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Corona-Pandemie: Wie Medienhäuser, Werbe- und die Eventindustrie die Auswirkungen beurteilen

Foto: Imago

Die Zahl der Corona-Todesfälle in Deutschland steigt auf vier. Schulen und Kitas werden geschlossen, Volksfeste abgesagt. Hart trifft das Virus auch die Medien-, Werbe- und Eventindustrie. Die Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Home Office und sagen Dienstreisen ab. Auch das Anzeigengeschäft könnte einbrechen.

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Mehr als 3.500 Mitarbeiter beschäftigt der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann in China. Frühzeitig hat deshalb Vorstandschef Thomas Rabe einen Krisenstab eingerichtet, um die Belegschaft vor den gesundheitlichen Folgen des Coronavirus zu bewahren. „Aufgrund der aktuellen Corona-Situation bittet der Bertelsmann-Vorstand darum, ab sofort grundsätzlich von Dienstreisen abzusehen. Weiterhin sollen Veranstaltungen oder größere Meetings kritisch geprüft und wenn möglich durch Online-Meetings ersetzt oder verschoben werden“, heißt es in einer Intranet-Meldung. Dabei gibt der Krisenstab eine klare Parole an die Belegschaft aus: „Vorsicht ja, Panik nein!“

Verzicht auf ärztliche Bescheinigungen

Mitarbeiter, die aus einem Risikogebieten wie China und Italien angereist kommen, schickt der Bertelsmann-Chef umgehend nach Hause. Sie sollen mindestens 14 Tage freiwillig in den eigenen vier Wänden bleiben. Gruner + Jahr geht einen Schritt weiter. Der Hamburger Verlag verzichtet sogar darauf, dass die Mitarbeiter für die nächsten vier Monate eine Bescheinigung eines Arztes vorlegen müssen. „Damit reagieren wir auf die Empfehlung von Experten, Arztpraxen gegenwärtig nur bei echtem medizinischen Bedarf aufzusuchen“, so das Unternehmen.

Abgesagt hat der Bertelsmann-Vorstand die jährliche Präsenz-Bilanzpressekonferenz. Sie soll telefonisch stattfinden. Ebenso wurde der „Rosenball“ in Berlin zu Gunsten der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe gestrichen. Ob sich das Virus auf das Vermarktungsgeschäft auswirkt, dazu hält sich Andreas Kösling, Geschäftsleiter Sales der Ad Alliance, mit Prognosen bedeckt. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, um über mögliche Auswirkungen auf das Werbegeschäft zu spekulieren. Auswirkungen des Coronavirus sind logischerweise im Reise-Segment spürbar, ansonsten herrscht eher eine abwartende Haltung in den werbungreibenden Unternehmen“, so Kösling.

Erster Covid19-Fall bei Springer

Inzwischen meldet der Berliner Medienkonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) den ersten bestätigen Fall eines Arbeitnehmers am Standort Berlin (MEEDIA berichtete). Vorstandschef Mathias Döpfner hat deshalb beschlossen, alle Mitarbeiter ab Montag verpflichtend ins „Mobile Office“ zu schicken, um eine weitere Ausbreitung des Virus auf die gesamte Belegschaft zu verhindern. „Es besteht kein Grund zur Panik. Wir hoffen, dass wir mit diesen drastischen Maßnahmen einen effektiven Beitrag zur Bekämpfung des Coronavirus leisten können. Für uns ist dies eine Bewährungsprobe, die wir aber meistern können und werden“, schreibt Döpfner in einer Mail, die an die Mitarbeiter verschickt wurde.

Romanus Otte, Chef des „Business Insider Deutschland“, schickt seine Mitarbeiter schon Freitag nach Hause. Er rechnet damit, dass das Virus die Arbeitswelt künftig radikal verändert. „Corona wird die Art und Weise, wie wir arbeiten, sicher verändern. Das Virus wird Auswirkungen auf unsere gesamte Arbeitskultur haben – das dezentrale Arbeiten ist dabei ein wichtiger Aspekt“, meint der Journalist. So beabsichtigt er offenbar, das die Mitarbeiter den Dienst künftig komplett dezentral vom Home Office aus steuern. „Wir berichten ja regelmäßig über New Work, mobiles Arbeiten und Home Office. Nun können wir das selber machen. Das Thema und die Lage sind ernst, die Herausforderung Home Office nehmen wir aber auch mit Spaß an“, meint er.

Event-Industrie betroffen

Hart trifft das Virus auch die Event-Industrie. Denn immer Unternehmen sagen Veranstaltungen ab. So wurde das alljährliche OMR Festival in Hamburg ohne Ersatztermin gestrichen (MEEDIA berichtete). Das Online-Marketing-Event wird erst wieder im nächsten Jahr über die Bühne gehen, für den Veranstalter OMR ein schwerer Schlag. Generell sind in Hamburg Groß-Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern untersagt worden.

Auch die zur Funke Mediengruppe gehörende Mediengruppe Thüringen ist betroffen. Die Messe- und Eventabteilung des Verlagshauses verschiebt alle Veranstaltungen. Damit reagiert das Unternehmen auf einen Beschluss des Thüringer Kabinetts, das sich darauf verständigte, ab 10. April keine Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern zuzulassen. Konzernweit hatte Funke wichtige Großereignisse wie die „Goldene Kamera“ abgesagt, den Mitarbeitern Home Office verordnet und Dienstreisen nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Auch im Anzeigengeschäft befürchtet Funke negative Auswirkungen durch Covid19. „Ja, wir sehen Probleme bei den Werbeeinbuchungen (zum Beispiel Touristik). Wir sehen aber auch, dass die Digitalangebote unserer Regionalmedien mehr als jemals zuvor angenommen werden“, erklärt ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Auch ProSiebenSat.1 reagiert auf das Virus: Weil ein Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 in Düsseldorf positiv auf das Coronavirus getestet wurde, hat die Sendergruppe vorsorglich 200 Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Unterföhring bei München ins Home Office geschickt. Hintergrund sei, dass Mitarbeiter, die mit dem Infizierten in Kontakt waren, zwischen den Standorten hin und her reisten.

„Fast keine persönlichen Meetings mehr“

Betroffen sind auch Internet-Firmen und Agenturen. „Es finden aktuell fast keine persönliche Meetings mehr mit unseren Kunden statt, was die Abläufe natürlich erschwert. Aber wir sehen auch viel Verständnis und Aufgeschlossenheit gegenüber Video-Konferenzen“, erklärt Sara Urbainczyk, Co-Gründerin und Geschäftsführerin von „Echte Mamas“, Deutschlands größte Social Community für Mütter. Derzeit hätte die Agentur fast alle persönlichen Meetings mit Kunden abgesagt.

Große Probleme sieht die Geschäftsführerin vor allem für die Kinderbetreuung ihrer Mitarbeiter. „Als Unternehmen, das hauptsächlich Mütter beschäftigt, sehen wir die größte Herausforderung in der Kinderbetreuung. Homeoffice ist kein Problem, aber mit Kindern zu Hause fast nicht machbar“, betont sie. Deswegen müsse sich das Unternehmen darauf einstellen, „zu neuen Tageszeiten zu arbeiten. Abends arbeiten, wenn die Kinder schlafen. Und in dieser Zeit sind Eltern als Team gefragt. Man muss ich gegenseitig helfen und noch mehr austauschen. Kinderbetreuung darf dann auch nicht mehr nur das Thema von Frauen sein“, so Urbainczyk.

„Verstärkt online arbeiten, weniger reisen“

Auch Brian O’ Connor, Co-Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur rethink, hat die Belegschaft auf die neue Situation eingeschworen. „Wenn man in einer Stadt wie Berlin lebt, merkt man, dass die Menschen weniger von dem Virus als von dem Ausbruch der Panik beunruhigt sind. Im täglichen Leben hat sich das auch darin bemerkbar gemacht, dass wir zusätzlich verstärkt online arbeiten und weniger reisen. Dies ist ein an sich interessant zu beobachtender Nebeneffekt, der schon lange gebraucht wird. Man muss sich auf diese Veränderung einlassen und sie wird die Dinge hoffentlich zum Besseren verändern“, sagt er.

„Hier lässt sich privat und geschäftlich kaum mehr trennen. Von der persönlichen Angst über die Unversehrtheit seiner Familie, bis hin zu den schon spürbaren negativen Einwirkungen auf unser Geschäft. Corona ist in allgegenwärtig“, meint Jasper von Hardenberg, Co-Gründer und Geschäftsführer von CRTN. Seiner Ansicht nach wirkt sich das Virus auf den Geschäftsbetrieb aus: „Events werden verschoben, Meetings mit Kunden und potentiellen Kunden ebenso. Ein nicht unerheblicher Teil unserer Arbeit sind Workshops und Schulungen für unsere Kunden, und auch diese werden nun erst einmal verschoben. Wobei wir mit einigen unserer Kunden, die – wie wir auch – sich sehr modern in ihren Prozessen aufgestellt haben, Schulungen über Video-Konferenzen durchführen.“

gl/ts

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