jahresanfang ein Minus von 32 Prozent – eine deutlich schlechtere Entwicklung als die Benchmark TecDax, die seit Jahresbeginn nur 16 Prozent an Wert einbüßte.

• Ströer: – 37 %

Noch Anfang März, als in Deutschland der 200. Corona-Fall dokumentiert wurde, schien Udo Müllers Optimismus grenzenlos. „2019 war ein exzellentes Jahr für uns. Ströer war nie besser aufgestellt, nie besser positioniert und hatte nie bessere Zukunftsaussichten als heute“, erklärte der Gründer und Co-CEO von Ströer bei Vorlage der Geschäftsbilanz 2019.

Der Markt sieht das offenbar inzwischen ziemlich anders. Binnen einem Monat wurde der Außenwerbevermarkter auf dem Frankfurter Börsenparkett um 37 Prozent rasiert und hat sich damit deutlich schlechter entwickelt als Vergleichsindex SDax, der 2020 bislang um 26 Prozent nachgab.

„Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen aus vergangenen Krisen wie der Finanzkrise 2008, haben wir sehr frühzeitig das Unternehmen wetterfest gemacht“, versuchte Udo Müller gestern noch einmal Zuversicht zu verbreiten und sorgte zumindest für ein kurzes Kursfeuerwerk.

• ProSiebenSat.1 – 50 %

Für die lupenreine Horrorstory des ersten Quartals sorgte unterdessen ein langjähriges Sorgenkind, das bereits vor der Corona-Krise immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt und einen eisigen Winter erlebt hatte: ProSiebenSat.1. Die Münchner verwandelten ihre zeitweise Comeback-Saga in den Zehnjahren längst wieder in eine Tragödie, die in einem Kursmassaker von 86 Prozent gegenüber den früheren Hochs gipfelt.

Jüngster Tiefpunkt: Der unrühmliche Abgang des krachend gescheiterten Vorstandschefs Max Conze. Allein seit Jahresbeginn hatte Conze ProSiebenSat.1s Börsenwert halbiert, während Benchmark MDax lediglich um 26 Prozent verlor – höchste Zeit für eine Neuaufstellung.

Anzeige