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ARD folgt dem ZDF: Mehrkosten für Produzenten und Kreative werden zur Hälfte übernommen

CC-Lizenzen seien ein weiterer Baustein, um "Inhalte möglichst leicht und möglichst dauerhaft für alle zugänglich zu machen", sagt der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow Foto: Oliver Berg/dpa

Auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten sorgt die Ausbreitung des Coronavirus für Kopfzerbrechen. Die Intendantinnen und Intendanten haben am Dienstag nun weitere Maßnahmen beschlossen, um für Engpässe gewappnet zu sein.

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Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für immer mehr Konsequenzen, natürlich auch für Kreative und Produzenten. Aus diesem Grund haben sich die Intendantinnen und Intendanten der ARD dazu entschlossen, „freiwillige Sofortmaßnahmen für eine schnelle und pragmatische Unterstützung“ auf den Weg zu bringen. Dies gab ARD-Vorsitzender Tom Buhrow am Dienstag bei einer digitalen Pressekonferenz bekannt. Die Sofortmaßnahmen gelten zunächst bis zum 30. April 2020 für alle Auftragsproduktionen, die ihren Dreh nicht fortsetzen oder nicht wie geplant beginnen können.

Geschlossene Verträge gelten fort und die Auftragsproduktionen sollen fertig gestellt werden. Wenn es zu Drehverschiebungen kommt und dadurch Kosten entstehen, soll der betroffene Produzent zunächst alle staatlichen Maßnahmen in Anspruch nehmen, betonte Buhrow. Allerdings werden sich die ARD-Sender an den nachgewiesenen Mehrkosten nach einer Entscheidung im Einzelfall freiwillig mit 50 Prozent beteiligen, so die Zusicherung.

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, sagte bei der Verkündung, dass man im Fiktionalen durch Produktionsstopps und fehlende Drehgenehmigungen schnell in eine „heikle Situation“ komme. Produzenten müssten mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken rechnen. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst“, so Herres. Allein 20 Produktionen der ARD-Tochter Degeto seien davon bereits betroffen. Herres stellte ebenfalls klar: „Serien und Filme sollen fertiggestellt werden, aber es wird größere zeitliche Verschiebungen geben.“

„Schnelle Lösungen bei der Abwicklung der Unterstützung“, so Himmler

Bereits am Vormittag hatte das ZDF ähnliche Maßnahmen verkündet. „Das ZDF verspricht schnelle Lösungen bei der Abwicklung der Unterstützung. Wir werden die Hälfte der Mehrkosten tragen, die uns Produzentinnen und Produzenten nachweisen“, so Programmdirektor Dr. Norbert Himmler.

Für den größten Einzelauftraggeber der deutschen TV-Produktionswirtschaft werden aktuell im Markt Auftragsproduktionen im Volumen von etwa 50 bis 60 Millionen Euro produziert. Allen voran bei fiktionalen Drehs sowie Reportage- und Doku-Projekten sei eine Umsetzung derzeit nicht wie geplant möglich. Es komme zu Verzögerungen und Ausfällen. Jene Sonderregelungen gelten auch hier zunächst bis zum 30. April.

Folgen werden auch für ARD spürbar sein

Bei der ARD-Pressekonferenz gaben Buhrow und Herres zudem Einblicke in die geänderten Arbeitsabläufe. Damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet, arbeiten Redaktionen und Abteilungen jeweils mit zwei Teams: eines im Funkhaus, das andere im Homeoffice. „Aber auch uns wird die Coronakrise betreffen. Davon müssen wir ausgehen“, so der ARD-Vorsitzende. Derzeit können zwar noch alle Regelprogramme produziert werden. Dies gilt vor allem für den journalistischen Bereich. Die Intendantinnen und Intendanten haben sich angesichts befürchteter Personalengpässe jedoch darauf geeinigt, dass ein Programmaustausch unter den Dritten Fernsehprogrammen möglich sein soll.

Ähnliches gilt für den Hörfunkbereich, wo eine freiwillige Übernahme von Programminhalten beschlossen wurde. Derzeit gebe es aber keine Pläne, Wellen zusammenzulegen. Buhrow verwies dort auch auf die wichtige Rolle des Mediums gerade für ein älteres Publikum. „Dass wir weitersenden, ist auch ein Stück Normalität. Aktuell senden alle Wellen.“ Die Verantwortlichen wissen aber sehr wohl, dass es, sollten die Prognosen der Virologen eintreffen, Konsequenzen für den Sendebetrieb haben kann.

Dem gestiegenen Informationsbedürfnis wollen die Sender mit dem weiteren Ausbau des journalistischen Angebots gerecht werden. Die Sondersendung wird sozusagen zum Normalfall: So wird es ab heute (17. März) prinzipiell täglich ein „ARD extra“ geben, das direkt nach der Tagesschau folgt und als 45-minütiges Magazin angelegt ist. Darin sollen Hintergründe zur aktuellen Nachrichtenlage in Form von Expertengesprächen, Politiker-Interviews und Reportagen geliefert werden.

Jede Woche soll dabei ein Haus die Hauptverantwortung übernehmen und die Inhalte der einzelnen Anstalten bündeln, wie Herres erklärte. „Da ist der Föderalismus eine Stärke, weil jedes Haus nach einer Woche wieder durchatmen kann.“ In dieser Woche beginnt der NDR mit der Leitung dieser Sondersendung, in der kommenden Woche folgt der WDR.

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