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Q1-Ausblick wegen Corona-Krise kassiert: Twitter verzeichnet mehr Nutzer – aber sinkende Werbeumsätze

Schlechte Nachrichten nach Handelsschluss. Kurznachrichtendienst Twitter warnte Investoren davor, dass sich die Geschäfte im ersten Quartal wegen der Ausbreitung der Corona-Pandemie schlechter entwickeln würden als noch im Ausblick in Aussicht gestellt. Der Social Media-Pionier musste eingestehen, in den letzten Wochen signifikante Anzeigeneinbußen erlitten zu haben und rechnet im laufenden Quartal nun mit sinkenden Umsätzen und gar einem Vorsteuerverlust.

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Der Trend zeigte nach oben – dann kam Corona. Erst Anfang Februar hatte Twitter sein Zahlenwerk für das abgelaufene Dezember-Quartal vorgelegt, in dem der 280-Zeichendienst erneut steigende Umsätze vermelden konnte: ein Plus  von 11 Prozent auf genau eine Milliarde Dollar.

So schien es weiterzugehen. CEO Jack Dorsey stellte noch vor sechs Wochen für den laufenden Dreimonatszeitraum Umsätze zwischen 825 und 885 Millionen Dollar in Aussicht, die einem Erlöszuwachs von 5 bis 12 Prozent entsprochen hätten. Der Vorsteuergewinn sollte sich zwischen 0 und 30 Millionen Dollar belaufen.

„Weltweite Anzeigenerlöse in den vergangenen Wochen signifikant beeinträchtigt“

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist klar: Die Vorgaben sind nicht mehr zu halten. Nach Handelsschluss an der Wall Street kassierte Twitter daher seinen Ausblick. Jack Dorsey musste vielmehr eingestehen, dass sich die Geschäftsentwicklung im Zuge der wirtschaftlichen Zurückhaltung durch die Corona-Krise deutlich eingetrübt habe.

„Der Einfluss von COVID-19 begann in Asien und hat sich dann zur globalen Pandemie ausgebreitet, sie hat Twitters Anzeigenerlöse weltweit in den vergangenen Wochen signifikant beeinträchtigt“, teilte Finanzchef Ned Segal in Twitters Pflichtmitteilung nach Handelsschluss mit.

Stärkerer Nutzerzuwachs wegen Corona-Informationsbedürfnis

Die Konsequenz: Im laufenden Quartal rechnet Twitter gegenüber dem Vorjahresquartal, als der 280-Zeichendienst noch 787 Millionen Dollar erlöst hatte, nun mit einem Umsatzrückgang. Auch mit schwarzen Zahlen können Anleger nicht mehr rechnen: Obwohl Twitter die Ausgaben zurückfährt, könne die Maßnahmen nicht wegbrechenden Umsätze kompensieren – das US-Unternehmen rechnet im laufenden Quartal jetzt mit operativen Verlusten.

Gleichzeitig teilte der Social Media-Pionier mit, dass sich das Nutzer-Wachstum gegenüber dem Vorquartal beschleunigt habe. Die Zahl der “monetarisierbaren täglich aktiven Nutzer” (Monetizable Daily Active Users – kurz: mDAUs) wäre inzwischen auf 163 Millionen gewachsen – ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Dilemma in Krisenzeiten: Produkt beliebt, Monetarisierung schwach

Vom in Krisenzeiten gestiegenen Informationsbedürfnis kann Twitter dennoch nicht profitieren, wie New York Times-Tech-Kolumnistin Shira Ovide herausarbeitet. „Es fühlt sich wie ein Dilemma für viele Internet-Unternehmen an. Ihr Produkt ist in diesen Zeiten so nachgefragt, aber das Geld ist einfach nicht da. (Gilt auch für Zoom, Slack u.a.)“, twitterte Ovide.

An der Wall Street sorgten die wirtschaftlich schlechten Nachrichten nachbörslich zunächst für einen weiteren Kursrückgang von zwei Prozent, ehe der Handel drehte. Insgesamt hat Twitter seit Beginn der Corona-Krise mehr als ein Drittel seines Wertes eingebüßt.

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