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#BoykottAdidas: Wie der Sportartikelriese in Zeiten von Corona das PR-Eigentor des Jahres schoss

Adidas-Retro-Logo

Adidas wurde im Best Brands Ranking als "Beste Europäische Unternehmensmarke" ausgezeichnet. Foto: Adidas

Eigentlich gilt Adidas als eine der hippsten Marken der Republik. In der Corona-Krise ist der Drei-Streifen-Konzern nun jedoch unangenehm aufgefallen: Die Weigerung, künftig weiter Mieten für geschlossene Geschäfte zu zahlen, wird von der Politik und in den sozialen Medien auf das Schärfste verurteilt. Der Dax-Konzern ruderte am Sonntag schließlich halbwegs zurück, doch der Imageschaden scheint immens.

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Dank cooler Kooperationen mit Kanye West & Co. sind die drei Streifen zu einem der beliebtesten Exportartikel der Bundesrepublik geworden. Adidas, nach Nike zweitgrößter Sportartikelhersteller der Welt, ist in den vergangenen Jahren zum Dauer-Dax-Champion avanciert und bringt es trotz des jüngsten Börsencrashs immer noch auf einen Unternehmenswert von über 40 Milliarden Euro.

Die Herzogenauracher setzten im vergangenen Geschäftsjahr knapp 24 Milliarden Euro um und verdienten unter dem Strich fast zwei Milliarden Euro. Nun kommt Corona, verhagelt Adidas durch die gestrichene Fußball-EM und die Olympischen Spiele das Geschäftsjahr – und offenbar das Gespür für Verhältnismäßigkeit.

„Ich bin enttäuscht von Adidas. Ich bin sehr enttäuscht.“

Die Ankündigung nämlich, wegen Filialschliessungen im Zuge der Corona-Krise keine Mieten mehr zahlen zu wollen, hat einen veritablen Shitstorm in Politik und den sozialen Medien ausgelöst. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erklärte etwa gegenüber Bild.de: „Ich bin enttäuscht von Adidas. Ich bin sehr enttäuscht.“

Vize-Europaparlamentspräsidentin Katarina Barley (SPD) watschte den Sportartikelriesen unterdessen auf Twitter als „schäbig“ ab und postet öffentlichkeitswirksam ein Foto mit Adidas-Schuhen und der Anmerkung: „Das hier waren übrigens die letzten @adidas , die wir gekauft haben.“

Adidas ist dabei nicht der einzige Konzern, der seine Mietzahlungen wegen der angeordneten Ladenschließungen aussetzt – auch der einstige Bruder-Konzern Puma, H&M oder Deichmann sehen offenbar nicht ein, Miete zu zahlen, ohne dass sie ihre Filialen öffnen können. „Es handelt sich hier um eine präventive Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten“, erklärte ein Deichmann-Sprecher gegenüber n-tv. 

#BoykottAdidas trendet auf Twitter

Adidas-Konzernchef Kasper Rorsted ärgerte sich am Sonntag in einem Interview mit der FAZ unterdessen über die Doppelzüngigkeit der Politik und erklärte, die ausbleibenden Zahlungen seien „Stundungen“ gegenüber Immobiliengesellschaften. In vier Fällen werde die Miete an Privatpersonen fällig – und hier nun pünktlich gezahlt.

Trotz der Klarstellungen dürfte der Dax-Konzern, der im Februar erst im Best Brands-Ranking zur “Besten Europäischen Unternehmensmarke” gekürt wurde, einen beträchtlichen Imageschaden erlitten haben. Auf Twitter trendete am Wochenende der Aufruf #BoykottAdidas mit zahlreichen Schmähungen des Dax-Konzerns.

In die Adidas-Abrechnung mischten sich unterdessen auch Stimmen, die die Herzogenauracher zu Unrecht am Pranger sehen.

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