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Trusted Brands: Es geht nicht ohne Merkel! Danke, Frau Bundeskanzlerin

Mike Kleiß Foto: Peter Palm Photography

Sie ist die wohl wertvollste Marke, die wir in diesen Zeiten haben. Selbst Apple oder Coca Cola können ihr nicht das Wasser reichen. Die Ansprache von Angela Merkel gestern war wie eine erste seelische Impfung gegen das Corona Virus, meint Mike Kleiß. Die MEEDIA-Kolumne Trusted Brands.

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Von Mike Kleiß

Für Angela Merkel sind Medien wahrscheinlich wichtig, ein notwendiger Teil einer freien Gesellschaft. Die Bundeskanzlerin kann damit umgehen, aber niemals um sich selbst darzustellen. Das unterscheidet sie von vielen anderen Politikern. Diese wollen meist möglichst oft in den Medien stattfinden, um sich selbst zu positionieren, um sich als Marke zu etablieren. Merkels Besonnenheit, ihre Uneitelkeit, ihre regelmäßigen Absagen von Interviewanfragen hat viele Medienmacher wahnsinnig gemacht. Gerade in den letzten Monaten hat man die Bundeskanzlerin – vielleicht auch deshalb – gnadenlos heruntergeschrieben. Mehr noch: Es gab Medien, die sie sehr deutlich zum Rücktritt aufgefordert haben. Anstatt darauf zu reagieren, hat sie mit Besonnenheit reagiert, hat auf die Rücktrittsrufe einfach gar nicht geantwortet. Unmodern, aus der Zeit gefallen, zu alt für den Job, müde, kraftlos, nun ist es auch mal gut. Das alles war zu lesen und zu hören. Seit gestern ist alles anders. Alles.

(Fast) alle Kritiker verstummt

In 16 Minuten hat sie mit ihrer Ansprache an die Nation bewiesen: Es geht nicht ohne Angela Merkel. Derzeit gibt es niemanden, der dieses Land so modern, so besonnen, so klar, so umarmend leiten und führen kann. Ihre Kritiker sind beinahe alle verstummt, bis auf „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt, der ihr noch immer vorwirft, keinen konkreten Plan für die Corona Krise zu haben. Wer Merkel das vorwirft, hat nicht zugehört. Mit ihren Worten hat sie eines sehr klar gemacht: „Leute, bleibt zu Hause! Mutti sagt es Euch jetzt ein letztes Mal. Sonst gibt es Hausarrest. Aber: Ich bin für Euch da und ich passe gut auf Euch auf. Keine Panik, ich bin da. Wir schaffen auch das!“

Zugegeben: Was die Bundeskanzlerin gesagt hat, war nicht neu. Aber es war gut, es war angemessen, es war glaubhaft, es hat Vertrauen geschaffen. Genau das ist es, was die „Marke Merkel“ so wertvoll macht. Eine nachhaltige Marke darf „schwächeln“, das gehört dazu. Starke Marken sind nicht immer gleich gut, auch Apple hat oft genug Schwäche gezeigt. Der kommunikative Umgang mit Schwäche hat Apple aber meist stärker werden lassen. Dadurch kam die Brand vitaler denn je zurück. Ähnlich ist es nun auch bei Angela Merkel. Der Einschlag bei den Landtagswahlen in Thüringen war hart. Er hat der Marke Merkel nicht gut getan. Doch auch in dieser Phase blieb sie ihrem Markenkern treu: Besonnenheit, Klarheit, kein Wort zu viel, umarmend, klug.

Ein 16-minütiger Werbespot für Miteinander, Solidarität, Respekt

Gestern hat die Bundeskanzlerin tief in die Strategie-Trickkiste gegriffen. Sie setzte auf die Kraft der Kommunikation und der Psychologie. Ganz so, wie es starke Marken eben tun. Keinen Teil der Ansprache hat sie dem Zufall überlassen. Jeder Satz war Teil eines klugen und doch authentischen Drehbuchs. Es war ein 16-minütiger Werbespot für Miteinander, Solidarität, Respekt, Achtsamkeit und Klarheit. Der Dreh war mutmaßlich nicht einfach für sie, denn es gab auffällig viele Schnitte. Schließlich musste die Mimik zur Sprache passen, kleine Gesten mussten sitzen.

Dieser Werbespot ist zig millionenfach in den Herzen der Menschen angekommen. Niemand hat von Angela Merkel einen Masterplan erwartet. Der war zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht notwendig. Was gefehlt hat, war soziale und emotionale Nähe. Also das, was uns Menschen gerade so unendlich fehlt, worauf wir aus Gründen der Sicherheit und Gesundheit verzichten sollen. Alleine deshalb hat diese Ansprache gut getan. Die Bundeskanzlerin hat uns auf wunderbare und effektive Art und Weise ins Gewissen geredet. Ohne Angst zu schüren, ohne Panik zu forcieren, wie es Medien in ihrem Hunger nach Klicks leider oft noch tun. In ihrer Rede bringt es die Bundeskanzlerin auf den Punkt, wie nur starke Marken und starke Menschen können: „Niemand ist verzichtbar“. Ich möchte noch lange nicht auf diese Kanzlerin verzichten.

Über den Autor:

Mike Kleiß ist Gründer und Sprecher der Geschäftsführung der Kommunikationsagentur GOODWILLRUN. Zuvor lebte der Medien- und Markenprofi für das Radio. Als Dozent für Journalistenschulen und Akademien sind seine Schwerpunkte Marke und Kommunikation. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg und Köln. 

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