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Henkel will sein Portfolio bereinigen und sich von unrentablen Marken trennen

Carsten Knobel von Henkel. Foto: dpa

Henkel stellte gestern auf der Bilanzpressekonferenz seinen neuen strategischen Rahmen für die Zukunft vor. Ein Schwerpunkt der Ausrichtung ist ein aktives Portfoliomanagement. Henkel hat Marken und Kategorien mit einem Gesamtumsatz von mehr als einer Milliarde Euro identifiziert, von denen rund 50 Prozent bis 2021 veräußert oder eingestellt werden sollen.

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Der neue Vorstandschef von Henkel, Carsten Knobel, hat auf einer Bilanzpressekonferenz angekündigt, das Portfolio von Henkel überarbeiten zu wollen. Der Grund ist der schwächelnde Umsatz des Konsumgüterherstellers. „Zuletzt lag unsere Entwicklung jedoch insgesamt unter unseren Ambitionen und den Erwartungen unserer Aktionäre“, ließ Knobel verlauten.

Der Gewinn des Markenartiklers brach im Geschäftsjahr 2019 unter dem Strich um fast zehn Prozent auf 2,1 Milliarden Euro ein. Der Umsatz stieg nur aufgrund von Wechselkurseffekten und Zukäufen noch leicht um 1,1 Prozent auf gut 20 Milliarden Euro. Organisch lag er auf Vorjahresniveau. Doch eine neue Strategie „für ganzheitliches Wachstums“, soll dem Konzern nun neuen Schwung geben.

Henkel plant Portfolioverkleinerung

Henkel hat dabei Marken und und Kategorien mit einem Gesamtumsatz von rund einer Milliarde Euro auf den Prüfstand gestellt, die nicht die Erwartungen erfüllen. Rund die Hälfte davon soll bis 2021 veräußert oder eingestellt werden. Der Rest solle wieder auf Vordermann gebracht werden, sagte Knobel.

Konkret kündigte Knobel an, Geschäfte und Marken mit einem Umsatzvolumen von einer Milliarde Euro auf den Prüfstand zu stellen. Bei der Hälfte der Geschäfte steht praktisch fest, dass sie verkauft werden. Bei der anderen Hälfte wird eine Sanierung geprüft, bevor die Aktivität möglicherweise geschlossen oder verkauft wird.

Im Visier bei der Aufräumaktion sind dabei vor allem kleine und wachstumsschwache Marken im Konsumbereich, also im Geschäft mit Kosmetik und Reinigungsprodukten. Welche Marken genau es treffen wird, teilte der Konzern allerdings zunächst nicht mit. Auch zu einem möglichen Stellenabbau in diesem Zusammenhang machte er keine Angaben.

Henkel hängt den eigenen Ansprüchen hinterher

Knobel musste einräumen, dass das Unternehmen bei vielen Vorhaben deutlich unter der Planung liegt. Einst hatte man angekündigt, den digital erwirtschafteten Umsatz auf rund vier Milliarden Euro in 2019 hochzuschrauben. Das misslang.

Damit dieses Ziel erreicht wird, wurden Ende 2019 die Computertechnik und der Digitalbereich zusammengelegt, neue Experten werden gesucht. Für weiteres Wachstum waren im vergangenen Jahr 300 Millionen Euro zusätzlich für Marketing und Digitalisierung eingeplant, aber nur die Hälfte wurde ausgegeben.

Ein Lichtblick: Die Marke Persil, die zuletzt ein zweistelliges Wachstum verzeichnen konnte. Ohnehin war das Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln noch der größte Lichtblick für den Düsseldorfer Konzern. Die Sparte erzielte 2019 ein organisches Umsatzwachstum von 3,7 Prozent. Der Gewinn schrumpfte allerdings auch hier nicht zuletzt wegen erhöhter Investitionen in Marketing, Technologie und Digitalisierung deutlich.

Die Anleger müssen noch von der Wachstumsagenda überzeugt werden. Der Kurs rutschte nach der Vorstellung von Henkels Zukunftsplänen um sechs Prozentpunkte ab.

lk

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