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Trotz trister Remissionsquoten: Darum hält die „taz“ am Einzelverkauf fest

Foto: taz

Seit dem 2. März kostet die „taz“-Ausgabe im Einzelverkauf 2,20 Euro (montags bis freitags), am Samstag müssen Leserinnen und Leser 3,80 Euro hinlegen. Wirtschaftlich profitabel sei das Ganze allerdings überhaupt nicht, rechnet Geschäftsführer Andreas Bull nun vor.

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Von den Verkaufspreisen müssen mehrere Beteiligte bezahlt werden, so Bull in seiner Analyse. „Nach Abzug der Mehrwertsteuer die Druckereien und die Speditionen, dann die Grossisten und letztlich der Einzelhandel, die beide zusammen an die 40 Prozent des Einzelverkaufspreises einbehalten.“ Grob geschätzt bleibe „nichts übrig, um das zu bezahlen, was drinnen steht“.

2019 war das Blatt bundesweit an täglich durchschnittlich 7.018 Einzelverkaufsstellen zu haben. 278 davon sind Bahnhofsbuchhandlungen, die direkt im Auftrag der „taz“ von den drei Standorten, an denen die Tageszeitung gedruckt wird, beliefert werden. Für die Disposition an die übrigen 6.760 Händlerinnen und Händler sorgen 96 quer durch die Republik verteilte Anlieferstellen des Pressegrosso.

Öffentliche Präsenz der „taz“ soll gewährleistet sein

Im vergangenen Quartal habe das Medienhaus je Werktag 12.424 Exemplare ausgeliefert, nur 2.264 wurden verkauft. Die Remissionsquote liegt damit bei 82,6 Prozent. Etwas besser lief es am Samstag, wo die Quote bei 76,2 Prozent steht. Von 18.040 ausgelieferten Exemplaren wurden 4.287 verkauft. Damit sei man auf ähnlichem Niveau wie beispielsweise das Handelsblatt.

Dennoch hält die „taz“ am Einzelverkauf fest. Warum? Bull schreibt dazu folgendes:

Wir machen es aber trotzdem weiter, weil wir auch jenen, die nur gelegentlich interessiert sind, eine Chance lassen und die öffentliche Präsenz der ‚taz‘ solange es irgend geht sicherstellen wollen. Und solange das Geschäft in sich kostendeckend ist, lohnt sich der Aufwand dafür allemal.

Die Umsätze und Mengen im Einzelverkauf sind in den letzten Jahren branchenweit zwar gesunken, allerdings „hat dieses Segment unseres Geschäftes noch nie einen nennenswerten Teil zur Finanzierung der Arbeit der Redaktion beigetragen“, so Bull. Ganz im Gegensatz zu den Abonnements im Gedruckten und Digitalen.

Gründer Ruch rief das Ende der gedruckten Zeitung aus

Das Haus macht derzeit eine digitale Transformation von Print hin zum Digitalen durch. Dort bezahlen derzeit über 19.200 Nutzerinnen und Nutzer für das digitale Angebot. Das Spendenmodell ist vergleichbar mit dem des „Guardian“. Erst Anfang März wurde bekannt, dass mit Aline Lüllmann eine Expertin für die Transformation in die Geschäftsführung einsteigt. „Sie bringe das nötige Rüstzeug“ für den Wandel mit, betonte Vorstandsmitglied Pascal Beucker.

Schon 2018 hatte Mitgründer und Ex-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch laut über einen radikalen Wandel nachgedacht. Damals hieß es: „Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter.“ Er bereitete die Mitglieder darauf vor, dass „der tägliche Druck und Vertrieb der Papier-‚taz‘ bald nicht mehr möglich sein könnte”.

Die Bezugspreise der Abos, erläutert Bull, errechneten sich nicht aus der Addition der Einzelverkaufspreise, die am Kiosk erzielt werden können. Abos müssen jenen Ertrag erbringen, „mit dem die hohen Aufwendungen für den besonderen unabhängigen Journalismus der ‚taz‘ ausgeglichen werden können.“ Dafür seien vor allem jene Abos hilfreich, bei denen durch digitale Auslieferungen die Kosten für Druck, Spedition und Zustellung ersetzt würden.

tb

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