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Erstaunlich resistent: Warum Apple der Coronakrise trotzt

iPhone-Käufer in China: Die Apple Stores eröffnen wieder © Apple

Es ist ein Ausrufezeichen mitten in der schwersten Verwerfung der Kapitalmärkte seit über einer Dekade: Der wertvollste Techkonzern der Welt performt in den Corona-Wirren weitaus besser als der breite Markt. Auf den ersten Blick überrascht Apples Resistenz, zumal der iPhone-Hersteller als erster Global Player vor den Folgen von Covid-19 warnte. Doch die Rückkehr zur Arbeitsnormalität in China und die steigende iPad-Nachfrage im Reich der Mitte beruhigt Anleger offenbar.

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Es ist offiziell. Erstmals seit der großen Finanzkrise – und damit seit elf Jahren – ist die Wall Street wieder im sogenannten Bärenmarkt angekommen, mit dem Kursverluste von mindestens 20 Prozent gegenüber den Allzeithochs gemeint sind. Alle großen US-Indizes sind nach erneut drastischen Kursverlusten im Zuge des Coronavirus nun auf diesem Niveau angekommen.

Gegen den Trend stemmt sich seit einigen Handelstagen erkennbar der wertvollste Tech-Konzern der Welt, der trotz des heutigen Kurseinbruchs auf 275 Dollar bislang lediglich 16 Prozent an Wert einbüßte und sich deutlich besser geschlagen hat als die drei Benchmarks Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq-100 – Apple.

Apple in Coronakrise bester GAFAM-Konzern

Der iKonzern liegt gegenüber seinen  Mutterkonzern Februar markierten Allzeithochs lediglich um 16 Prozent hinten und hat sich damit in der Coronavirus-Pandemie inzwischen zur am besten performenden Aktie im GAFAM-Konglomerat (Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft) entwickelt.

Die relative Resistenz gegen die Coronakrise ist bemerkenswert, zumal Apple Mitte Februar als erstes großes Tech-Unternehmen vor den Auswirkungen der Pandemie auf seine Geschäftsentwicklung warnte.  “Diese Lieferengpässe werden kurzfristig unsere weltweiten Umsätze beeinträchtigen”, teilte der Konzern seinerzeit mit. Apple erklärte im Schreiben an Investoren, dass der wertvollste Tech-Konzern der Welt nicht mehr damit rechne, die ursprünglichen Umsatzziele im März-Quartal zu erfüllen.

iPhone-Absatz in China bricht im Februar massiv ein

Seitdem haben zahlreiche Analysten den Daumen gesenkt und ihre Kursziele zusammengestrichen. Die Deutsche Bank reduzierte ihr Kursziel vergangenen Freitag, die Schweizer Großbank UBS gestern und die Analysten der Bank of America heute. Allen Analysen ist die Sorge vor schwächeren Umsätzen und möglicherweise auch Produktverschiebungen gemein. Im Februar, als China zu großen Teilen unter Quarantäne gestellt wurde, verkaufte Apple 62 Prozent weniger iPhones als im Vorjahreszeitraum – nämlich nicht einmal mehr eine halbe Million Einheiten.

Allerdings: Es gibt auch positive Signale. Die Hoffnung auf eine baldige Erholung wird nämlich ausgerechnet im Epizentrum des Coronavirus-Ausbruchs genährt. In China, dem zweitwichtigsten Absatzmarkt der Welt, soll die Produktion von Apples mit Abstand wichtigstem Auftragsfertiger Foxconn bereits Ende März wieder fast mit alter Kapazität laufen.

Nikkei Asian Review: iPad-Nachfrage zieht in Coronakrise in China an

Dazu scheint Apple ein Nebeneffekt der Corona-Pandemie in die Karten zu spielen. Wie der Nikkei Asian Review berichtet, erlebt das iPad, das sich eigentlich seit Jahren auf dem absteigenden Ast befindet, in China ein bemerkenswertes Comeback.

Der Grund: Die Schulschließungen und der damit verbundene Unterricht von zu Hause. Nach Angaben der japanischen Wirtschaftszeitung hat Apple seine iPad-Produktion für das erste Halbjahr um 20 Prozent hochgefahren. Die iPad-Sparte rangiert nach Umsätzen in Apples Produktkategorien inzwischen allerdings an letzte Stelle.

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